Mixed

Federer schrieb in Melbourne mit 18. Major-Titel Geschichte

Wie oft ist Roger Federer schon abgeschrieben worden, doch der 35-jährige Schweizer hat sein sensationelles Comeback nach knapp sechs Monaten Wettkampf-Pause am Sonntag mit seinem 18. Grand-Slam-Sieg gekrönt. Federer besiegte im Endspiel der Australian Open in einem mitreißenden Fünf-Satz-Thriller zweier Tennis-Legenden Rafael Nadal nach 3:37 Stunden mit 6:4,3:6,6:1,3:6,6:3.

Federer bezwang Nadal in fünf Sätzen.  SN/APA (AFP)/WILLIAM WEST
Federer bezwang Nadal in fünf Sätzen.

Viereinhalb Jahre nach seinem bisher letzten Major-Titel in Wimbledon (2012) drehte Federer das Rad der Zeit noch einmal zurück. Mit seinem fünften Triumph bei den Australian Open hat Federer nicht nur seinen Rekord auf 18 Major-Siege ausgebaut: Er ist der erste Spieler überhaupt, der bei drei Grand-Slam-Turnieren jeweils zumindest fünf Titel geholt hat. Federer kehrt damit bereits am Montag als Zehnter wieder in die Top Ten zurück.

"Mir fehlen die Worte. Ich möchte auch dir, Rafa, für dein tolles Comeback gratulieren, dass du gefeiert hast. Keiner von uns hat geglaubt, dass wir hier im Finale stehen", erklärte Federer, der im fünften Satz einen 1:3-Rückstand gegen Kämpfer Nadal noch in ein 6:3 verwandelt hatte. Der wie immer bescheidene Federer versicherte vor den Zuschauern in der Rod Laver Arena glaubhaft: "Ich wäre auch glücklich gewesen, wenn ich heute verloren hätte. Ich hätte es auch Rafael Nadal gegönnt", sagte Federer, der nach der gleich alten Serena Williams ebenfalls im Spätherbst seiner Karriere noch einmal zugeschlagen hat.

Federer schloss mit einem Riesenkompliment an Nadal: "Rafa, bitte spiel weiter. Das Tennis braucht dich." Nadal, dem die Enttäuschung natürlich anzusehen war, war nach seiner zwölften Niederlage im 35. Duell mit Federer sportlich fair wie immer. "Ich gratuliere Roger und seinem Team. Unglaublich wie er spielt nach einer so langen Auszeit. Es war auch für mich schwierig mit den Verletzungen und ich habe sehr gekämpft in den vergangenen zwei Wochen", erklärte Nadal, der im Ranking ab Montag auf Platz sechs klettert und fügte hinzu, "Roger hat es heute vielleicht ein bisschen mehr verdient als ich."

Das Match zuvor hatte sich langsam, aber stetig zu jenem Klassiker entwickelt, den man sich von diesem "Nostalgie"-Finale erhofft hatte. Bis zum 3:3 verlief der erste Satz ausgeglichen, ehe Federer den einzigen Breakball zum 4:3 nutzte. Nach 34 Minuten verwertete der Schweizer, dessen Aufschlagleistung den ersten Durchgang prägte, gleich den ersten Satzball mit einem Ass zum 6:4. Im zweiten Satz änderte sich das Bild drastisch: Ein emotionalerer und auch stärkerer Nadal zog innerhalb von 24 Minuten und dank zweier Breaks auf 4:0 davon, auch ein Rebreak Federers zum 1:4 konnte den Satzausgleich zum 6:3 nicht verhindern.

Im dritten Satz packte Federer sein bestes Tennis aus. Auch wenn er im ersten Game nach 40:0-Führung noch drei Breakbälle - alle drei mit einem Ass - abwehren musste. Mit einem lauten "Komm jetzt" pushte sich Federer, nachdem ihm selbst das Break zum 2:0 gelungen war.

Zwar vergab der Schweizer dann drei Breakbälle zum 4:0, doch Federer durchbrach zum 5:1 neuerlich den Aufschlag des neunfachen French-Open-Siegers und holte die 2:1-Satzführung nach knapp zwei Stunden. Unter anderem auch dank seiner großartigen einhändigen Rückhand, die er mit viel weniger Slice als üblich spielte.

