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Österreicher Bachan will auf der Surf-Welle zu Olympia

Wellenreiten ist eine der neuen Sportarten bei den Olympischen Sommerspielen 2020 in Tokio. Die Qualifikation läuft und mit dem 21-jährigen Jonas Bachan will auch ein Surfer aus Österreich zur Premiere. Der in Frankreich lebende Steirer bekommt bei der kommenden Weltmeisterschaft in Japan seine erste Quali-Chance. Sicher ist: Er trifft dort mit Kelly Slater auf die Ikone des Surfsports.

Bachan geht auch zur Schauspielschule SN/APA/LEON BACHAN
Bachan geht auch zur Schauspielschule

Slater ist ein Surf-Pionier und zählte zusammen mit Skateboarder Tony Hawk und Snowboarder Shaun White zu den erfolgreichsten Boardsportlern der Welt. Aber selbst der bereits 47-jährige Elffach-Weltmeister und Sport-Millionär rutschte erst durch die Verletzung eines Landsmannes in das WM-Aufgebot der USA. "Slater ist die volle Legende. Ich bin sehr aufgeregt, ihn zu treffen", freut sich Bachan. "Gegen ihn in einem Heat zu fahren, würde mich voll freuen. Alleine, mit ihm am Wasser zu sein, wäre großartig. Ich hätte nichts zu verlieren."

Dass Bachan dem Surf-Superstar bisher noch nicht in einem Contest begegnet ist, liegt auch daran, dass Slater auf der Champions Tour der World Surf League die Wellen abreitet, während Bachan in der Nachwuchs- bzw. Qualifikationsserie unterwegs war. Sich über die Weltrangliste für Olympia zu qualifizieren, ist für den Österreicher also derzeit unmöglich. Auch die Finanzen belasten das rot-weiß-rote Olympia-Projekt.

Denn auch den WM-Trip nach Japan bezahlt dank Sponsoren das Team von Bachan, der von Vater Philipp und einem medizinischen Betreuer begleitet wird, selbst. Ob der 21-Jährige auch bei der 2020er-WM noch eine eventuelle Olympiachance nützen kann, hängt nicht zuletzt am Geld. Vom Verband kommt vergleichsweise wenig. Austrian Surfing ist der zuständige Verband, Surfen ist wegen Olympia in Österreich aber vorerst dem Wasserski- und Wakeboardverband zugehörig.

Die von der International Surf Association (ISA) ausgetragene WM 2019 von Sonntag bis 15. September in Miyazaki (die Herren starten frühestens Dienstag) ist vorerst Bachans beste Tokio-Chance, weil hier die Besten aus Afrika, Asien, Ozeanien und Europa ihr Olympiaticket heraussurfen. Die Konkurrenz ist freilich riesig. Die Anziehungskraft von Olympia hat mit 240 Athleten aus 55 Nationen ein Rekord-Meldeergebnis gebracht. Wie seinerzeit die Snowboarder vor ihrer Premiere bei der FIS haben nun die WSL-Stars bei der ISA-WM Startpflicht, wollen sie zu Olympia. Nur je 20 Damen bzw. Herren sind in Tokio startberechtigt.

Dass ein Österreicher bei einer Wellenreiter-WM mitmacht, ist an sich eine kleine Sensation. Der Weg dahin war lange. Mit dem zweijährigen Jonas verließ die Familie einst Graz Richtung Südwest-Frankreich, wo Bachan in Hossegor bzw. Seignosse aufwuchs. Nach Matura in einem Surf-Internat in Biarritz trainiert er nun auch im Surf-Camp seines Vaters, einem einstigen Snowboard-Ästhetiker, in Aljezur an der portugiesischen Algarve. Ein Webdesign-Studium wurde abgebrochen, derzeit besucht der dreisprachige Bachan zwei Mal die Woche eine Schauspielschule in Paris. Dank markanter Gesichtszüge gibt er bevorzugt den Bösewicht. Nach Österreich kommt Bachan hauptsächlich, um seine Grazer Omas zu besuchen sowie zum Snowboarden.

Wie einst die Snowboarder haben auch in der Surf-Profiszene nicht alle Freude mit dem Kommerz der fünf Ringe. "Es besteht die Sorge, dass Olympia den ganzen Mystery-Part des Sports ein bissl kaputt macht", verweist Bachan auf den starken Natur-Aspekt des Wellenreitens. "Es gibt halt viele Spots, wo du nicht so gerne einen Haufen Leute haben willst."

Bachan selbst findet die Olympia-Premiere aber aufregend. "Weil es den Sport einen Schritt weiter und viel Medien-Aufmerksamkeit bringt." Wavepool-Surfen hat er noch nicht probiert. "Surfen gehört ins Meer", verweist Bachan auf den "immanenten Glücksfaktor" und das Spiel mit Mutter Natur selbst während der rund 20-minütigen Wettkampf-Heats, bei denen "Speed, Power und Flow" der jeweils vier Surfer auf ihren wendigen Shortboards beurteilt werden. Die besten Zwei steigen in die nächste Runde auf.

In Japan, so Bachan, wäre aber eine "stehende Welle" womöglich gar nicht so schlecht. Die Bewerbe finden vor der Taifun-Saison statt, die Wellen dürften also eher mau daherkommen. Was nicht ideal ist für den mit seinen 1,80 Metern und 75 Kilos zu den großen Surfern zählenden Bachan, der überkopf-hohe Brecher lieber abreitet. In Miyazaki wird es womöglich nur knie- oder hüfthoch hergehen.

Es ist neben dem Geld nicht das einzige aktuelle Handicap. Nach einem Sturz mit dem Skateboard hatte Bachan wegen seiner Kniescheiben zwei Monate praktisch Surverbot und musste geplante Contests auslassen. Deshalb wurde unmittelbar vor der WM "von sieben bis sieben" gesurft, gefilmt und analysiert, um Boden gut zu machen.

Bachan hat sich in der europäischen Surf-Szene längst einen guten Namen gemacht. 2017 war er WM-17., der EM-Titel entging ihm erst nach einer grenzwertigen Entscheidung der Wertungsrichter. Als Vertreter eines Binnenlandes zählt der Österreicher bei der Japan-WM eher zu den "Exoten" und auch zu den Außenseitern. "Wenn die Top-Nationen vor dem Contest in einem Sushi-Restaurant einen schlechten Fisch erwischen, habe ich vielleicht meine Chancen", ging er aber mit Humor an das Thema heran.

Unmöglich sei es aber auch wieder nicht. "Bei kleinen Wellen sind die Top-Leute auch nicht so gut", ist Bachan überzeugt. Er sei jedenfalls sehr motiviert, werde alles geben. "Es ist cool, für Österreich zu starten. Es wäre einfach mega, wenn ich ein kleines Land im Surfen zu Olympia bringen kann."

Quelle: APA

Aufgerufen am 18.10.2019 um 07:37 auf https://www.sn.at/sport/mixed/oesterreicher-bachan-will-auf-der-surf-welle-zu-olympia-75837247

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