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NS-Sport in Salzburg: Aufarbeitung einer dunklen Zeit

Historiker haben in einem ersten Buch die Salzburger Sportgeschichte in der NS-Zeit beleuchtet. Es soll zugleich als Warnung dienen, dass sich die Ereignisse von damals nicht wiederholen.

Der SAK-Platz in Nonntal diente als Austragungsort für NS-Sportveranstaltungen. Wie hier bei Leichtathletikwettbewerben des Bunds Deutscher Mädel, kurz BDM.  SN/sw/stadtarchiv salzburg
Der SAK-Platz in Nonntal diente als Austragungsort für NS-Sportveranstaltungen. Wie hier bei Leichtathletikwettbewerben des Bunds Deutscher Mädel, kurz BDM.

Vor 80 Jahren erfolgte der "Anschluss" Österreichs an das Deutsche Reich. Damals spielte der Sport eine tragende Rolle unter den Nationalsozialisten. Bis heute gibt es kaum eine Aufarbeitung der damaligen sportlichen Geschehnisse und der handelnden Personen in unserem Bundesland.

Das Buch "Salzburgs Sport in der NS-Zeit" befasst sich mit der damaligen Zeit und bereitet Themen in wissenschaftlich recherchierten Texten auf. Herausgeber sind die Historiker Oskar Dohle und Andreas Praher sowie Walter Pfaller von der Landessportorganisation und Minas Dimitriou von der Universität Salzburg.

"Arierparagraph" ab 1922

Wenn man sich die Sportgeschichte von 1938 bis 1945 in Salzburg ansieht, dann führt kein Weg daran vorbei, frühere Geschehnisse in die Aufarbeitung miteinfließen zu lassen. Der Antisemitismus wurde nach Ende des 1. Weltkriegs auch im Sport immer deutlicher. "Der SAK hat bereits 1922 den "Arierparagraphen" eingeführt und sämtliche jüdische Mitglieder ausgeschlossen. Weitere Vereine und Verbände wie der Salzburger Skiverband zogen kurze Zeit später nach", sagt der Historiker Andreas Praher.

Diese Strömungen haben sich in den folgenden Jahren fortgesetzt. Während des autoritären Ständestaats wird 1934 der Arbeitersport verboten. Sportlerinnen und Sportler sowie deren Verbände und Vereine wanderten teilweise in den Untergrund. Es kommt vermehrt zu nationalsozialistischen Kundgebungen und Übergriffen, obwohl die NSDAP nach wie vor verboten ist. Mit dem "Anschluss" Österreichs wurde der "Arierparagraph" 1938 in sämtlichen Vereinen verpflichtend aufgenommen. Österreichische Funktionäre und Sportler, die sich bereits vor dieser Zeit in der illegalen nationalsozialistischen Bewegung beteiligt hatten, profitierten nach 1938. Im Gegenzug wurden Vereine aufgelöst und in den NS-Reichsbund für Leibesübungen eingegliedert. Die Opfer waren vor allem jüdische Sportler, die enteignet, verfolgt und in ein Konzentrationslager gebracht wurden. Die christlich-deutsche Turnerschaft vom katholischen Lager wurde ebenfalls verboten.

Nur ein kurzes Berufsverbot

Das Buch befasst sich mit zahlreichen Personen, die während der NS-Zeit und auch nach dem Krieg eine tragende Rolle im Sport gespielt haben. "Die Entnazifizierung hat nur schleppend und teils gar nicht funktioniert. Verbrechen wurden selten gesühnt. Viele Funktionäre und Sportler haben nach einem kurzen Berufsverbot wieder eine Stelle bekommen", erklärt Andreas Praher.

Einer davon war der Mittelschulprofessor Erwin Niedermann, der 1965 mit der Bildung und der Leitung des Universitätssportinstituts betraut wurde. "Niedermann schrieb nach 1945 Bücher über die Salzburger Sportgeschichte, blendete aber die eigene Verantwortung und Vergangenheit als damaliger Sportgauführer von Salzburg aus." Diese Lücken versuchten die Historiker nun zu füllen. "Es wurde oft nicht nach der Vergangenheit gefragt, weil man diese Personen für den Wiederaufbau gebraucht hat", so Praher. Ein weiterer Grund war, dass Österreich lange Zeit als Opfer der Nationalsozialisten angesehen und daher jegliche Verantwortung ausgeblendet wurde.

Mit dem Buch "Salzburgs Sport in der NS-Zeit" wollen die Historiker auch eine Warnung abgeben. "In Europa sind Nationalismen im Vormarsch. Gewisse Gruppen werden als Sündenböcke gesehen. Hier müssen wir aufpassen und das können wir auch aus der Sportgeschichte lernen", so Praher.           

Aufgerufen am 21.11.2018 um 02:50 auf https://www.sn.at/sport/mixed/ns-sport-in-salzburg-aufarbeitung-einer-dunklen-zeit-29195245

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