Sport

Doping: Verdächtige Proben von 298 russischen Sportlern

Die von der WADA aufgedeckten Datenmanipulationen im russischen Dopingskandal betreffen verdächtige Proben von 298 Sportlern. 145 davon könnten einer Verfolgung entgehen, weil ihre Datensätze nicht mehr vollständig rekonstruiert werden können. Das geht laut Medien aus dem Bericht der WADA-Untersuchungskommission hervor. Russlands Regierungschef Dmitri Medwedew kritisierte die drohenden Strafen.

Von den 298 Sportlern könnten 145 einer Verfolgung entgehen SN/APA (AFP)/BRENDAN SMIALOWSKI
Von den 298 Sportlern könnten 145 einer Verfolgung entgehen

Die von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) beauftragten Experten hatten die mutmaßliche Fälschung der Moskauer Labordaten aus den Jahren 2012 bis 2015 in den vergangenen Monaten untersucht. Die Manipulationen waren aufgeflogen, weil die WADA dank eines Whistleblowers in den Besitz des Originaldatensatzes gekommen war und diesen mit den von Russland erst mit monatelanger Verspätung ausgehändigten Dopingtest-Ergebnissen abglichen hatte.

Aufgrund der mutmaßlichen Manipulationen und weiteren Beweismittelfälschungen drohen Russland am Montag scharfe Sanktionen durch die WADA-Exekutive. Ein Untersuchungsgremium hat eine vierjährige Sperre der russischen Anti-Doping-Agentur (RUSADA) empfohlen. Diese war bereits von 2015 bis September 2018 gesperrt gewesen, weil man Russland im Staatsdopingskandal weitreichende Manipulationen bei den Olympischen Spielen 2014 und davor nachgewiesen hatte. Im Zuge der Affäre sind bereits zahlreiche russische Spitzenathleten aus diversen Sportarten, darunter etliche Olympiamedaillengewinner, überführt und gesperrt worden.

Die Aufhebung der RUSADA-Sperre im Vorjahr war unter anderem an die Bedingung geknüpft gewesen, dass die Russen die nun betroffenen Moskauer Labordaten unverzüglich an die WADA aushändigen müssen. Das geschah dann aber erst mit gehöriger Verspätung, in diesem Zeitraum soll es zur Manipulation der Daten gekommen sein.

Neben der neuerlichen Sperre der RUSADA dürfte die WADA russische Sportler am Montag von den Olympischen Spielen 2020 und 2022 ausschließen. Ihre Teilnahme unter neutraler Flagge wäre aber trotzdem möglich, was international zu teils harter Kritik am Internationalen Olympischen Komitee geführt hat. Außerdem dürfte Russland gemäß den Strafenkatalog-Empfehlungen in den kommenden vier Jahren auch die Austragung wichtiger internationaler Wettkämpfe untersagt werden.

Unabhängig von den aktuellen 298 Verdachtsfällen hatte die WADA im Herbst zur Verfolgung möglicher Dopingvergehen bereits die Daten 47 anderer russischer Athleten an internationale Sportverbände weitergeleitet. Diese Datensätze aus dem Moskauer Labor sind laut WADA nicht von Fälschungen betroffen.

Der russische Regierungschef Dmitri Medwedew kritisierte im Doping-Skandal die drohenden Strafen gegen sein Land als politisch motiviert. "Mich erinnert das an eine unendliche antirussische Serie. Offensichtlich hat das etwas mit der gesamtpolitischen Situation zu tun", sagte Medwedew am Donnerstag im Staatsfernsehen.

Medwedew behauptete außerdem, dass gegen Russland härter vorgegangen werde als gegen andere Länder, in denen es auch Doping gebe. "Das ärgert am meisten. Wir kennen diese Beispiele, aber sie werden unter den Tisch gekehrt, und auf uns wird dauernd geschaut." Zugleich kündigte Medwedew an, dass Russland alles dafür tun werde, dass die Sportler des Landes an internationalen Wettkämpfen teilnehmen könnten.

Medwedew betonte auch, dass sein Land weiter gegen Doping kämpfen werde. Doping sei ganz klar ein Rechtsverstoß, bekräftigte er. Die Schuld der Athleten sei aber nicht erwiesen. Auch solle in Russland härter mit jenen ins Gericht gegangen werden, "die die Entscheidung treffen, diese Präparate einzusetzen, während sie sich im Klaren darüber sind, dass die Verantwortung letztlich beim Sportler und dessen Arzt liegt".

Die Vereinigung der führenden Nationalen Anti-Doping-Agenturen (iNADO) unterstützt die zu erwartenden Sanktionen gegen Russland. Angesichts der "schockierenden Enthüllungen in der jüngsten Episode der Russland-Saga und des schieren Ausmaßes der andauernden Korruption" hätte man sich aber noch schärfere Strafen gewünscht, wie die iNADO am Freitag in einer Erklärung ausführte.

Die Daten, die die WADA-Experten im Zusammenhang mit der Manipulation der Moskauer Labordaten und der Fälschung von Beweisen zusammengetragen habe, würden zeigen, dass "Russland nichts gelernt hat und nicht bereit ist, aus seinen schwerwiegenden Indiskretionen zu lernen." Obwohl die Konsequenzen härter ausfallen hätten können, sei man mit dem Ablauf der Untersuchung grundsätzlich zufrieden und fordere die WADA-Exekutive auf, am Montag zu beschließenden Sanktionen auch genauso umzusetzen, so die iNado.

In weiterer Folge müssten die Sanktionen gegen Russland als "nachweislich schwächstes Glied im globalen Anti-Doping-Kampf" mit voller Härte und allen zur Verfügung stehenden Ressourcen auch tatsächlich unverzüglich umgesetzt werden. Dabei müssten alle Entscheidungsträger und Organisationen geschlossen vorgehen, um die Interessen der sauberen Athleten weltweit zu schützen.

Der iNado gehören unter anderem die Anti-Doping-Behörden aus den USA, China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Frankreich und Österreich an. Auch die von den drohenden Sanktionen betroffene Anti-Doping-Agentur Russlands (RUSADA) ist seit 2013 Mitglied.

Quelle: APA

SPORT-NEWSLETTER

Jetzt anmelden und wöchentlich die wichtigsten Sportmeldungen kompakt per E-Mail erhalten.

*) Eine Abbestellung ist jederzeit möglich, weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Aufgerufen am 15.01.2021 um 05:05 auf https://www.sn.at/sport/mixed/doping-verdaechtige-proben-von-298-russischen-sportlern-80251105

Kommentare

Schlagzeilen