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Leonidas Sportlerwahl - Roswitha Stadlober: "Damals wurde ja noch richtig getanzt"

Seit 1984 ehren die SN die besten Sportlerinnen und Sportler. Die erste Siegerin, Roswitha Stadlober, erinnert sich - als neue ÖSV-Präsidentin.

Zwei Mal war Roswitha Stadlober schon Sportlerin des Jahres – ein Leonidas fehlt ihr noch.  SN/sn
Zwei Mal war Roswitha Stadlober schon Sportlerin des Jahres – ein Leonidas fehlt ihr noch.

An die Premiere bei der Ehrung der besten Salzburger Sportlerinnen und Sportler des Jahres 1984, die im Frühjahr 1985 erfolgte, kann sich Roswitha Stadlober auf Anhieb erinnern. "Natürlich, das war im damaligen Tanzpalast in Himmelreich", meinte Stadlober, die damals noch unter ihrem Mädchennamen Roswitha Steiner als erste Siegerin der von den SN veranstalteten Salzburger Sportlerwahl hervorgegangen ist. Der Lohn war schweißtreibend: Steiner hatte die Ehre des ersten Tanzes mit dem Sieger der Herrenwahl, nämlich ihrem Saalbacher Ski-Kollegen Hans Enn. So richtig entspannt war Steiner, zumindest dem Bild nach zu schließen, nicht, doch das sollte sich noch im Laufe des Abends legen. "Damals wurde ja auch noch richtig getanzt", meinte Stadlober lachend. Klar, daher war man ja auch in den Tanzpalast gegangen, der später dem Outletcenter gewichen ist.

Daher hatte sie zuvor auch noch die eine oder andere Tanzstunde eingelegt, denn blamieren wollte sich die Weltklasse-Slalomfahrerin auf dem glatten Parkett auch nicht.

Roswitha Steiner und Hans Enn – bei der ersten SN-Sportlerwahl 1984 beim Ehrentanz. SN/sn
Roswitha Steiner und Hans Enn – bei der ersten SN-Sportlerwahl 1984 beim Ehrentanz.

Getanzt hat Steiner auch noch ein Jahr später, da hat sie auch die zweite Auflage der Wahl gewonnen. Ihr damaliger Partner beim Eröffnungstanz: Sepp Haider, legendärer Rallyepilot. Da hatte sie schon mehr Routine mit dem Zeremoniell. So ganz ihr Element ist der Gesellschaftstanz aber auch heute noch nicht. "Ich bin mit meinem Mann lieber in der freien Natur unterwegs als beim Tanzen, das war eigentlich ja immer schon so. So oft ergibt sich die Chance zum Tanzen ja dann auch nicht mehr."

Stargast bei der ersten Gala in Wals-Himmelreich war die Chansonsängerin und Tänzerin Margot Werner. Auch Herausgeber Dr. Maximilian Dasch war angetan von den Darbietungen der Deutschen. Und das prominente Moderatorenpaar konnte sich damals ebenfalls sehen lassen: Die frühere Weltklasse-Eiskunstläuferin und ORF-Moderatorin Ingrid Wendl und der legendäre Skiheld Toni Sailer führten durch den SN-Abend.

In diesem Jahr wird Stadlober auch wieder zur Gala kommen, dann aber in einer ganz neuen Funktion: als ÖSV-Präsidentin. Die Salzburgerin wurde im Herbst des Vorjahres nach einem langwierigen ÖSV-Wahlvorgang und dem überraschenden Rücktritt des nur 100 Tage lang amtierenden ÖSV-Präsidenten Karl Schmidhofer zur neuen Präsidentin gekürt. Für sie kam das völlig überraschend, wie sie den SN erzählt hat. Denn noch im vergangenen Sommer wollte sie eigentlich auch ihre Funktion als ÖSV-Vizepräsidentin zurücklegen. "Zehn Jahre waren genug, für mich hat es eigentlich gereicht und gepasst", meinte sie.

