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Formel 1: Max Verstappen entfachte eine Euphorie

Der 18-jährige Niederländer Max Verstappen wirft das gewohnte Denken über den Reifeprozess eines Rennfahrers über den Haufen und setzt viele Tausend Landsleute nach Spa in Bewegung.

Formel 1: Max Verstappen entfachte eine Euphorie SN/GEPA pictures
Die in Spa-Francorchamps am heißesten begehrte Unterschrift: ein Autogramm von Max Verstappen.

Erfahrung sammeln in der GP3? Wozu? Die Hörner abstoßen in der GP2? Das sollen ruhig die anderen machen. Ein 18-jähriger Niederländer, der auch in Belgien aufgewachsen ist, setzt alle Klischees zum Thema Nachwuchsförderung und Motorsport außer Kraft. Max Verstappen erklomm den Gipfel der Branche, die Formel 1, vergleichbar mit einem Bergsteiger, der die Direttissima im Laufschritt bewältigt.

Erstmals seit den Glanzzeiten eines Michael Schumacher ist ein Grand Prix von Belgien ausverkauft. Trotz Zusatztribünen. Es werden am Sonntag (Start 14 Uhr MESZ) allein 30.000 Fans aus den Niederlanden erwartet. Verstappen besitzt beide Staatsbürgerschaften und fährt mit niederländischer Lizenz.

Genau so cool, wie er sein Punktekontingent aufstockt, nimmt Verstappen die Euphorie, die er entfacht hat: "Ich weiß, dass viele Leute kommen werden. Obwohl ich hier noch nicht viel gefahren bin. Es wird auf alle Fälle ein richtiger Heim-Grand-Prix." Extra nervös wird er deshalb nicht sein.

Vor drei Jahren fuhr Max Verstappen noch im Kart. Als Welt- und Europameister wechselte er in die Formel 3, wo er 2014 ein Feuerwerk abbrannte: Sechs Siege in Folge! Talentesucher einiger Spitzenteams wurden auf den Träger eines bekannten Namens aufmerksam. Vater Jos Verstappen hatte zwischen 1994 und 2003 in diversen Teams 107 Formel-1-Rennen bestritten.

"Wir hatten den Max schon länger beobachtet und es gab immer wieder Kontakte. Auf dem Norisring (Verstappen fuhr am Rennwochenende zum zweiten Mal in Folge alle drei möglichen Siege ein, Anm.) sind wir uns einig geworden. Wir haben gesagt: Aus, vergessen wir die Gespräche. Machen wir Formel 1", schilderte Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko in Spa.

Verstappen unterschrieb als 17-Jähriger für Toro Rosso, wurde 2015 der jüngste Grand-Prix-Fahrer aller Zeiten. Er wechselte heuer zwischen zwei Rennen in das Einserteam von Red Bull und siegte gleich beim Debüt in Barcelona. Im nächsten Rennen in Monaco zahlte er Lehrgeld und flog drei Mal vom Kurs. Danach punktete er ständig und wurde zwei Mal Zweiter. In der WM ist er hinter Vettel Sechster.

Marko beschreibt das Außergewöhnliche an Max Verstappen so: "Er hat ein außergewöhnliches Talent, gepaart mit Intelligenz, und er weiß, was er will. Dazu kommt die tolle Schule durch seinen Vater in den Kart-Jahren." Max ist sogar von beiden Elternteilen vorbelastet. Seine Mutter Sophie hatte Erfolge als Kartfahrerin gefeiert. Die Eltern waren zwischen 1996 und 2008 verheiratet. In einem früheren Bericht über Max ist zu lesen: "Das Talent wird von seinen Eltern wie ein junges Rennpferd auf seine Karriere vorbereitet."

Am ersten Tag des Spa-Wochenendes enttäuschte Verstappen seine Fans nicht. Er stellte am Nachmittag die Tagesbestzeit vor Red-Bull-Kollegen Daniel Ricciardo auf. Allerdings wurde am Freitag von allen Teams viel mit den Reifenmischungen experimentiert. Eine Reihe von Fahrern testete den für 2017 geplanten Cockpitschutz Halo (engl. für Heiligenschein). Sein Debüt in der Formel 1 feiert der Franzose Esteban Ocon (bei Manor anstelle des Indonesiers Rio Haryanto, dem das Geld ausging). Ocon war 2014 der Verstappen-Dauerrivale in der Formel 3.

Aufgerufen am 15.11.2018 um 07:18 auf https://www.sn.at/sport/mixed/formel-1-max-verstappen-entfachte-eine-euphorie-1123279

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