Mixed

Melzer-Brüder bei Australian Open nach guten Leistungen out

Die Melzer-Brüder sind am Montag in der ersten Runde des Tennis-Grand-Slams Australian Open ausgeschieden. Nachdem Gerald Melzer dem 17-jährigen Australier Alex de Minaur nach vergebenem Matchball in fünf Sätzen unterlagen war, verlor Jürgen Melzer in der Melbourner "Nightsession" in der Rod Laver Arena gegen den Schweizer Roger Federer in 2:05 Stunden nach guter Leistung 5:7,6:3,2:6,2:6.

Melzer lieferte gegen den gleichaltrigen Federer ein gutes Spiel ab.  SN/APA (AFP)/PETER PARKS
Melzer lieferte gegen den gleichaltrigen Federer ein gutes Spiel ab.

Im letzten Herren-Match des Auftakt-Tages der Australian Open hatte Jürgen Melzer seine große Bühne. Beim groß erwarteten Comeback von Roger Federer auf der Tour gab der Niederösterreicher am Montag in der Rod Laver Arena von Melbourne dann auch viel mehr als nur einen Sparringpartner für den Schweizer ab, unterlag dem Rekord-Tennis-Grand-Slam-Sieger aber nach 2:05 Stunden doch 5:7,6:3,2:6,2:6.

Melzer bewies im Duell der beiden 35-Jährigen, dass er noch nicht zum alten Eisen zu zählen ist. Von Beginn an ging er das Tempo seines Gegners mit, wegen dem das Match in der "Nightsession" angesetzt worden war. Auch gelang dem ÖTV-Ass zum 4:2 das erste Break. "Das hätte ich dann besser spielen können", meinte Melzer danach. Federer glückte das sofortige Rebreak, ab 5:5 spielte der Weltstar vorerst eine Klasse stärker.

Nach einem frühen Break in Durchgang zwei war zu erwarten, dass der "Fed-Express" nicht mehr aufzuhalten war, Melzer aber fand vorerst die Notbremse. Nach 1:3-Rückstand schaffte der Außenseiter das Kunststück, Federer in diesem Satz kein Game mehr zu überlassen. Der Satzausgleich war geschafft. "Ich habe einen sehr, sehr guten zweiten (Satz, Anm.) gespielt. Aber was er heute serviert hat, war von einem anderen Stern."

Der Deutsch-Wagramer bezog sich primär darauf, was folgte. Denn auch wenn Melzer weiter versuchte Paroli zu bieten und mit schönen Punkten aufwartete, die Partie kippte letztendlich endgültig zu seinen Ungunsten. "Er war schon Minimum eine Klasse besser. Ich habe ein gutes Match gespielt, aber ich kann es im Moment nicht besser. Er kann halt dann immer noch zulegen. Das macht dann den Unterschied aus."

Kleine Siegchancen gegen den erstmals seit 8. Juli (Wimbledon-Halbfinale) wieder auf der Tour tätigen Federer hatte sich Melzer durchaus gegeben. Melzer: "Es wäre für mich schon überraschend gewesen, wenn er das in einem Flow heruntergespielt hätte. Man hat gemerkt, er sucht noch nach seinem Timing. Das war die Chance, und ich habe gewusst, ich spiele gut. Zwei Sätze lang habe ich es auch offenhalten können."

Seine gute Leistung allein reichte jedoch nicht, dass Melzer mit dem Gebotenen zufrieden war. "Mit einer Niederlage kann man selten zufrieden sein", erklärte er. "Aber ich bin happy, wie ich Tennis spiele derzeit. Und wenn da nicht Roger Federer drüben steht, sondern ein anderer, dann hätte es vielleicht gereicht. Aber ich freue mich, dass ich gesund bin, dass ich schmerzfrei spielen kann."

Nachdem er nun die Chance auf gute Punkte verpasst hat, muss der auf Weltranglistenplatz 300 zurückgefallene Melzer nun wieder auf die Challenger-Ebene zurückkehren. "Mein Ziel ist es, so schnell wie möglich Punkte zu machen und wieder nach oben zu kommen." Je nach Abschneiden im Melbourner Doppel geht es als nächstes nach Rennes oder später nach Budapest und zu weiteren Europa-Events.

