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Marathon in Wien läuft heuer in Rot-weiß-rot

Noch nie gab es so viele starke Österreicher über die 42,195 Kilometer. WM und Olympia spornen das "Nationalteam" in Wien an.

EM-Bronze in Berlin 2018 beflügelt Österreichs Marathon-Trio Christian Steinhammer, Peter Herzog und Lemawork Ketema auch in Wien.  SN/gepa
EM-Bronze in Berlin 2018 beflügelt Österreichs Marathon-Trio Christian Steinhammer, Peter Herzog und Lemawork Ketema auch in Wien.

Ein Marathon ist immer ein Festival der Einzelkämpfer. 40.000 dieser Individualisten gehen am Sonntag beim Vienna City Marathon auf die verschiedenen Strecken bis hin zu den klassischen 42,195 Kilometern. Und dennoch ist die Traditionsveranstaltung bei ihrer 36. Auflage auch eine Art Länderspiel. Zumindest für die Gastgebernation, die gleich sechs Athleten mit einer Bestzeit unter 2:20 Stunden an den Start schickt.

Diese Fülle an starken Marathonis hat im vorigen August bereits einen historischen Erfolg gebracht: Beim EM-Marathon in Berlin holte Österreich Bronze in der Teamwertung. Lemawork Ketema und Peter Herzog landeten in den Top Ten, Christian Steinhammer machte den Spitzenrang komplett. Dieses Trio sowie Valentin Pfeil, Stephan Listabarth und Christian Robin bildet in Wien das "VCM Team Austria". Die sechs sollen sich bei Österreichs größter Sportveranstaltung gegenseitig zu Spitzenzeiten treiben. Veranstalter Wolfgang Konrad gibt das Motto vor: "Gemeinsam sind sie stärker."

Fernziel bei den meisten im Nationalteam ist Olympia 2020 in Tokio, wenn auch das strenge Limit von 2:11:30 Stunden eine Herausforderung wird. Näher liegt die Weltmeisterschaft im heurigen Herbst in Doha (Katar, Limit: 2:16:00), die mit einem Nachtmarathon jedenfalls vom Erlebnisfaktor einzigartig wird.

Ein Ländermatch gegen Kenia oder Äthiopien würde Österreich freilich klar verlieren. Die afrikanischen Länder stellen neben Abraham Tadesse (SUI) auch heuer das Gros der Topläufer, an deR Spitze Gilbert Kirwa (KEN/Bestzeit: 2:06:14).

Im Gegensatz zu echten Mannschaftssportlern sind natürlich auch die rot-weiß-roten Marathongrößen lauter Einzelkämpfer. Daher war auch der Weg nach Wien für alle unterschiedlich. Ketema verbrachte viel Trainingszeit in der Höhe in Afrika, Pfeil war in Neuseeland, Herzog und Steinhammer in Spanien. Als schnellster Österreicher hinter einem eigenen Führungsfahrzeug wird der EM-Achte Ketema erwartet. Der gebürtige Äthiopier hat 2:13:22 Std. als Bestmarke stehen und glaubt, dass mehr geht. Schon am Sonntag? "Schaun' ma mal", gibt er sich ganz österreichisch.

Eine Portion Ungewissheit ist eben immer dabei. Der Salzburger Quereinsteiger Peter Herzog, der Stephan Listabarth als Tempomacher mit auf den Weg bekommt, weiß aber, wo sie morgen verfliegen wird: "Wenn ich beim Lusthaus noch Körner habe, schaut was raus."

Wie die Körner ausgehen können, hat Herzog im Vorjahr in Wien erfahren, als er sich trotz Atemnot ins Ziel kämpfte. Hingegen sahen Valentin Pfeil bei der EM in Berlin und Christian Steinhammer in Wien das Ziel jeweils nicht. Er weiß also, wovon er spricht, wenn er die Grundregel unterstreicht, die für Spitzenathleten wie für Freizeitläufer gilt: "Ein Marathon ist erst im Ziel vorbei."

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