Pioniergeist kann Wien nur guttun

Zum Glück braucht Eliud Kipchoge für seinen Rekordlauf kein Stadion.

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Standpunkt Gerhard Öhlinger

Wenn Eliud Kipchoge im Oktober tatsächlich die Zweistundenmarke im Marathon unterbietet, wird diese Zeit in keiner offiziellen Rekordliste aufscheinen. Leichtathletik-Puristen halten solche Rekordversuche unter Laborbedingungen für ein Unding. Doch die Schallmauer von zwei Stunden wird ohnedies früher oder später auch in einem "normalen" Rennen fallen. Zudem ist die Challenge von Wien Ausdruck des menschlichen Willens, das scheinbare Unmögliche zu wagen, Dinge neu zu denken und Grenzen zu verschieben.

Gerade deshalb erscheint es wie ein schlechter Witz, dass Eliud Kipchoge just in einer Stadt läuft, die mit ihren Sportstätten im vorigen Jahrhundert stehen geblieben ist. Das Ernst-Happel-Stadion nahe seiner Laufstrecke ist von einer modernen Fußballarena so weit weg wie die Wiener Vereine derzeit von einem Meistertitel. Die Leichtathletik-Laufbahn sieht aufgrund schwerer Schäden nie einen Läufer. Politischer Kleinkrieg verhindert die notwendigen Neubauten seit Jahren. Bleibt nur zu hoffen, dass Eliud Kipchoge den Verantwortlichen eine Portion Pioniergeist und Willenskraft zurücklässt.

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