Doch dann habe sie erst ihr Salzburger Landsmann Michael Walchhofer überredet, auf seinem Wahlvorschlag mitzumachen. "Ich musste nicht lang nachdenken, als ich von Michi gefragt wurde. Für mich war das eine Ehrensache." Aber es kam wieder alles anders, Michael Walchhofer zog im letzten Moment seine Kandidatur zurück und dann blieb eben Stadlober nach dem Rückzieher von Walchhofer die Salzburger Vizepräsidentin. Und als solche war sie wiederum im Oktober nach Schmidhofers Rücktritt die dienstälteste Vizepräsidentin, weswegen sie auch von dem scheidenden Präsidenten gefragt worden sei, ob sie nicht zumindest interimistisch das Amt führen wolle.

Eine Aufnahme mit Seltenheitswert von der ersten Gala im Tanzpalast in Wals: SN-Herausgeber Dr. Maximilian Dasch (r.) durfte den Star Margot Werner und Kommerzialrat Dimitri Pappas begrüßen. SN/sn
Eine Aufnahme mit Seltenheitswert von der ersten Gala im Tanzpalast in Wals: SN-Herausgeber Dr. Maximilian Dasch (r.) durfte den Star Margot Werner und Kommerzialrat Dimitri Pappas begrüßen.

Weil sie sich weder vor dem Eröffnungstanz noch vor der Verantwortung gedrückt hat, stand sie plötzlich im Mittelpunkt - und musste am Ende auch eine ganz schwierige Entscheidung treffen. Denn irgendwann wurde sie gefragt, ob sie nicht doch das Amt der ÖSV-Präsidentin bekleiden möchte, was nach dem eher verstörenden Wahlkampf im ÖSV ein Wunsch vieler ÖSV-Funktionäre war.

"Es waren lange Überlegungen und schließlich tagte der ganze Familienrat. Meine Familie hat mich letztlich auch bekräftigt, das zu tun", meinte Stadlober, für die es eigentlich gar kein so großes Thema war, dass sie nun plötzlich die erste ÖSV-Präsidentin war. "Ich habe aber sehr rasch gemerkt, dass das medial doch ein großes Thema war." Hat sie das überrascht? "Einerseits schon, andererseits auch nicht. Vor einem Jahrzehnt war es vielleicht noch undenkbar, dass eine Frau den ÖSV führen soll oder kann. Das ist heute zum Glück nicht mehr so." Was hat sich in der Zeit geändert? "Die vergangenen Jahrzehnte haben wir uns gefragt: Könnte eine Frau das Amt übernehmen? Natürlich kann das eine Frau und es ist gut, dass das eine Frau jetzt macht", meinte Stadlober.

Die im Übrigen ihr Amt auch ganz anders anlegt als so mancher Vorgänger. Denn für Stadlober zählt das Teamwork. Ob das eine weibliche Seite sei? "Nein, ich glaube nicht, dass das etwas mit weiblich oder männlich zu tun hat. Ich bin so erzogen worden und will das auch so leben", erzählte sie bei einem Interview mit den "Salzburger Nachrichten", bei dem sie auch auf Tuchfühlung mit dem Goldenen Leonidas ging. Denn einst gab es noch Glaspokale für Salzburgs beste Sportlerinnen und Sportler, den Leonidas in Gold, Silber und Bronze gab es erst später. Dank der Tochter Teresa Stadlober stehen aber auch mehrere Löwen im Haus der Stadlobers, zudem ihre zwei eigenen Trophäen als Sportlerin der Jahre 1984 und 1985.

Mit denen sie übrigens bis heute gute Erinnerungen verbindet. Denn eine Ehrung bei einer Sportlerwahl sei für sie nie eine lästige Verpflichtung gewesen, sondern "immer auch eine Auszeichnung durch das Publikum oder die Jury. Das freut einen dann schon auch." Daher sei sie auch froh, dass die "Salzburger Nachrichten" diese Ehrung seit bald vier Jahrzehnten durchführen. "Eine schöne Tradition und eine Veranstaltung, auf die sich die Sportler auch alle Jahre wieder freuen." Auch wenn heutzutage ein bisschen weniger getanzt wird als in den Anfangsjahren im Tanzpalast.

Aber darüber ist Roswitha Stadlober ja vielleicht gar nicht mal so unglücklich ...

Eine erfolgreiche und sympathische Familie: ÖSV-Präsidentin Roswitha Stadlober mit Ehemann Alois und den Kindern Teresa und Luis.  SN/sn
Eine erfolgreiche und sympathische Familie: ÖSV-Präsidentin Roswitha Stadlober mit Ehemann Alois und den Kindern Teresa und Luis.

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