Was Marathon alles möglich macht

Rekordmann Ketema gibt seiner neuen Heimat auch etwas zurück.

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Standpunkt Gerhard Öhlinger

Zehntausende Wiener stehen auf der Straße und jubeln einem Afrikaner zu, der als Flüchtling ins Land gekommen ist: Da wundern sich wohl manche, was in Österreich auch möglich ist. Beim Marathon wurde am Sonntag wieder einmal der Beweis erbracht, dass der Sport mit Leichtigkeit jene Integration zuwege bringt, die sonst so schwer fällt.

Im Zusammenhang mit der Einwanderungs-Thematik sei auch erwähnt, dass die Siegerin Nancy Kiprop mit ihren Erfolgen indirekt dazu beiträgt, dass viele Menschen in Zukunft nicht mehr an Flucht denken müssen. Bildung ist der Schlüssel zu einem besseren Leben in Afrika. Die Kenianerin steckt alles, was sie beim Laufen verdient, in ein Schulprojekt in ihrer Heimat.

Zurück zu Lemawork Ketema, dem neuen österreichischen Rekordhalter. Der gebürtige Äthiopier, der übrigens nie Zuwendungen wie Mindestsicherung oder Ähnliches in Anspruch genommen hat ("Ich habe einen Beruf: Ich bin Läufer"), gibt seiner neuen Heimat auch etwas zurück. In seinem Sog entstand das stärkste österreichische Marathonteam der Geschichte. Momentan ist keine andere europäische Nation so stark aufgestellt. Das ist ein bemerkenswerter Impuls für die Leichtathletik in einem Land, in dem Sommersport, wenn überhaupt, durch Einzelkämpfer Erfolge liefert.

Dieses Faktum und auch die große Zahl an Aktiven bei Marathons in diesen Wochen in Wien, Linz und Salzburg lassen hoffen, dass wir nicht auf ewig die Schnitzel- und Spritzernation (Copyright: Felix Gottwald) bleiben.

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