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NFL: Ein Kniefall bleibt Stein des Anstoßes

Früher gehörte der Sonntag in den USA der Kirche. Wer auf die Knie fiel, tat dies dort. Jetzt bestimmt diese Geste auch den Sport.

NFL: Ein Kniefall bleibt Stein des Anstoßes SN/fr34342 ap
San Francisco 49ers Eric Reid (li.) und Colin Kaepernick haben mit ihrem Kniefall beim Abspielen der Hymne in den USA einen Patriotismusstreit ausgelöst.

Heute ist zwar längst akzeptiert, dass der Sonntag auch der Tag der National Football League (NFL) ist, aber dass nun ausgerechnet Footballspieler vor einem Spiel auf die Knie gehen, das sorgt seit Wochen für Aufruhr. Und der wird weitergehen.

"Ich werde nicht aufstehen, um meinen Stolz für die Flagge eines Landes zu zeigen, das Schwarze und Farbige unterdrückt", erklärte Colin Kaepernick, Backup-Quarterback der San Francisco 49ers, erstmals Ende August.

Danach setzte er seine Aktion fort, obwohl ihm wütender Protest entgegenschlug. Andere wie Teamkollege Eric Reid zogen mit, auch am Sonntag vor dem Saisonspiel gegen die Carolina Panthers. Auch drei Profis der Miami Dolphins knieten am Sonntag.

Was aber meint der Footballer-Protest genau? Wogegen richtet er sich? Soziale Missstände? Systemische Unterdrückung aller dunkelhäutigen Staatsbürger in den USA?

Etwa zwei Drittel der NFL-Spieler sind schwarz. Es reichte, dass einer von ihnen die geforderte Verhaltensnorm beim Abspielen der Nationalhymne verließ, um eine sehr grundsätzliche Debatte loszutreten.

In den USA wird die Hymne auch an Schulen vor jedem Spiel einer Auswahl gespielt. Passierende Jogger bleiben stehen, wenden sich der Flagge zu. Die meisten legen die Hand aufs Herz, das muss man nicht. Stehen tun alle US-Amerikaner. Ausnahmslos.

Vor diesem Hintergrund schlägt Kaepernick wütende Kritik aus Showbiz und Politik entgegen. Inakzeptabel, ein Krimineller, er solle sich schämen.

Dass die Lage für sehr viele Afroamerikaner in den USA nach wie vor zum Himmel schreit, ist eine Tatsache. Inhaftierungsraten, Armut, Polizeigewalt und fehlende Zugänge zu Bildung: Die Gesellschaft behandelt Schwarz und Weiß noch immer gravierend unterschiedlich. Sehr viele Weiße negieren diese Zustände oder wollen noch immer nichts davon wissen.

Flagge und Hymne in diesem zutiefst patriotischen Land nicht zu ehren ist kein Spaß, sondern ein Sakrileg. Patriotismus gehört in den USA zu den höchsten Gütern. Die Meinungsfreiheit aber auch. Beides wird mit Inbrunst verteidigt. Im Hymnenstreit prallt das nun aufeinander - wuchtig wie die Linien zweier Footballteams.

Quelle: SN

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