Tour of the Alps (1): Chris Froome weiß wenig

Aufwärmen. Froome und Nibali erzählen wenig, sind aber hervorragende Gäste in Tirol.

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Flieher radelt Bernhard Flieher

Kufstein ist an diesem Tag der falsche Ort, jedenfalls, wenn man aus österreichischer Sicht auf den Profiradsport blickt. In Kufstein laufen die Vorbereitungen für die Tour of the Alps, während in der Türkei der Oberösterreicher Felix Großschartner die Tour of Turkey gewinnt. Er jubelte im Schatten der Hagia Sophia in Istanbul, nachdem er zuvor auch schon eine Etappe dieser einwöchigen Tour gewonnen hatten. Großschartner, 25 Jahre alt, aus Marchtrenk und im Dienst des bayerischen Profiteams Bora-Hansgrohe, gewann, was noch nie ein Österreicher gewinnen konnte: die Gesamtwertung eines Etappenrennens der Radprofi-World-Tour. Die Übertragung der Schlussetappe aus Istanbul ist erst ein paar Minuten vorbei, als in Kufstein Chris Froome auftaucht.

Vier Mal gewann der Brite die Tour de France, je einmal die Vuelta und den Giro d'Italia. Er lächelt und sagt: "Ich weiß nicht genau, was ich hier erwarten kann." Neben dem Italiener Vincenzo Nibali ist er heuer der Star der Tour of the Alps. Nibali sagt, er wolle sich hier, auf dem Weg durch Tirol, Südtirol und Trentino, "in the heart of the alps", wie das Rennen beworben wird, für den Giro einfahren. Zwei Mal hat der Sizilianer das größte Rennen seiner Heimat schon gewonnen. Dazu noch einmal die Vuelta und einmal die Tour de France.

Froome und Nibali in Kufstein, von wo aus es in dieser Woche in fünf Etappen in den Süden geht. Froome und Nibali - zehn Grand-Tour-Siege, populäre Gesichter des Radsportes, ein Freude für die Touristiker der Region und die Veranstalter. Solche Namen werten jedes Rennen auf und ziehen Menschen an die Strecke.

Chris Froome in seinem Element. SN/APA/EXPA/REINHARD EISENBAUER
Chris Froome in seinem Element.

Mit Vincenzo Nibali gehört Froome zu den Favoriten der Tour of the Alps. Dieses Rennen hieß 41 Jahre lang "Giro del Trentino". Immer wieder streift man in diesen Jahren auch Österreich. Seit zwei Jahren ist Tirol neben Südtirol und dem Trentino wichtiger Bestandteil des Rennens, man bildet seit vielen Jahren eine Eu-Regio, die sich nun auch beim Radfahren niederschlägt.

Und Froome, ein Mann, schmal bis zum Verschwinden wie alle Radfahrer, der freundlich lächelt und doch seine Scheuheit niemals verbergen kann, sagt, er mag es hier. Er ist ein guter Gast. Die Strecken seinen "beautiful". Die Landschaft pittoresk. Die Etappen kurz aber anspruchsvoll und man wisse bei solchen Rennen nie genau, wie sie laufen. Das liegt daran, dass viele kleinere Teams - darunter auch drei aus Österreich - der zweiten und dritten Kategorie des Profiradsportes dabei sind. Man kennt einander nicht so auswendig, wie sich die Profis bei den großen Rennen kennen. Das macht es spannend. Davon erzählt Froome. Nur über seine Form erzählt der 34-Jährige wenig. Es war kein gutes Frühjahr und so genau weiß keiner warum. Wenn er es selbst weiß, behält er es für sich. Jetzt sei aber der Zeitpunkt zu schauen, "wo ich stehe" sagt er. Im Fokus steht bei ihm heuer die Tour de France. Bei der musste er sich im Vorjahr seinem Sky-Teamkollegen Geraint Thomas geschlagen geben. Die Tour of the Alps passe gut ins Aufbauprogramm, er wolle testen was geht, er fühle sich gut, er habe ein gutes Team an seiner Seite.

Neben ihm sitzt Nibali und wird etwas konkreter. Er sagt es nicht, aber es ist klar. Er will hier gewinnen. Er macht ernst, auch wenn er das schön umschreibt: "Es ist ein herrliches Rennen. Ich bin gerne hier, habe ja auch schon einmal gewonnen. Es ist das perfekte Programm vor dem Giro." Und sein österreichischer Teamkollege Hermann Pernsteiner sagt ganz klar: "Wir bereiten uns hier auf den Giro vor." Und da geht es nicht mehr um grobe Formbestimmung, sondern um Feinabstimmung. Da geht es darum, ob man gut zusammen passe, wer für wen richtig gut arbeiten kann, wie man am Berg zusammenbleibt, wie das Gefüge im Team ineinander fließt. Wenn das alles stimmt, stimmt der Weg zum Giro. Wenn es nicht passt, ist ohnehin alles zu spät.

Wird Nibali im Herz der Alpen also alle Kräfte aufbieten? WIrd Froome seine Form finden? Alles ist so ungewiss, wie eine Pressekonferenz vor einem mehrtägigen Etappenrennen nur sein kann. Gewiss ist allerdings, dass dem Rennen die Aufmerksamkeit gut tut, die es durch die Anwesenheit beider generiert. Immerhin ist der Besetzung nach, die Tour of the Alps das größte Profi-Radrennen in Österreich, auch wenn es nur eineinhalb Etappe hier gibt. Wenn die beiden die erste Etappe erledigen, kommt Felix Großschartner zurück nach Hause.

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