Mixed

Diese Wahl wurde selbst zum Kult

Zum 70. Mal werden heute Österreichs Sportler des Jahres gekürt. Eine Wahl, die erstaunliche Emotionen ausgelöst hat.

Marcel Hirscher kann heute mit seinem fünften Triumph Hermann Maier überflügeln. SN/www.picturedesk.com
Marcel Hirscher kann heute mit seinem fünften Triumph Hermann Maier überflügeln.

Am Anfang war alles ganz einfach. Als 1949 zum ersten Mal Österreichs Sportler des Jahres gewählt worden sind, da waren die Rollen klar verteilt: Der Radfahrer Richard Menapace und die Fechterin Ellen Müller-Preis waren echte Sporthelden im Nachkriegs-Österreich, ihre Siege fast logisch.

Doch das sollte sich im Laufe der Jahre ändern. Galten in den Achtziger- und Neunzigerjahren Wahlen und Auszeichnungen für Sportler schon als verstaubt, kam nach der Jahrtausendwende richtig Pfeffer in die Sache. Als just 56 Jahre nach Menapace mit Georg Totschnig wieder ein Radfahrer triumphiert hat, da gingen die Wogen hoch. ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel sah sich persönlich beleidigt, dass Benjamin Raich hauchdünn (mit 1705 zu 1734 Stimmen) unterlegen war, und bezweifelte die berufliche Qualifikation mancher Sportjournalisten. Zur Erinnerung: Totschnig gewann damals eine Etappe bei der Tour de France, Raich gleich fünf Medaillen bei der Ski-WM, davon zwei in Gold.

Damit war ein neues Kapitel aufgeschlagen: die Diskussion über die Vergleichbarkeit sportlicher Erfolge. Diese hält bis heute an.

"Das zeigt, dass der Preis einen hohen Stellenwert hat und nicht nur irgendeine Auszeichnung ist. Ich denke da auch an das Herzschlag-Finish zwischen David Alaba und Marcel Hirscher vor vier Jahren, als Alaba mit nur einem Punkt Vorsprung gewonnen hat. Das sind Momente, die in Erinnerung bleiben und die zeigen, dass wie bei jeder Wahl jede Stimme ihre Bedeutung hat", sagt Hans-Peter Trost. Er ist an diesem Abend gleich in doppelter Mission unterwegs: Als Präsident der Vereinigung Österreichischer Sportjournalisten (Sports Media Austria) ist er Schirmherr der Wahl, als Sportchef des ORF verantwortlich für die Produktion der Gala. Bereits ab 17.30 wird es Live-Einstiege vom roten Teppich geben, ab 20.15 wird die Gala in der Marx-Halle mit 1400 Gästen aus Sport, Kultur und Wirtschaft live übertragen.

Die Diskussionen haben jedenfalls den Wahlvorgang radikal geändert: Jeder der heuer 599 stimmberechtigten Sportjournalisten von Sports Media Austria hat seine Stimme per Internet verschlüsselt übermittelt. "Das ist genauso sicher wie Internet-Banking", sagt Trost.

Diskussionen wird es wieder geben, eventuell auch einen neuen Rekordsieger: Marcel Hirscher kann als erster Sportler Österreichs die Trophäe zum fünften Mal gewinnen, derzeit liegt er mit Hermann Maier mit je vier Siegen gleichauf. Hirscher könnte damit mit der Gala seinen Frieden machen: Einmal riss ihm unmittelbar vor dem Auftritt die Anzughose, 2014 unterlag er in der knappsten Entscheidung der Wahl-Historie um einen einzigen Punkt dem Bayern-Kicker David Alaba. Im Vorjahr fehlte Hirscher als Sieger, weil er in Prag als Europas Sportler des Jahres geehrt wurde.

Auch wenn die Sportlerin und der Sportler sowie das Team des Jahres im Vordergrund stehen, so wird in neun Kategorien gewählt, heuer erstmals auch im Bereich Special Olympics.

Der große Sieger des Abends ist der heimische Sport: Der Reingewinn der Galanacht kommt der Sporthilfe zugute - im Vorjahr waren das immerhin 340.000 Euro.

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