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Motorrad-WM vor fulminanter Rückkehr nach Österreich

Nach 19 Jahren kehrt die Motorrad-WM fulminant nach Österreich zurück - die MotoGP wird die Massen anlocken.

Motorrad-WM vor fulminanter Rückkehr nach Österreich SN/GEPA pictures
MotoGP auf dem Red-Bull-Ring, die Fotomontage zeigt Jorge Lorenzo (ESP/ Yamaha), Marc Marquez (ESP/ Honda) und Valentino Rossi (ITA/ Yamaha).

Sechs Wochen nach der eher mager besuchten Formel 1 werden am kommenden Wochenende mehr als 200.000 Zuschauer auf dem Red Bull Ring in Spielberg erwartet, wenn die Stars der Zweiradszene nach vierwöchiger Sommerpause ihr zehntes Saisonrennen 2016 absolvieren.

Für die "Königsklasse" ist es am Sonntag der 399. Lauf in der MotoGP.

Zu verdanken ist die Rückkehr der MotoGP wie schon bei der Formel 1 Ring-Besitzer Dietrich Mateschitz. Der Red-Bull-Boss lässt nach der vierrädrigen nun auch die zweirädrige "Königsklasse" in der Steiermark fahren und damit ebenfalls auf der 4,2 Kilometer langen Berg- und Tal-Bahn, wo 1996 und 1997 auch die bisher letzten WM-Läuf ein Österreich stattgefunden haben.

Die höchste Kategorie war damals noch die 500er-Klasse, letzter Sieger der Australier Mick Doohan.

Mangelndes Zuschauer-Interesse war damals ein Hauptgrund für das Aus der Zweirad-WM in Österreich. Fast zwei Jahrzehnte sind seitdem vergangenen und die MotoGP hat sich in dieser langen Zeit weltweit zu einem absoluten Publikums-Hit entwickelt.

Vor allem dank Valentino Rossi, der in dieser Phase neun WM-Titel geholt hat und zum weltweiten Superstar avanciert ist. Der 37-Jährige ist der einzige aktive MotoGP-Pilot, der auch 1996 und 1997 schon in Spielberg dabei war.

Obwohl Rossis letzter Titelgewinn schon sieben Jahre zurück liegt und seitdem vor allem die Spanier Marc Marquez und Jorge Lorenzo dass Kommando übernommen haben, ist der mit der Startnummer 46 fahrende "Doktor" nach wie vor die ganz große Zugnummer auf zwei Rädern.

Aktuell liegt der Yamaha-Fahrer nach bisher zwei Saisonsiegen und 9 von 18 Rennen 59 Punkte hinter dem führenden Titelverteidiger Marquez in der WM aber nur auf Platz drei. Marquez hat wie sein zweitplatzierter Landsmann Lorenzo 2016 schon dreimal gewonnen und peilt in der Steiermark mit seiner Honda den nächsten Coup an.

In Spielberg hat man sich für die große Rückkehr der Motorrad-WM groß heraus geputzt und die Strecke auch neu asphaltiert, womit alle Unebenheiten und Bodenwellen beseitigt wurden. Zudem wurde der Asphalt aufgeraut, was sechs Wochen davor der Formel 1 einige spannende Situationen beschert hatte. Für die Reifen der MotoGP ist der neue und Gummi mordende Asphalt offenbar eine Riesen-Herausforderung, das wurde bei den privaten Ducati-Tests vor kurzem offensichtlich.

Diskutiert wurden auf der Formel-1-Strecke in der Obersteiermark auch einige Sturzräume, vor allem die Zielkurve. Fahrer fordern vehement mehr Kiesbette statt asphaltierter Zonen, weil diese gestürzte Motorräder effektiver bremsen.

Die Motorrad-WM trägt bei der Rückkehr nach Österreich auch Trauer, nachdem Moto2-Pilot Luis Salom erst im Juni in Barcelona verunglückt ist. Der Spanier war nach einem offenbar von einer Bodenwelle ausgelösten Sturz bei 150 km/h gegen die Air Fences und sein eigenes Motorrad gekracht und hatte sich dabei tödliche Verletzungen zugezogen.

In Spielberg hat man umgehend reagiert. Weil das im Winter installierte Kiesbett zu klein ist, wurde der Kurs im Bereich der Zielkurve durch aufgemalte Kerbs enger und damit langsamer gemacht. "Damit sollte es für die Fahrer in Ordnung sein", hofft Rennleiter Andreas Meklau.

Unter den Fans zeichnet sich angesichts des gigantischen Zuschauer-Interesses in Spielberg ein wahres Volksfest ab. Neben den Rennen sind Zeltfeste, Musik, Party und Unterhaltung auf den Campingplätzen und vor allem im riesigen und jeden Tag bis zwei Uhr früh geöffneten MotoGP-Fan-Village angesagt. Auch das Wetter sollte passen.

Marquez fehlte zwar bei den jüngsten Spielberg-Tests, hatte aber dank des Heimvorteils als "Red-Bull-Pilot" schon vergangenen Herbst erste Eindrücke gesammelt. "So viel Höhenunterschied wie hier haben wir nirgends", erklärte der Spanier danach.

Ihn erinnern einzelne Streckenabschnitte des Ringes an andere MotoGP-Strecken. "Die ersten beiden an Austin, die beiden Linkskurven an Assen oder Jerez, die zwei letzten an Misano", so Marquez. Für den jüngsten Champion der WM-Geschichte steht fest: "Dein Bike braucht hier gute Balance, Wheelie-Kontrolle, exzellente Bremsen und ein Fahrwerk, das präzise einlenkt. Und mehr Bodenfreiheit als auf anderen Strecken."

Auch Superstar Rossi gab sich beeindruckt. "Die Strecke ist schneller als gedacht. Das Layout ist super. Ich mag das." Weltmeister Lorenzo ergänzte: "Der Asphalt ist sehr griffig und aggressiv. Das ständige Beschleunigen und Bremsen belastet aber den Reifen stark. Vor allem im Rennen wird man mit viel Hirn fahren müssen."

Quelle: APA

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