Mixed

Handball-EM endete mit Lehrstunde - Bilyk: "Noch nicht gut genug"

Für Österreichs Handballer hat die EM in Kroatien am Dienstagabend mit einer bitteren Lehrstunde geendet. Beim 28:39 gegen Norwegen zeigte der Vizeweltmeister der verjüngten ÖHB-Truppe ihre Grenzen auf und sorgte dafür, dass Nikola Bilyk und Co. punktelos die Heimreise antreten. "Wir sind derzeit noch nicht gut genug für diese Mannschaften", meinte der 21-jährige Führungsspieler Bilyk.

Bilyk zeigte sich enttäuscht SN/APA (AFP)/-
Bilyk zeigte sich enttäuscht

Beim "Finale" gegen die Skandinavier, in dem nur ein Sieg den als EM-Ziel ausgegebenen Aufstieg gebracht hätte, stand Österreich von Beginn an auf verlorenem Posten. "Wir haben wieder einen schlechten Start erwischt, zu viele technische Fehler gemacht. Das ist schon seit der Vorbereitung so", ächzte Rückraumakteur Gerald Zeiner. Man quälte sich über die 60 Minuten, fand gegen Sander Sagosen und Co. kein rechtes Rezept - weder vorne noch hinten. Da half es nur wenig, dass "Herz und Stolz stets zu sehen" waren, wie Coach Patrekur Johannesson betonte.

"Das tut weh", gestand auch der 45-Jährige, der vor dem Spiel noch Optimismus verbreitet hatte. "Als Trainer muss man vermitteln, dass man auch Frankreich oder Norwegen schlagen kann", erklärte er. Johannesson ist freilich nicht nur Motivator, sondern auch Realist. Dementsprechend hatte er seine Truppe auf das erste Spiel gegen die Weißrussen fokussiert, ein Sieg hätte vermutlich zum Weiterkommen gereicht. Doch der Auftakt ging knapp 26:27 verloren, womit es kleine Wunder gebraucht hätte.

Johannesson empfand die klare Niederlage zum Abschluss auch bitter, weil man sich "extrem gut" auf das Spiel vorbereitet hätte. So versuchte man die Norweger in der Deckung mit erweitertem Repertoire zu fordern - ohne großen Erfolg. Das defensive 6:0 habe durchaus funktioniert, die offensiveren Varianten seien nicht zuletzt aufgrund der beschränkten Wechselvarianten aber auch "schwierig", resümierte Johannesson.

Als positiv verbuchte der Isländer immerhin den Lerneffekt. "Bei der EM zuzuschauen wäre auch nicht besser", meinte er. "Das sind die Spiele, die dich weiterbringen." Lob erhielt auch Bilyk, der gegen Norwegen die Anforderungen an einen Ausnahmekönner erfüllte. "Niko hat das sehr gut gemacht. Das zeigt, dass er regelmäßig solche Spiele macht", sagte Johannesson über den Legionär in Diensten des deutschen Topclubs THW Kiel.

Bei Bilyk selbst reagierte direkt nach dem Aus Enttäuschung. "Wir sehen, dass die 16 stärksten Mannschaften Europas für uns vielleicht noch zu stark sind", meinte der Rückraummann. Mit viel Arbeit sei die derzeit teilweise international recht unerfahrene Truppe aber zu einer klaren Steigerung imstande. "Potenzial steckt drinnen, keine Frage. Aber jeder muss es ausschöpfen. Jeder einzelne muss sich an der Nase packen." Gelinge das, brauche einem für die Heim-EM 2020 nicht bange sein: "Ich weiß, dass wir 2020 eine unglaublich starke Mannschaft haben werden."

Auch für Johannesson war klar, dass eine Steigerung erfolgen kann und muss. Nicht zum ersten Mal forderte er Verbesserungen gerade im athletischen Bereich und hofft auf weitere Auslandsengagements seiner zur Hälfte in der heimischen HLA spielenden Akteure. Sein Appell war auch individueller Natur: "Alle Spieler in Österreich, die in für das Team infrage kommen, müssen diese 330 Tage im Jahr, wo sich nicht beim Team befinden, nützen, um an sich selbst zu arbeiten."

Die großen Baustellen jedenfalls wurden in Kroatien offensichtlich. Die einst gefürchteten schnellen Tore gab es fast nicht, auf der seit drei Jahren problematischen Kreisposition ist viel Luft nach oben, und auch vom Flügel war nur wenig zu sehen. Exemplarisch für die Flaute auf der Außenposition stand nach der Norwegen-Partie Flügel-Routinier Robert Weber. Bei Magdeburg und auch im Team bisher ein absoluter Torgarant, war hörbar enttäuscht. "Ich wollte mich auf internationaler Bühne zeigen", sagte der 32-Jährige, der nur einen Treffer machte. "Braucht's mich noch", habe er sich schon während des Spiels gefragt. Wie ernsthaft er an einen Rücktritt im Team denkt, bleibt freilich noch abzuwarten: "Kann sein, dass ich gerade ein bisschen frustriert bin."

Quelle: APA

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