Im vierten Durchgang drehte Nadal das Match neuerlich, ein Break zum 3:1 stellte die Weichen für den von vielen ersehnten fünften Satz. Federer konnte den Rückstand nicht mehr egalisieren. Es war für beide Spieler schon der dritte fünfte Satz bei diesem Turnier. Für Federer war es überhaupt das erste Mal, dass er im gleichen Major-Turnier in einen dritten "five setter" musste.

Schon vor Beginn der Entscheidung hatte sich Federer, im zweiten Match en suite, abseits des Platzes behandeln lassen müssen und auch in der Folge am rechten Oberschenkel. Eine Adduktorenverletzung hatte ihn zuletzt beschäftigt. Als Nadal gleich ein Break zum 1:0 gelang, er in der Folge drei Rebreak-Bälle abwehrte und auf 2:0 stellte sowie auch einen weiteren Breakball im vierten Game abwehrte, schien Nadal auf Kurs in Richtung Major-Titel 15.

Doch mit dem sechsten Breakball gelang Federer doch das 3:3 und ein weiteres Break zum 5:3 besiegelte den Sieg, allerdings nachdem Nadal zwei Rebreakbälle zum 4:5 nicht genutzt hatte.

Mit einer Challenge zugunsten Federers beim zweiten Matchball entschied sozusagen der "Computer" diese Partie. Danach jubelte und weinte der vierfache Familienvater über einen seiner wohl größten Triumphe. Er hat nicht nur den vielleicht größten Kämpfer der Tennis-Geschichte bezwungen, sondern auch dem Alter noch einmal ein Schnippchen geschlagen.

"Es ist das erste Jahr, wo ich nicht gedacht habe, dass ich einen Grand Slam gewinne - und genau das dann geschafft habe", meinte Federer im völlig überfüllten Presseraum von Melbourne und verglich die Freude mit jener nach dem French-Open-Sieg 2009.

"Irgendwann wird einsinken, was das für ein unglaubliches Match war." Zuletzt hatte er Nadal 2007 im Wimbledon-Finale bei einem der großen Turniere geschlagen. Diesmal staunte er noch Stunden später über die späte Wende, mit der sich seine mutige Spielweise auszahlte.

Der 18. Rekord-Major-Titel und der damit verbundene Ausbau seines Vorsprungs auf Nadal (14 Titel) stand für Federer nicht ganz oben. "Das ist der kleinste Teil, um ehrlich zu sein", sagte Federer mehr als zwei Stunden nach seinem verwerteten Matchball. "Für mich dreht sich alles um dieses Comeback und um ein episches Match wieder gegen Rafa. Es hier in Australien geschafft zu haben und dass ich es in meinem Alter immer noch schaffen kann, nachdem ich fast fünf Jahre lang keinen Slam gewonnen habe", stellte Federer die Relationen her.

Gerade gegen seinen ältesten Rivalen Nadal nach zuletzt sechs Niederlagen gewonnen zu haben, sei speziell. "Ich habe ihn eine sehr lange Zeit nicht in einem Grand-Slam-Finale geschlagen." All die Umstände, die lange Durststrecke bei diesen großen Turnieren, machen diesen Titel besonders. "Ich kann diesen Titel mit keinem anderen vergleichen außer vielleicht mit jenem bei den French Open 2009."

Damals habe er darauf gewartet, es immer und immer wieder versucht, und es nicht geschafft. "Dann habe ich es geschafft. Dies fühlt sich ähnlich an", erinnerte sich der 35-Jährige. Eine auch anders interpretierbare Aussage Federers noch auf dem Court, die sofort in den sozialen Medien mit Rücktrittsängsten der Fans kommentiert wurde, entkräftete Federer.

"Natürlich hoffe ich, dass ich zurückkommen kann. Ich habe eben nicht mehr so viel Tennis in mir. Wenn ich mich verletze, verpasse ich vielleicht das nächste Jahr. Wer weiß, was passiert?" Wie viel Tennis noch in Federer steckt, hat er in diesem Turnier gezeigt. Im Auftaktmatch in vier Sätzen gegen Jürgen Melzer, der dem späteren Turnierchampion also einen Satz abgenommen hat. Mit Fünf-Satz-Siegen über Kei Nishikori, Stan Wawrinka und am Ende Nadal.

Quelle: APA

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