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Doskozil will Förderung auf Topsportarten konzentrieren

Eine "Stunde null" in Österreichs Sportstrategie wird es auch nach den Olympischen Sommerspielen in Rio nicht geben. Sportminister Hans Peter Doskozil (SPÖ) will das heimische Fördersystem zwar umkrempeln, denkt dabei aber vorerst nur an den Spitzensport. Weg vom gescholtenen Gießkannenprinzip sollen die vielen derzeit bestehenden Institutionen möglichst schnell einen gemeinsamen Rahmen bekommen.

Doskozil will Förderung auf Topsportarten konzentrieren SN/APA/GEORG HOCHMUTH

Die Ausschüttung der Fördergelder für den Spitzensport soll künftig in der Hand einer von Experten geführten Gesellschaft mit klarer Führungsstruktur liegen und damit konzentrierter als bisher funktionieren. Das untermauerte Sportminister Doskozil am Dienstag bei einem gemeinsamen Medientermin mit Projekt-Rio-Koordinator Peter Schröcksnadel in Wien.

Die momentanen Förderinstanzen, wie der Bundessportförderungsfonds, das Team Rot-Weiß-Rot oder etwa die Sporthilfe sollen in einer gemeinsamen Institution - idealerweise einer GmbH - zusammengeführt werden. "Es wird nur mehr eine Institution geben. Auch die 40 Millionen aus unserem Haus werden wir dort reingeben", wiederholte Doskozil sein bereits geäußertes Vorhaben einer "Entpolitisierung" des Spitzensports. Er sieht für sein Ministerium eine neue Rolle vor: "Die sehe ich zukünftig viel mehr im legistischen Bereich und im Verordnungsbereich", sagte Doskozil.

Wie der Grundriss dieser Über-Institution aussehen könnte, das diskutiert Doskozil gerade mit altbekannten Funktionären. "Dazu gehört das ÖOC und - ich sage es ganz ehrlich - auch Peter Schröcksnadel und andere Verbandspräsidenten gehören dazu", meinte Doskozil. Es gehe darum, die Verbände von der Idee zu überzeugen. "Ich glaube, das ist gelungen", erklärte Doskozil. Allzu sehr ins Detail gehen wollte der Minister nicht. "Ich will noch die Diskussion darüber verbreitern. Denn die wird sowieso öffentlich gemacht werden müssen, weil es spätestens, bevor es ins Parlament einfließen wird, auch einen Begutachtungsprozess gibt."

Der seit Jänner 2016 angelobte Minister strebt eine "Institutionalisierung des Projekt Rio" an. Angelehnt an das Olympia-Projekt, wo einzelne Kernsportarten mit Erfolgsaussichten gefördert wurden, soll die Ausschüttung der Gelder zukünftig noch konzentrierter passieren. "Man muss sich einmal klar dazu bekennen, dass wir das Geld dorthin geben, wo wir gut sind, wo wir Chancen haben und wo wir gewinnen können", sagte Doskozil, ohne jedoch bereits konkrete Sportarten zu nennen. "Das können heute zehn Verbände sein, das können in drei Jahren 15 Verbände sein."

Rio-Koordinator und ÖSV-Präsident Schröcksnadel drückte es gewohnt direkt aus: "Ich bin der Meinung, dass ein Verband eine Vorleistung erbringen muss mit seinen Sportlern. Dass sie vorher ein gewisses Niveau erreichen. Erst dann werden sie unterstützungswürdig, nicht vorher." Das sieht auch Doskozil so: "Es kann nicht nur eine Bringschuld der Fördergeber sein, dass ein Verband funktioniert. Es muss auch eine Holschuld sein."

Neu ist die Idee einer Art Erfolgsranking aber nicht. Beim Bundessportförderungsfonds etwa war noch 2015 ein Teil der Förderung erfolgsorientiert. Im Dezember 2015 einigte man sich auf eine neue Lösung: Sportarten wurden in die Gruppen olympisch, nicht-olympisch und Mannschaftssportarten unterteilt. Nicht einmal ein Jahr später könnte wieder alles anders sein.

Denn die Verhandlungen für das neue Modell würden gut laufen, so Doskozil. Auch Koalitionspartner ÖVP zeige sich gesprächsbereit. "Wir sind in den Vorgesprächen ziemlich weit und werden in den nächsten zwei, drei, vier Wochen ganz konkrete legistische Maßnahmen vorlegen können", sagte Doskozil. Er ist zuversichtlich, dass die Pläne bereits im Herbst umgesetzt werden könnten.

Bedenken, dass es in der Umsetzung zu einem Schnellschuss komme, wie sie etwa der siebenfache Olympia-Medaillen-Gewinner Felix Gottwald äußerte, wischte Doskozil beiseite. "Wenn man weiß, was das Richtige wäre, muss man es auch umsetzen", betonte Doskozil. "In vier Jahren sind die nächsten Olympischen Sommerspiele. Wenn wir wieder jahrelang diskutieren, dann werden wir nie zu etwas kommen."

Die Auswahl der förderungswürdigen Sportarten soll zukünftig flexibel sein. "Wenn erkannt wird, dass sich da etwas entwickelt, dann wird man auch massiv mit den Förderungen einsteigen", erklärte Doskozil. Derzeit weniger erfolgreiche Verbände würden aber im Bereich des Spitzensports zukünftig auf Förderungen verzichten müssen und sollen über die jeweiligen Dachverbände "aufgefangen" (Doskozil) werden.

Die Existenz der von Experten als "unzeitgemäß" kritisierten drei Dachverbände ASKÖ, ASVÖ und Sportunion will Doskozil grundsätzlich aber nicht diskutieren. "Wir haben hier eine historisch gewachsene Struktur, die sich bewährt hat. Aber wir können darüber diskutieren, wie die Gelder eingesetzt werden."

Quelle: APA

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