Sport

Putin schließt Klage gegen WADA-Entscheidung nicht aus

Die unendliche Geschichte des russischen Doping-Skandals ist nach der vierjährigen Sperre für die Sportmacht nicht zu Ende. Allen voran befördert Russlands Präsident Wladimir Putin die Erwartung, dass sein Land die von der Welt-Anti-Doping-Agentur verhängten Sanktionen nicht akzeptieren und vor den Internationalen Sportgerichtshof ziehen wird.

Putin sieht keine juristische Grundlage für die verhängten Strafen SN/APA (AFP)/CHARLES PLATIAU
Putin sieht keine juristische Grundlage für die verhängten Strafen

"Wir haben allen Grund, Klage beim CAS einzureichen", sagte Russlands starker Mann in der Nacht zum Dienstag nach dem Ukraine-Gipfel in Paris. Putin betonte, dass sein Land nicht kollektiv für einzelne Doping-Fälle bestraft werden dürfe. "Es gibt wohl Grund zur Annahme, dass es bei solchen Entscheidungen nicht um die Sauberkeit des Weltsports geht, sondern um politische Überlegungen. Diese sind nicht im Interesse des Sports und der olympischen Bewegung", sagte der Präsident.

Das WADA-Urteil werde man nun "genau anschauen". Wie es aus Moskau hieß, will der Aufsichtsrat der nun erneut suspendierten Anti-Doping-Agentur (RUSADA) am 19. Dezember über eine Berufung beim CAS entscheiden.

Pikant ist, dass RUSADA-Leiter Juri Ganus sich in den vergangenen Monaten als Kritiker von Staatsdoping, Politikern und Funktionären offen positioniert hat. Nach dem WADA-Beschluss forderte er Putin auf, die Sache ernst zu nehmen und entschlossen zu handeln. "Welche tragischen Entwicklungen soll es denn sonst noch geben", sagte Ganus und betonte, ein Gang vor den CAS wäre "chancenlos". Ob Ganus sich mit seiner Sichtweise durchsetzt, ist eher unwahrscheinlich.

"Bestrafung ohne Beweise und Bestrafung trotz garantierter Unschuld, dies werden die neuen Standards für Sanktionen im Sport", schimpfte Stanislaw Posdnjakow, Präsident des Nationalen Olympischen Komitees Russlands. Er und sein Sportminister Pawel Kolobkow kündigten an, Russland bei den Sommerspielen 2020 in Tokio unter der Nationalfahne an den Start zu bringen. "Wir tun alles in unserer Macht stehende, alles, was notwendig ist, was zur Lösung der Kontroverse zum Nutzen von allen, einschließlich der Athleten, beiträgt", sagte Kolobkow.

Heftige Kritik am Verhalten der heimischen Sportbehörden übte die dreifache russische Hochsprung-Weltmeisterin Maria Lasizkene, die trotz der Sanktionen ihre Olympia-Teilnahme in Tokio anstrebt. "Ich habe den Geschichten nicht geglaubt, dass alles gut wird. Was passiert ist, ist eine Schande", schrieb sie in einem offenen Brief auf Instagram an die Verantwortlichen des Sportministeriums und des russischen NOK. "Es ist nicht der Westen, der Russland angreift. Ihr selbst habt uns Athleten verraten."

Die WADA-Exekutive hatte am Montag entschieden, dass russische Athleten bis 2023 nicht unter der Fahne ihres Landes bei Olympischen Spielen und anderen Sportgroßveranstaltungen, sondern nur als neutrale Sportler starten dürfen. Außerdem darf Russland in diesem Zeitraum nicht Gastgeber von internationalen Sport-Events sein.

Whistleblower Grigori Rodschenkow hat nach den Sanktionen gegen Russland auch harte Strafen für die Verantwortlichen des Sportbetrugs gefordert. "Endlich wurden Betrug, Lügen und Fälschungen von unbeschreiblichem Ausmaß in vollem Umfang bestraft", sagte der Ex-Leiter des Moskauer Labors in einer Erklärung, aus der die BBC in einem Bericht zitierte. "Diejenigen, die an der Korruption bestimmter Sportarten wie Leichtathletik, Gewichtheben, Skifahren, Biathlon und Bob beteiligt sind, sollten rückwirkend bestraft werden."

Quelle: Apa/Dpa

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