Tour of the Alps (6): Der Himmel verschwindet

Ein paar Tage noch, dann schlüpft das Team Sky in neue Trikots, weil es einen neuen Besitzer hat. Eine modische Würdigung.

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Flieher Radelt Bernhard Flieher
Chris Froome. SN/APA (AFP)/JOAQUIN SARMIENTO
Chris Froome.

"Wir sind uns bewusst, dass wir das letzte Etappenrennen unter einem großen Namen und in diesem Trikot bestreiten", sagt Chris Froome. Froome gewann vier mal die Tour de France. Er trug dabei ein außergewöhnlich schlichtes Trikot - außergewöhnlich jedenfalls für den Radsport. Schwarz ist dieses Sky-Trikot. Nur ein blauer Längsstreifen läuft über den Rücken. Farbliche Schlichtheit, Einfarbigkeit gar hat Seltenheitswert, wenn Radfahrer auftauchen. Die meisten mögen es bunt und viele mögen es richtig schrill. Bei Radtrikots wird gerne tief in den Farbtopf gegriffen und in Italien legt mancher auch noch etwas Duft auf, bevor er sich in den Sattel schwingt. Es geht ums Auffallen im großen Haufen. Unter den Profiteams geht es auh aus geschäftlichen Gründen darum, leicht erkannt zu werden, wenn Hubschrauber und Kameras filmen. Es geht um Präsenz für den Sponsor in den weltweiten Übertragungen. Das Team Education First, das im vergangenen Jahr auftauchte und ein grelles Pink einführte, ließ unter anderem abklären, in welcher Farbe man im Peleton am besten zu sehen ist, wenn Bilder vom Hubschrauber aus gemacht werden.

In dieser Hinsicht hat Sky viel für den Radsport getan, jedenfalls für die geplagten Augen, die hinsehen müssen. Das lag auch daran, dass das Unternehmen Sky so viel Geld - zuletzt geschätzte 35 Millionen Euro - in das Team und den Aufbau einer britisch geprägten Radweltmacht investierte, so dass man auf weitere kleinere Sponsoren nicht angewiesen war. Andere Teams müssen deshalb mit Trikots antreten die einem Fleckerlteppich aus Firmenlogos bestehen.

Die Frage der Farbe gleicht in der Rennradwelt einer Glaubensfrage. Seit Sky haben es auch die Hobbyfahrer leichter, in dezenter Kleidung auf dem Rennrad sitzen. Das hat auch damit zu tun, dass Sky eng mit Rapha kooperierte. Die englische Radkleidungsfirma definierte das Outfit für Rennradler neu. Schlicht und klassische schickt man sein Kunden in edlem Schnitt und kräftigen Tritt auf die Straße.

Auf der "Tour of the Alps" trägt Chris Froome das schlichte Sky-Trikot nun also zum letzten Mal. Nur noch am beim Klassiker Lüttich-Bastogne-Lüttich werden danach Sky-Fahrer noch einmal in dieses Trikot schlüpfen. Aber keine Angst, ihr schlicht Elegante: Das Sky Team wird seiner Linie auch als Team Ineos, ein Chemiekonzern der Jim Ratcliffe, dem reichsten britischen Geschäftsmann gehört, treu bleiben. Und es wird sportlich das Peleton wohl auch weiterhin oft anführen. Wofür auch eine weitere Aufstockung des Budgets - man spricht von 40 bis 45 Millionen Euro - dienlich sein wird.

Sky demonstriert auch beim Weg durch die Alpen seine Macht. Zwei Etappen wurden bisher gewonnen. Pavel Sivakov führt die Gesamtwertung an. Der legendäre Sky-Zug dampft auch im Trentino. Und er dampft auf ein Ende zu. Dieses Ende der Ära Sky, die 2010 beginnen hatte, ist beim Rennen durch Tirol, Südtirol und Trentino neben dem Rennverlauf ein wichtiges Thema.

Sky hat den Radsport ab 2010 geprägt. Das gilt vor allem für die großen Rundfahrten Giro, Tour de France und Vuelta. "Bei den Klassikern und Monumenten haben auch die noch Luft nach oben", sagt Werner Salmen, Sportdirektor von Team Vorarlberg, dem erfolgreichsten Profiteam Österreichs. Wie andere Insider erwartet er, dass das neue Team in Fahrer investieren könnte, die auch bei Eintages-Klassiker Sieg einfahren.

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