Leichtathletik

Im Siebenkampf ist Österreich eine Macht

Ein Trio rechnet sich bei der Leichtathletik-EM in Berlin einiges aus. Ivona Dadic kann eine Medaille schaffen, aber die Latte hängt hoch.

Das kleine Österreich übt sich bei der Leichtathletik-Europameisterschaft in Berlin bisher zumeist in höflicher Zurückhaltung. Fällt einer einmal aus der Reihe, wie am Mittwoch Zehnkämpfer Dominik Distelberger als Laufsieger über 110 Meter Hürden, belohnt die Stadion-Regie das und jagt Hubert von Goiserns "Brenna tuats guat" über die Lautsprecher.

Am Donnerstag, und am Freitag könnte das Publikum im Olympiastadion öfter mit Alpinrock und Austropop verwöhnt werden. Drei Starterinnen im Siebenkampf (ab 10 Uhr, live in ORF Sport +) wollen Österreichs Ruf als Leichtathletik-Land kräftig aufpolieren. Ivona Dadic aus Wels, Verena Preiner aus Ebensee und Sarah Lagger aus Spittal an der Drau kämpfen in der Disziplin der Vielseitigen und Rechenkünstler um Medaillen und Top-Ten-Plätze.

Alle Wege führen nach Oberösterreich, wenn man ergründen will, warum Österreich ein Land der Mehrkämpferinnen geworden ist. Just in der kompliziertesten Leichtathletik-Sparte, die den größten Trainingsaufwand erfordert, haben engagierte Trainer wie der einstige Olympia-Vierte im Zehnkampf Georg Werthner oder Wolfgang Adler keine Kosten und Mühen gescheut, ihre Talente besser zu machen. In Linz wurden die besten Strukturen dafür geschaffen, daher übersiedelte auch die Kärntnerin Sarah Lagger zur Zehnkampf-Union von Werthner in die Stahlstadt.

Für Ivona Dadic liegt die Latte hoch. Medaillen in der Halle (EM 2017, WM 2018/jeweils Silber) sowie Bronze bei der letzten Freiluft-EM 2016 in Amsterdam haben die Erwartungen an die 24-Jährige steigen lassen. "Ein bisschen Druck ist gar nicht schlecht", meint sie gelassen.

Dadic: Rekord für eine Medaille notwendig

Eine Medaille ist kein Selbstläufer, zumal Europa traditionell starke Siebenkämpferinnen hat, unter ihnen mit der Belgierin Nafissatou Thiam die kaum zu schlagende Topfavoritin. Dadic weiß um die Stärke der Konkurrenz und rechnet damit, dass sie sich in Berlin selbst übertreffen wird müssen: "Für eine Medaille wird es wohl 6550 bis 6600 Punkte brauchen." Ihre Bestmarke bisher liegt bei 6417. "Ich bin mir sicher, dass ich das kann", gibt sich die Welserin selbstbewusst.

Der Optimismus gründet sich einerseits auf einem guten Wettkampf im Juni in Ratingen, bei dem Dadic ihren eigenen Rekord nur um vier Punkte verpasste. Andererseits liege "die beste Trainingswoche des ganzen Jahres" hinter ihr.

Es braucht einigen logistischen Aufwand, um diese Leistungen zu bringen. Dadic vertraut auf eine ganze Armada von Spezialtrainern, die sie neben Philipp Unfried beim Heimverein in St. Pölten auf Topniveau trimmen. Für Weitsprung und über 800 Meter fährt sie nach Linz, wo Verena Preiner ihre Trainingskollegin ist. Im Jubel um die Medaillen von Dadic ist fast untergegangen, dass die 23-Jährige vor zwei Jahren auch schon EM-Siebte war und auf den jeweiligen Altersstufen oft besser als die um ein Jahr Ältere. Ihr Belastungsasthma, das zur Aufgabe bei der WM in London führte, hat sie gut im Griff.

Aktiv-Urlaub in Finnland für Lagger

Teamküken Sarah Lagger findet es "voll cool", gleich im Trio bei der EM anzugreifen. Möglicherweise übertrifft sie eines Tages die beiden anderen um Längen. Die erste EM bei den "Großen" ist für sie eine Art Schnupperkurs. Nach Silber bei der Junioren-WM in Tampere vor vier Wochen hängte die 18-Jährige einen Campingurlaub in Finnland an: "Gestoppt wurde immer dort, wo ein Sportplatz war, so konnte ich jeden Tag trainieren."

Fortgesetzt wird der Siebenkampf am Freitag. Im Zehnkampf der Männer lag der mit Achillessehnenproblemen kämpfende Dominik Distelberger nach acht Bewerben auf dem 14. Platz. Sprinter Markus Fuchs musste so wie über 100 Meter auch über die 200 Meter nach dem Vorlauf Abschied nehmen.

Quelle: SN

Aufgerufen am 12.12.2018 um 12:54 auf https://www.sn.at/sport/mixed/im-siebenkampf-ist-oesterreich-eine-macht-38548480

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