Roger Federer meinte nach dem Sieg über Jürgen Melzer: "Es war schwerer als erwartet. Ich ging nicht gelöst in das Match." Erst Mitte des dritten Satzes habe er angefangen, sich relaxter zu fühlen. "Ich bin froh über diesen Work-out und froh, wie ich das Spiel beendet habe." Eines ist aber für ihn klar: "Dieses Gefühl muss wieder weg." Er will Matches wieder wie früher in Angriff nehmen.

Bereits in der zweiten Runde am Mittwoch gegen einen weiteren Qualifikanten, den Amerikaner Noah Rubin (ATP 200), dürfte es einfacher werden. "Ich denke, ich werde weniger nervös sein." Zudem sei Rubin Rechtshänder. Dass Melzer Linkshänder ist, habe die Aufgabe zusätzlich erschwert.

Das vermeidbare Ausscheiden seines Bruders Gerald früher am Tag gegen den 17-jährigen Australier Alex de Minaur hatte Jürgen Melzer im ersten Satz live miterlebt, danach vor dem Fernseher. "Diese Niederlage wird ihm noch ein paar Tage und Wochen wehtun. Daraus muss er lernen und es beim nächsten Mal besser machen."

Gegen den Australier hatte der jüngere Melzer-Bruder sogar einen Matchball, ging nach 3:42 Stunden aber als 7:5,3:6,6:2,6:7(2),1:6-Verlierer vom Platz des Show Court 3. Melzer jun. ist in Melbourne auch für das Doppel genannt.

Mit dem 17-jährigen Lokalmatador De Minaur hatte Melzer scheinbar ein Glückslos, der Youngster war nur per Wildcard ins Hauptfeld gekommen. Als 301. der am Montag erschienenen Weltrangliste liegt er aktuell 214 Plätze hinter Österreichs Nummer zwei. Der Niederösterreicher fand aber von Beginn an nicht zu einer konstanten Spielweise, hätte in der Begegnung allerdings trotzdem nicht unterliegen dürfen.

"Ich habe nicht dran geglaubt, dass ich es noch verliere", gestand Melzer enttäuscht ein, nachdem er auch sein zweites Major-Match nach jenem bei den French Open 2016 gegen den Briten Aljaz Bedene verloren hatte. Der ÖTV-Davis-Cupper hatte bei 5:4 im dritten Satz die Chance, sich ein Duell in der zweiten Runde mit Sam Querrey (USA-31) zu sichern, De Minaur gelang aber der Satzausgleich und dann ein schnelles Ende.

"Er ist gelaufen, und ich habe es nicht zu Ende spielen können", meinte Melzer. "Ein viel besseres Los hätte ich nicht bekommen können. Es tut halt weh, dass man mit Matchball verliert. Ich habe leichte Fehler gemacht. Ich habe es nicht geschafft, den Punkt zu beenden." Damit bleibt ihm in Melbourne nur noch die Hoffnung auf Doppel-Erfolge an der Seite des Ukrainers Alexander Dolgopolow.

Am Dienstag (3. Match nach 1.00 Uhr MEZ) ist mit dem als Nummer acht gesetzten Dominic Thiem der dritte Niederösterreicher bzw. letzte ÖTV-Akteur im Hauptbewerb-Einsatz. Der 23-jährige Weltranglisten-Achte trifft auf den Deutschen Jan-Lennard Struff.

In der ersten Runde des Herren-Doppels kommt es indes zu einem Österreicher-Duell. Der mit dem Kroaten Mate Pavic als Nummer 13 antretende Wiener Alexander Peya wurde gegen Jürgen Melzer gelost. Der Niederösterreicher tritt mit dem Pakistani Isam-Ul-Haq Qureshi an. Auch die beiden anderen Österreicher sind in der unteren Rasterhälfte zu finden.

Der Vorarlberger Philipp Oswald wurde mit dem US-Amerikaner James Cerretani gegen das US-neuseeländische Duo Nicholas Monroe/Artem Sitak gelost, Gerald Melzer bekommt es gemeinsam mit dem Ukrainer Alexander Dolgopolow mit den als Nummer fünf gesetzten Feliciano Lopez/Marc Lopez zu tun. Die Spanier sind aktuelle French-Open-Titelträger. Im Damen-Doppel ist Österreich nicht vertreten, das Mixed noch nicht ausgelost.

Quelle: Apa/Dpa/Ag.

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