Tennis

Starker Thiem schaffte Halbfinal-Hattrick bei French Open

Ein Hattrick, der vor wenigen Wochen nicht für möglich gehalten worden war, ist Dominic Thiem am Dienstag gelungen. Der 24-jährige Niederösterreicher zog nach sehr starker Leistung wie 2016 und 2017 ins Halbfinale der French Open ein. Thiem besiegte einen angeschlagenen Alexander Zverev (GER-2) nach 1:50 Stunden mit 6:4,6:2,6:1. Am Freitag kämpft Thiem um das erste Major-Endspiel seiner Karriere.

Für Thiem geht es am Freitag weiter SN/APA (AFP)/THOMAS SAMSON
Für Thiem geht es am Freitag weiter

Sein Gegner ist der Italiener Marco Cecchinto, das Halbfinale am Freitag wird diesmal übrigens live in ORF eins übertragen. Thiem hat es geschafft, in einer Statistik selbst Österreichs Tennis-Legende Thomas Muster in den Schatten zu stellen. Denn Muster hat in Paris 1990 und 1995 das Halbfinale erreicht, allerdings ist der Steirer nach wie vor der einzige heimische Grand-Slam-Sieger im Einzel. Thiem zeigte aber am Dienstag neuerlich, dass er das Zeug dazu hat, es Muster gleichzutun.

"Ich liebe es so sehr hier. Das dritte Halbfinale klingt unglaublich. Als ich noch ein Junior war, hätte ich das nie erwartet", meinte Thiem auf Englisch zu den Fans im Court Philippe Chatrier. "Jetzt ist es Zeit für mehr. Ich werde alles geben, damit ich dieses Jahr einen Schritt weitergehe", fügte der Weltranglisten-Achte hinzu. Insgesamt hatte Muster vier Major-Semifinali (neben Paris bei den Australian Open 1989 und 1997) erreicht.

Zur Verletzung Zverevs meinte der Lichtenwörther: "Das war hart für ihn heute. Er ist einer der fittesten Spieler auf der Tour, aber er hat auch drei Fünf-Satz-Partien in Folge gespielt. Ich hoffe, dass wir noch viel mehr Begegnungen in einer so späten Major-Phase oder vielleicht sogar noch später haben werden."

Thiem und Zverev zeigten von Beginn weg großartiges Sandplatz-Tennis. Doch Thiem schien auch eine Spur frischer als sein Kontrahent, der zuvor nicht weniger als drei Fünf-Satz-Partien nach einem 1:2-Satzrückstand noch gewonnen hatte. Thiem gelang im siebenten Game das erste Break zum 4:3 und er packte neuerlich sein bestes Tennis aus. Wie schon in den ersten beiden Sätzen gegen Kei Nishikori im Achtelfinale übernahm Thiem immer mehr das Kommando. Mit einem Ass schaffte er zu Null nach knapp 40 Minuten das 6:4.

Im zweiten Durchgang gelang Thiem das Break bereits zum 2:1, während Zverev begann, sich an den linken Oberschenkel zu greifen. Nachdem er zum 1:4 zum zweiten Mal den Aufschlag abgeben musste, nahm sich der 21-jährige Hamburger eine medizinische Auszeit und bekam einen Verband am besagten Oberschenkel. Thiem ließ sich nicht aus der Fassung bringen und zog seine nahezu perfekte Vorstellung weiter durch. Neuerlich zu Null gewann er sein Aufschlag-Game zum 6:2 nach nur 74 Minuten.

Im dritten Satz bot Zverev nur noch wenig Gegenwehr, Thiem war der Chef auf dem Platz. Rasch ging er nach Breaks zum 1:0 und 3:0 mit 4:0 in Führung, ehe die immer wieder aufblitzende Klasse Zverev dem Hamburger wieder einen Gamegewinn einbrachte. Thiem ließ aber nicht locker, zu oft hatte Zverev auch im Turnierverlauf bewiesen, dass er bei Rückständen noch stärker werden kann. Thiem nutzte seinen insgesamt dritten Matchball zum 6:1 und stellte im Head-to-Head mit dem Weltranglisten-Dritten auf 5:2.

Thiem hat damit wie im Vorjahr wieder 720 Punkte für Ranking und Race sicher, zudem ein Preisgeld in Höhe von 560.000 Euro (brutto). Im ATP-Ranking kann Thiem übrigens sogar bei einem Titel am kommenden Montag nicht besser als Siebenter werden.

Thiems Halbfinalgegner Cecchinato setzte seinen Sensationslauf gegen den wieder erstarkten Novak Djokovic fort. Der 25-Jährige bezwang den Serben nach 3:26 Stunden mit 6:3,7:6(4),1:6,7:6(11) und buchte so das Semifinal-Ticket. Thiem ist dem Sizilianer, der in Paris überhaupt erst sein erstes Major-Match gewonnen hatte, schon zweimal auf unterem Level gegenübergestanden. 2013 in einem Future-Finale in Italien setzte sich der Lokalmatador 6:3,6:4 durch, 2014 in der Qualifikation für Doha gewann Thiem 1:6,6:3,6:2.

Der Niederösterreicher hatte sich schon vor Ende über den möglichen Gegner Cecchinato geäußert. "Er ist der Mann der Stunde. Ich glaube, dass es zur Zeit keinen Spieler mit mehr Selbstvertrauen gibt. Der hat noch nie ein Match gewonnen bei einem Grand Slam und jetzt steht er bald im Semifinale. Unglaublich, er kann jedes Mal befreit aufspielen."

Cecchinato selbst vergewisserte sich noch auf dem Platz bei Interview-Partner Cedric Pioline: "Bist du sicher, dass ich nicht träume? Es ist unglaublich für mich. Ich bin sehr glücklich, dass ich Novak Djokovic im Viertelfinale von Roland Garros geschlagen habe."

Djokovic hätte in dem mitreißenden Schlagabtausch nach einem 0:2-Satzrückstand beinahe noch den Sprung in den fünften Satz geschafft. Im Tiebreak des vierten Satzes fand er zwei Satzbälle vor, doch am Ende jubelte Cecchinato, nachdem er seinen vierten Matchball verwertet hatte.

Der Weltranglisten-72., der im Ranking in die Top 30 vorstoßen wird, ist der erste Italiener seit 40 Jahren, der sich für das Halbfinale eines Major-Turniers qualifiziert hat. Zuletzt war dies Corrado Barazzutti 1978 ebenfalls in Roland Garros gelungen. Er ist zudem der am schlechtesten platzierte Spieler in Paris seit Andrej Medwedew, der 1999 als Nummer 100 die letzten vier erreicht hatte. Cecchinato hatte vor den French Open als Lucky Loser in Budapest seinen ersten ATP-Titel gewonnen.

Quelle: APA

Aufgerufen am 20.08.2018 um 12:48 auf https://www.sn.at/sport/mixed/starker-thiem-schaffte-halbfinal-hattrick-bei-french-open-28828054

Schlagzeilen