Motorsport

Putins Judofreund Boris Rotenberg will Le Mans gewinnen

Der russische Milliardär und Sportfan Boris Rotenberg stellte in Bahrain einen Prototypen vor - mit Hilfe der italienischen Rennwagenschmiede Dallara, aber auch russischer Ingenieure und Studenten. Die USA und EU führen ihn auf der "schwarzen Liste".

Um die Prototypenklasse in der Langstrecken-WM (WEC) muss man sich nach dem Rückzug von Audi (2016) und Porsche (nach dem Finale an diesem Wochenende in Bahrain) Sorgen machen.

Denn nur noch Toyota wird als Werkteam übrig bleiben.

WM-Promotor Gérard Neveu setzt nun auf private Teams, deren Boliden ohne Hybridantrieb dem leistungsmäßig zu drosselnden Toyota-Hybriden angeglichen werden sollen.

Freitagabend wurde der erste Aufsteiger vorgestellt: Das Projekt des russischen Oligarchen Boris Rotenberg, der BR1.

Zwar wurde der Prototyp von Dallara in Italien, einem Auftragsspezialisten und früherem F1-Team, gebaut, "doch die wesentliche Arbeit kam auch von russischen Ingenieuren und Technikstudenten", betonte Rotenberg via Dolmetsch.

1000 Kilometer sollen schon auf der Strecke in Aragon abgespult worden sein, "sehr erfolgreich", wie Testfahrer Vitali Petrow, der Ex-F1- und -DTM-Pilot, betonte.

Das Ziel Rotenbergs ist klar: Der erste russische Sieg in den 24 Stunden von Le Mans, dem Höhepunkt des World Endurance Championship.

Der würde schon allein aus P.r.-Gründen seinem alten Freund aus gemeinsamen Judo-Tagen in St. Petersburg (damals Leningrad) gefallen: Wladimir Putin.

Denn Boris Romanowitsch Rotenberg, 60 Jahre alt, gilt als enger Vertrauter des russischen "Zaren".

Rotenberg gehört mit seinem älteren Bruder Arkadi das Unternehmen SGM, Russlands größer Konstrukteur von Gas-Pipelines und wichtigster Lieferant für Gazprom.

2001 gründete er außerdem die SMP-Bank, die rasch zu den größten Geldinstituten Russlands aufstieg. Forbes führte Rotenberg in der "Rich List" Russlands 2016 an 69. Stelle mit einem Vermögen von 1,07 Mrd. US-Dollar.

Rotenberg war immer Sportler und Sportfan. Von 1992 bis 1998 war er professioneller Judotrainer in Helsinki.

Er ist Präsident des russischen Judoverbandes und war 2013 bis 2015 Präsident von Dynamo Moskau (Fußball).

Sein Sohn Roman ist Marketingdirektor von SKA St. Petersburg aus der Eishockeyliga KHL, sein zweiter Sohn Roman jr. spielte Profifußball bei Dynamo Moskau. Und mit SMP Racing unterstützte Rotenberg schon lange Zeit russische Piloten wie Petrow, Michail Aleschin (Indycars), Viktor Shaytar (WEC) oder Sergej Sirotkin (F1-Testfahrer bei Renault).

Schließlich profitierte Rotenberg von Aufträgen im Wert von fünf Mrd. Euro für die Winterspiele 2014 in Sotschi.


International aber holte ihn die Annexion der Krim durch Freund Putin ein: Rotenberg steht seit 2014 auf der "schwarzen Liste" der USA und der EU. Viele wundern sich, wie Rotenberg in dieser Situation Dallara in Italien für die Arbeit entlohnen kann.


In Bahrain war er höchst umgänglich: der Sportfan, der auch auf der Rennstrecke gewinnen will. Ganz im Sinne Putins.

Aufgerufen am 21.10.2018 um 01:26 auf https://www.sn.at/sport/mixed/putins-judofreund-boris-rotenberg-will-le-mans-gewinnen-20623600

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