Mixed

Johanna Gerstbauer: Mit neuer Leichtigkeit zurück im Wasser

Marathon-Schwimmerin Johanna Gerstbauer ordnet nach langer Verletzungspause nicht mehr alles dem Erfolg unter und siegt trotzdem.

Jahrelang ist Johanna Gerstbauer praktisch im Wasser zu Hause gewesen. Bis zu 16 Stunden pro Woche trainierte die Halleinerin im Becken in Rif. Sie schwimmt bei Open-Water-Wettkämpfen in freier Natur auf Distanzen von fünf Kilometern aufwärts. In Österreich ist sie ohne Konkurrenz, international war sie Europacup-Fünfte. Die Motivation: Olympia 2020 in Tokio.

Doch dieses Ziel verfolgt die 26-Jährige nicht mehr verbissen und mit Tunnelblick. "Sag niemals nie", meint sie. "Aber dafür wäre so viel mehr Trainingsumfang notwendig."

Noch vor zwei Jahren klang das ganz anders: Mit "Schwimmen, essen, schlafen" war ihr normaler Tagesablauf schon fertig erzählt. Hartnäckige Schulterschmerzen blendete die aus Niederösterreich stammende Halleinerin so lange aus, bis irgendwann nichts mehr ging. Eine Bizepssehne war eingerissen, dazu kamen Folgeverletzungen. Die Wettkampfsaison 2015 musste sie komplett auslassen.

"Ich sehe heute vieles gelassener", sagt Johanna Gerstbauer über eine Nebenwirkung der langen Zwangspause. Bergtouren, Radfahren, Urlaub machen - sie entdeckte das Leben jenseits der Schwimmhalle neu, schloss außerdem ihr Jusstudium ab und strebt nun dem Doktorat entgegen. Außerdem ist sie als Landestrainerin an Erfolgen von Talenten wie Sara Rashid Taghipour beteiligt.

Für sie selbst waren zehn schmerzfreie Kilometer im Meer vor Mallorca im heurigen Frühjahr der erste große "Juhu"-Moment. Weitere folgten: "Meine Ziele waren der Austrian Open Water Cup und der Staatsmeistertitel." Beides gelang souverän. Wie früher, aber mit Unterschieden: "Ich bin auch einmal zwei Tage vor einem Wettkampf einfach auf den Berg gegangen."

Mit dieser neuen Leichtigkeit des Seins beschloss Gerstbauer vor Kurzem ihre Saison beim Faros-Marathon in Kroatien über 16 Kilometer. Dort war sie früher schon zwei Mal Fünfte, diesmal Neunte - und trotzdem zufrieden. "Es gab Zeiten, da konnte ich nicht einmal ein Glas hochheben", sagt sie. "Sportlicher Erfolg ist nicht das Einzige im Leben."

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