Mixed

Radprofis hautnah: Tage der Raserei in enge Gassen

Die Innenstadt-Kriterien in Wels und Bischofshofen machen auf engstem Raum klar, wie radnarrisch man sein kann.

Riccardo Zoidl. SN/zoidl
Riccardo Zoidl.

Enge Gassen, schnelle Kurven - das ist nicht das Terrain von Riccardo Zoidl. Sein Terrain ist die lange Qual. Die kurze Aufregung passt nicht so ganz in sein Körperprofil. Jetzt aber geht es um rasante Enge. Trotzdem startet er. Und nichts als eine dauernde kurze Aufregung ist ein Rad-Kriterium.

Zum 20. Mal wird heute, Mittwoch, in der Welser Innenstadt gefahren. Und zum zehnten Mal wird dann am Donnerstag in Bischofshofen gerast. Diese Rennen sind aus einer ganzen Reihen von Kriterien in Österreich die letzten Überlebenden. Ihr Überleben hat mit einer "gewissen Besessenheit" zu tun, wie Paul Resch das sagt. Und Resch, der in Wels Organisationschef ist, meint damit sich selbst und er meint auch Peter Stankovic in Bischofshofen. Die beiden sind radnarrisch. Und beiden gelingt es mit den Kriterien, Attraktionen zu schaffen, die aus nächster Nähe erleben lassen, was radnarrisch noch heißen kann. Kriterium machen atemlos.

Es geht durch die Gassen von Innenstädten. Es werden Geschwindigkeiten von bis zu 70 km/h erreicht. Zwei längere Geraden, vier scharfe Rechtskurven. Ein paar hundert Mal voll beschleunigen, zusammenschleifen, wieder draufdrücken, beschleunigen. Immer auf Anschlag. "Es ist einfach eine gute Show", sagt Bernhard Eisel, Österreichs längst gedienter Radprofi. Und es eine gute Möglichkeit in den Tagen nach der Tour de France ein bisschen Geld zu verdienen. Denn diese Tage sind traditionell die Kriteriums-Tage.

Felix Großschartner tut sich mit Kriterien leichter. "Es dauert ein bisserl, bis man den Rhythmus hat auf so einem Kurs, aber dann macht es schon Spaß", sagt er. Zoidl und Großschartner gehören in Wels zu den Lokalmatadoren. Zoidl war hier schon als 12-Jähriger in der Kinderklasse gestartet. "Es gehört dazu, dass wir dabei sind", sagt Zoidl. Er stammt aus Traun. Großschartner ist in Wels geboren.

Die Lokalmatadore sind Helden

Erstaunlich ist aber, dass die Lokalmatadore eben nicht mehr von kleinen Rennen, sondern von der große Tour zu den Kriterien anreisen. "Früher haben wir einmal gehofft, dass vielleicht einer aus unserem Nachwuchs bei der Tour de France fahren könnte", sagt Paul Resch, dessen Leidenschaft seit Jahren das pochende Herz des Welser und mittlerweile auch oberösterreichischen Radsportes ist.

Nun kommen gleich drei Österreicher von der Tour de France zum Kriterium nach Wels: Lukas Pöstlberger, Gregor Mühlberger und Michael Gogl. Alle drei sind in Wels schon für Profi-Teams gefahren. Jetzt haben sie Verträge in der höchsten Klasse des Weltverbandes. So wie auch Großschartner, der aus dem Höhentrainingslager nach Wels kommt. Er fuhr die Tour de France nicht, war im Frühjahr aber beim Giro d'Italia stark.


Von der Tour de France in die Altstadt

"Überrascht bin ich nicht, dass die Burschen alle so gut sind. Ich weiß, wie sie arbeiten." Und er meint nicht nur die Fahrer. Er meint auch das Welser Felbermayr-Profi-Radteam, bei dem Zoidl derzeit unter Vertrag steht. Der Welser Club ist eine der Keimzellen der Erfolge, die österreichischen Radprofis derzeit auf den Landstraßen zustande bringen. Seit Jahren wird hier hervorragende Arbeit gemacht. Felix Großschartner etwa kam von hier über das polnische Team CCC zu Bora-hansgrohe. Auch Lukas Pöstlberger und Gregor Mühlberger gingen durch die Welser Schule und fahren mittlerweile bei Bora. Und Bora ist das Team des aktuellen Weltmeisters Peter Sagan.

Lukas Pöstlberger gewann im vergangenen Jahre eine Etappe beim Giro. Er kommt aus Schwanenstadt, als auch gleich ums Eck von Wels. Und zu den beiden Kriterien kommt er von der Tour de France. Dort war er oft im Wind zu sehen - im Trikot des amtierenden Staatsmeisters. Seine und Mühlbergers Arbeit hatte maßgeblichen Anteil daran, dass Peter Sagan, Superstar der Szene, sechs Etappen und das Grüne Trikot als bester Sprinter gewinnen könnte.

"Wels geht ja noch, aber Bischofshofen ist richtig hart, sagt Zoidl. Aber ein Start ist neben ein bisschen Antrittsgeld auch Ehrensache. "Die Kriterien gehören zu den wichtigen Terminen im österreichischen Kalender", sagt Großschartner. Und dieser Kalender ist neben der Österreich-Radrundfahrt nicht sehr umfangreich. "Wir haben nicht oft die Chance, uns daheim zu zeigen", sagt er. Heuer aber besteht im September die Chance, sich daheim sogar bei einer WM zu zeigen. Die neuen Radweltmeister werden im September in Innsbruck ermittelt.

Innenstadtkriterium Wels: Mittwoch, 1. August ab 16 Uhr
Altstadtkriterium Bischofshofen: Donnerstag, 2. August ab 16.30 Uhr

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