Interview

Greg Louganis: "Wir wollen Cliff Diving olympisch machen"

Vor 30 Jahren wurde er weltberühmt, als er bei Olympia in Seoul mit dem Kopf auf dem Sprungbrett aufschlug und danach dennoch Gold holte. Greg Louganis war auf Besuch in Salzburg und erzählt im SN-Interview, wie er mit HIV lebt und dass er sich weit jünger fühlt, als er ist.

Der vierfache Olympiasieger von 1984 und 1988 hat die Nachfolge des im Vorjahr verstorbenen Niki Stajkovic als Sportdirektor der Red Bull Cliff Diving-Serie übernommen. Es gibt große Pläne: "Wir wollen olympisch werden. 2024 oder 2028 könnte so weit sein." Das nächste Event der Serie, bei der aus 27 Metern (Männer) bzw. 21 Metern (Frauen) Höhe abgesprungen wird, steigt dieses Wochenende in Kopenhagen.

Louganis selbst ist aktiver denn je. Neben dem Cliff-Diving-Job ist er als Mentor für US-Wasserspringer, als Hundetrainer sowie als Sprecher u. a. für Themen wie Diskriminierung, Homosexualität und AIDS-Prävention tätig. Daneben arbeitet er an einem Musical. Das Thema: Sein eigenes aufregendes Leben. Louganis sagt: "Das Grundthema des Musicals soll der ,innere Held' sein, den jeder in sich trägt. Oft danken mir Menschen und sagen: ,Sie haben mein Leben gerettet.' Solche Gefühle und Gedanken wollen wir teilen."

In wenigen Wochen jährt sich die berühmteste Szene in Louganis Leben zum 30. Mal. In der Qualifikation des Olympiaspringens in Seoul schlug er bei einem Sprung mit dem Hinterkopf am Brett auf. Damals wusste er erst seit kurzem von seiner HIV-Infektion, verschwieg diese aber dem Arzt, der ihm ohne Schutzhandschuhe die Wunde nähte. "Ich hätte gar nicht in Südkorea einreisen dürfen, wenn meine Infektion bekannt gewesen wäre", sagt er. Louganis holte danach dennoch Gold vom Brett und vom Turm und beendete danach seine Karriere.

1995 schrieb er in seiner Biografie "Breaking the surface" über sein Leben als verunsichertes und stotterndes Adoptivkind, über das Versteckspiel mit seiner Homosexualität und sein jahrelanges Martyrium mit einem Manager und Lebensgefährten, der ihn misshandelte und finanziell hinterging.

Die AIDS-Infektion hat Greg Louganis dank gesunder Lebensweise und moderner Medikamente gut im Griff. Er sagt: "Ich gehe jetzt auf die 60 zu. Aber ich fühle mich nicht wie 58, eher wie Mitte 30."

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