Sport

Hagara/Steinacher - das Erfolgsduo geht von Bord

Nach 1000 gemeinsamen Wettfahrten und zwei Mal Olympiagold ist mit Saisonende Schluss für Hans-Peter Steinacher und Roman Hagara.

1000 Wettfahrten haben sie gemeinsam bestritten, 150 Tage im Jahr auf ihrem Boot verbracht: Roman Hagara (li.) und Hans-Peter Steinacher. SN/gepa
1000 Wettfahrten haben sie gemeinsam bestritten, 150 Tage im Jahr auf ihrem Boot verbracht: Roman Hagara (li.) und Hans-Peter Steinacher.

Sie sind nach wie vor die erfolgreichsten heimischen Sommersportler: Der Salzburger Hans-Peter Steinacher und der Niederösterreicher Roman Hagara waren u. a. zwei Mal Olympiasieger (2000, 2004), waren im America's Cup aktiv und bestreiten die Extreme Sailing Series. Da beginnen sie Ende März (vor Oman) ihre letzte Saison, dann steigen sie nach 1000 gemeinsamen Wettfahrten aus dem Sport aus.

Wie schwer ist euch die Entscheidung gefallen? Hans-Peter Steinacher: Die Entscheidung war gar nicht so schwierig, denn wir haben in unserer Karriere alle Möglichkeiten gehabt. Jetzt kommt wieder Zeit für etwas Neues. Wir werden das Boot für neue Aktionen einsetzen, zudem kümmert sich Roman ja auch um das Nationalteam.

Könnt ihr euch eigentlich noch an die erste gemeinsame Regatta erinnern? Steinacher: Ja, das war im Jahr 1997 vor Antibes. Ich glaube, wir waren damals auf Anhieb Zweite.

Es folgten Höhepunkte wie zwei Mal Olympiagold. Schwingt da Wehmut mit, wenn man von Bord geht? Roman Hagara: Natürlich wird es sich am Anfang ein bisschen komisch anfühlen. Aber wir behalten ja das Boot und werden damit noch einige coole Sachen anstellen. Künftig geht es halt nicht mehr um die Taktik innerhalb einer Regatta, künftig geht es mehr um Streckenrekorde und dergleichen.

Wie darf man sich das vorstellen? Steinacher: Die Bücher sind voll von Rekorden im Segelsport, die zu brechen sind. Vieles wird sich künftig auf dem offenen Meer abspielen, da muss man genau planen, um das Potenzial des Boots voll auszuschöpfen und um im richtigen Moment am richtigen Ort zu sein.

Roman Hagara kümmert sich künftig auch um das heimische Nationalteam, warum nicht ihr als Duo? Steinacher: Nein, wir möchten den Verband nicht überfordern, indem wir uns beide da wichtigmachen.

Wie wird die Zusammenarbeit genau aussehen? Hagara: Ich bin ja eigentlich schon seit Jänner 2019 dabei. Ich war bei diversen Weltcupstationen und auch sechs Wochen bei der Olympiavorbereitung in Japan, da war ich ursprünglich für den Nacra17 zuständig, habe mich dann auch um die 49er gekümmert.

Werden Sie die heimischen Segler dann auch bei Olympia vor Ort betreuen? Hagara: Das wäre zum jetzigen Zeitpunkt einmal der Plan.

Sie haben auch viele Schlagzeilen mit Ihrem Engagement im America's Cup gemacht, inwieweit seid ihr da im kommenden Jahr involviert? Hagara: Voraussichtlich werden wir da gar keine Rolle mehr spielen, da 2021 nicht mehr auf Katamaranen gesegelt wird. Danach wird von den Siegern wieder ein neues Reglement gemacht, dann sehen wir weiter. Aber als Aktive werden wir da sicher nicht zurückkehren, der Zug ist abgefahren.

Noch einmal zurück zu den beiden Olympiasiegen. Wodurch haben sich die eigentlich unterschieden? Hagara: Sydney 2000 war perfekt geplant und inszeniert und der Plan ist vollständig aufgegangen. Beim zweiten Gold war die Herangehensweise eigentlich gleich, aber viele andere Nationen haben 2004 bereits vieles kopiert, was wir begonnen haben, etwa die Zusammenarbeit mit einem eigenen Segelmacher. Dadurch war das zweite Gold ungleich schwieriger, aber vielleicht auch besonders.
Steinacher: Ich würde es so sagen: Sydney war wahnsinnig emotional, Athen war dann schon mehr zum Genießen.

Und welches Erlebnis wird euch nicht mehr aus dem Kopf gehen? Steinacher: Wie wir es in einer Regatta nicht mehr geschafft haben, der "Alinghi" aus dem Weg zu gehen, und das Boot in der Mitte durchgeschnitten haben. Und dann war da auch noch einmal ein Überschlag nach vorn, das sind schon Dinge, die einem in Erinnerung bleiben.

Sebastian Vettel gibt seinen Formel-1-Boliden Namen, hat man als Segler eigentlich auch eine spezielle Beziehung zu seinem Boot? Steinacher: Das Emotionale sind sicher die Medaillen, nicht das Boot. Außerdem fahren wir ja damit weiter.
Hagara: Vielleicht wird das Boot einmal einen Ehrenplatz bekommen, wenn alles vorbei ist.

Die nun beginnende Extreme Sailing Series umfasst nur mehr fünf Rennen, warum ist das so? Steinacher: Das ist eine Entscheidung der Eigner, die heuer einem kleineren Kalender zugestimmt haben. Aber für uns ist das in Ordnung so, daher haben wir bereits jetzt etwas mehr Zeit, um uns mit unseren Zukunftsprojekten zu befassen.

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