Leichtathletik

Eine EM als Initialzündung für den Sommersport

Der Österreichische Leichtathletikverband wird nun für Innovationen belohnt und will in Zukunft noch mehr.

Gregor Högler mit Lukas Weißhaidinger.  SN/gepa
Gregor Högler mit Lukas Weißhaidinger.

Da holte Lukas Weißhaidinger eine wahrhaft historische Bronzemedaille im Diskuswurf bei der Europameisterschaft in Berlin, immerhin erst das dritte Edelmetall für einen männlichen Leichtathleten aus Österreich. Doch der Hüne aus dem Innviertel dachte danach schon wieder an andere: "Ich bin überzeugt, dass die Ivi auch noch eine Medaille holen wird." Siebenkämpferin Ivona Dadic lag am Freitag nach sechs Disziplinen auf Platz fünf. Der Bewerb ging nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe in die Entscheidung.

Teamgeist und Optimismus kennzeichnen die österreichische Leichtathletik bei diesen Titelkämpfen. Mit 16 Athleten ist das Team so groß wie schon seit mehr als 30 Jahren nicht mehr. Gregor Högler, Sportdirektor des Österreichischen Leichtathletikverbands ÖLV, glaubt an eine Initialzündung in Berlin: "Das werden gute Europameisterschaften. Es soll ein Ruck durchs Team gehen."

Högler hat als Trainer von Medaillengewinner Weißhaidinger selbst vorgezeigt, wie es gehen kann. Leichtathletik war in Österreich viele Jahre lang das Musterbeispiel für Festhalten an amateurhaften Zuständen. Gelegentliche Erfolge von Einzelkämpfern überdeckten die strukturellen Defizite.

Weißhaidingers Aufstieg in die Weltklasse soll kein Einzelfall mehr sein. Der Diskuswerfer selbst lobt: "Die Arbeit mit den Trainern im ÖLV ist sehr gut und sehr professionell." Högler rechnet es an einem Beispiel vor: "Vor einigen Jahren hatten wir einen angestellten Trainer, jetzt sind es elfeinhalb." Neben der Kompetenz ging es auch darum, gute Infrastruktur zu schaffen. Höglers Erfahrung: "Du darfst nicht nur sagen: ,Ich brauche Geld', sondern es muss auch begründbar sein, wofür." Der Erfolg bestätigt ihn: "Wir haben für eine Halle in der Südstadt gekämpft. Als wir sie hatten, kam die Medaille für Ivona Dadic. Dann haben wir für einen Wurfplatz gekämpft, und jetzt hat Luki im Diskus Bronze geholt."

Sichtbare Erfolge seien in den Sommersportarten unabdingbar, um auf sich aufmerksam zu machen: "Jetzt ist die Zeit, Medaillen zu holen. Wir können sicher auch in anderen Disziplinen bei Olympia etwas schaffen", spielt Gregor Högler auf die Diskussionen (Stichwort: "Olympiatouristen") wegen fehlender Sommer-Medaillen an. Es seien "viele Kleinigkeiten", die zusammenspielen müssen: "Das macht dann die 40 oder 50 Zentimeter mehr aus, die man bei so einer EM weiter wirft." Die Kleinigkeiten kosten freilich oft große Beträge, wie etwa das Eisbad, in dem Österreichs Athleten in Berlin zwischen den Einsätzen regenerieren können. Ein weiteres Beispiel ist die Lasertherapie, die Lukas Weißhaidinger nach einer Fußverletzung erhalten hat: "Ohne den Laser wäre er in Berlin nicht gestartet", ist Högler überzeugt. "Bei der medizinischen Versorgung machen wir in Österreich oft den Fehler, dass wir erst Feuerwehr spielen, wenn was passiert ist."

Was möglich ist, zeigt bei der EM in Berlin die Schweiz vor. Während für Österreich 16 Athleten ein Rekord sind, sind die Eidgenossen in Berlin mit nicht weniger als 50 Teilnehmern vertreten.

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