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Kipchoge: "Wie der erste Mann auf dem Mond"

Eliud Kipchoge will im Oktober in Wien Geschichte schreiben und erstmals die Marathondistanz unter zwei Stunden laufen.

Eliud Kipchoge.  SN/afp/www.picturedesk.com
Eliud Kipchoge.

Wie man Geschichte schreibt, weiß Eliud Kipchoge. Er wurde Weltmeister über 5000 Meter, als er noch bei den Junioren startberechtigt war. Schon dieses packende Finale 2003 in Paris machte als schnellster Lauf über diese Distanz Schlagzeilen. Im Vorjahr verbesserte er den offiziellen Marathon-Weltrekord in Berlin auf 2:01:39 Stunden, gleich um 1:18 Minuten schneller als die alte Marke seines kenianischen Landsmannes Dennis Kimetto.

Kipchoge hat im Marathon Olympiagold und die prestigeträchtigen Klassiker von London und Berlin mehrfach gewonnen. Der Mann aus Kenia muss nichts mehr beweisen. Zwischen 12. und 20. Oktober will er in Wien dennoch als erster Mensch die Marathondistanz in weniger als 2:00 Stunden bewältigen. Was treibt ihn an?

"Es ist nicht wegen der offiziellen Anerkennung, es geht um die Geschichte", sagte Kipchoge vor wenigen Tagen mit Blick auf seinen Rekordversuch auf der Prater-Hauptallee. "Als Erster einen Marathon unter zwei Stunden zu laufen ist wie der erste Mann auf dem Mond. Das ist für mich gleichwertig", sagte Kipchoge. Insofern sei auch 2019 ein optimaler Zeitpunkt für den sportlichen Paukenschlag, 50 Jahre nach Neil Armstrongs ersten Schritten auf dem Mond.

Für ihn selbst tickt die Uhr. Nicht nur beim spektakulären Rekordversuch selbst, sondern auch biologisch. Mit 34 Jahren sei er im richtigen Alter. Einerseits erfahren und zugleich auch noch fit genug. Für 422 Mal einen 100-Meter-Lauf in 17 Sekunden braucht es außergewöhnliche Voraussetzungen. Dazu gehören auch die Tempomacher. Am Freitag wurde bekannt, dass auch die norwegischen Brüder Henrik, Filip und Jakob Ingebrigtsen, durchwegs Europameister auf Mittel- und Langstrecken, den Rekordmann in Wien unterstützen werden. Anders als bei einem regulären Marathon können sich die Pacemaker abwechseln und so das Tempo bis zum Schluss hochhalten.

Kipchoge meldete sich bei dem Medientermin in der vergangenen Woche per Telefonkonferenz. Er bereitet sich in seiner Heimat Kenia auf die besondere Herausforderung vor. "Das ist der beste Platz der Welt, um für das Erreichen schneller Zeiten zu trainieren", betont er. Im Trainingscamp in Kaptagat absolviert er wöchentlich 200 bis 220 Kilometer. Für den Rekordversuch selbst sieht Eliud Kipchoge Wien als ideal. Die Zeitverschiebung zu Kenia ist gering, die Temperaturen im Oktober sind im optimalen Bereich. Der schnurgerade und brettlebene Parcours auf der Prater-Hauptallee (9,9 Kilometer) wurde teilweise eigens mit neuem Asphalt versehen. Vor allem freut sich Kipchoge auf die Unterstützung durch das Publikum: "Die Leute in Wien lieben den Sport. Ich hoffe, sie werden mich pushen."

Die Anwesenheit von Zuschauern ist ein wesentlicher Unterschied zum ersten, knapp gescheiterten Angriff Kipchoges 2016 auf der Rennstrecke von Monza. Die wenigen Beobachter erlebten bei dem frühmorgendlichen Lauf in 2:00:25 Stunden eine geisterhafte Stimmung. Möglicherweise hat die relative Einsamkeit zum Scheitern beigetragen. Auf die mentale Vorbereitung hat Kipchoge diesmal besonders Wert gelegt.

Überhaupt sieht er weniger seinen Körper herausgefordert als seinen Geist: "Ich glaube nicht an Grenzen", sagt Kipchoge. "Einige Leute glauben, es ist unmöglich. Ich weiß, dass es passieren wird."

Internet:
www.ineos159challenge.com

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