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Doping: Sportnation Großbritannien und ihre Stars im Zwielicht

Auf die außerordentlichen Sporterfolge Großbritanniens, das in Rio de Janeiro dank 27 Mal Gold Rang zwei im Medaillenspiegel belegt hat, fallen immer größere Schatten. Die Topstars von der Insel - der erste britische Tour-de-France-Sieger Bradley Wiggins und der vierfache Langstreckenlauf-Olympiasieger Mo Farah - stehen im Mittelpunkt von Doping-Diskussionen. Und nicht nur sie.

Um Bradley Wiggins gibt es Aufklärungsbedarf.  SN/APA (AFP)/CARL DE SOUZA
Um Bradley Wiggins gibt es Aufklärungsbedarf.

Die Karriere des zum Jahresende 2016 zurückgetretenen Wiggins, der 2012 von der Queen zum Ritter geschlagen wurde, erscheint in dunklerem Licht. Die britische Anti-Doping-Agentur (UKAD) hat dem Landesverband, dem Vorzeigerennstall Sky, dessen Manager Dave Brailsford und dem einstigen Kapitän und fünffachen Olympiasieger Wiggins schwere Vorwürfe gemacht. Bei der Aufarbeitung möglicher Doping-Verstöße macht das Team, das seit 2012 mit einer Unterbrechung immer den Tour-Sieger stellte, keine gute Figur.

In der Leichtathletik hat es nur sehr selten so laute Momente gegeben wie jene im August 2012, als 80.000 Fans im Olympiastadion von London Mo Farah zu Siegen über 5.000 und 10.000 Meter brüllten. Inzwischen fliegen dem ebenfalls geadelten Leichtathleten ganz andere Dinge um die Ohren. Sein Trainer Alberto Salazar steht laut "Sunday Times" bei der US-Anti-Doping-Agentur (USADA) wegen Dopingvorwürfen im Fokus.

Der US-Coach soll bei seinen Athleten rezeptpflichtige Medikamente missbraucht und verbotene Infusionen zur Leistungssteigerung empfohlen haben. Dies geht aus einem vertraulichen Zwischenbericht der USADA, die nun Farahs Dopingproben für Nachtests anforderte, an die texanische Ärztekammer hervor. Farah wehrte sich vehement: "Ich bin ein sauberer Athlet, der niemals die Regeln in Bezug auf Substanzen, Methoden oder Dosierungen gebrochen hat", betonte der 33-Jährige.

Im Fall Wiggins geht es um eine mysteriöse Medikamenten-Lieferung vor sechs Jahren, als ein Verbandsangestellter ein Päckchen mit einem Medikament aus Manchester dem Teamarzt Robert Freeman in Frankreich überbrachte. Die Reise kostete einen hohen dreistelligen Pfund-Betrag. Dabei wäre das angeblich zugestellte Medikament in Frankreich um zehn Euro zu kaufen gewesen. Dave Brailsford, der Chef des Teams Sky, geriet wegen seiner Aussagen zu diesem Thema unter Druck.

Freeman war der Ladung vor den britischen Parlamentsausschuss zu Untersuchungen der Unregelmäßigkeiten rund um das 28-Millionen-Euro-Team in der vergangenen Woche nicht gefolgt. Der Mediziner konnte die Medikamenten-Gaben an Wiggins nicht dokumentieren - Aufzeichnungen darüber seien bei einem Diebstahl seines Laptops 2014 in Griechenland verloren gegangen, ließ Freeman wissen.

Das Team Sky, das unter der Prämisse des sauberen Radsports und diesbezüglich werbewirksam immer Null-Toleranz-Politik propagiert hatte, habe sich nicht kooperativ verhalten, hieß es. "Vom ersten Moment an gab es eine spürbare Abwehrhaltung gegenüber unseren Bemühungen", hatte die UKAD-Chefin Nicole Sapstead der britischen Zeitung "Independent" erklärt.

Profis im Team hätten bereits Rücktrittsforderungen an Manager Brailsford diskutiert, berichtete die Internetplattform "cyclingnews", ohne Namen zu nennen. Das Parlamentsmitglied des Unterhauses, Damian Collins, erklärte, der britische Radsport und das Team Sky befände sich bezüglich seiner Glaubwürdigkeit "in einer fürchterlichen Situation".

In der englischen Premier League hatte im April 2016 ein mutmaßlicher Dopingring um den Frauenarzt Mark Bonar nach Recherchen der ARD und "Sunday Times" für Schlagzeilen gesorgt. Fußball-Profis sollen illegal behandelt worden sein. Die Affäre wurde geräuschlos beigelegt. Der spanische Gynäkologe Eufemiano Fuentes hatte bis 2006 Sportler illegal behandelt. Die Namen von rund 50 Radprofis wurden bekannt, von weiteren rund 100 "Patienten" gibt es nur Blutkonserven - die WADA muss diese erst zuordnen.

Quelle: Apa/Dpa

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