Mixed

Tennis-Duo Marach/Peya im Doppel-Viertelfinale ohne Chance

Der Traum von einer Tennis-Medaille bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro ist für die Österreicher Oliver Marach und Alexander Peya am Dienstag (Ortszeit) im Doppel-Viertelfinale zu Ende gegangen. Das Duo verlor nach zuvor zwei Siegen gegen die als Nummer sechs gesetzten Spanier Marc Lopez/Rafael Nadal in 1:15 Stunden 3:6,1:6. Marach/Peya sind die einzigen Tennisspieler im ÖOC-Aufgebot.

Tennis-Duo Marach/Peya im Doppel-Viertelfinale ohne Chance SN/APA/EXPA/JOHANN GRODER
Oliver Marach und Alexander Peya während des Viertelfinalspieles gegen Marc Lopez / Rafael Nadal beim Tennisturnier in Rio de Janeiro.

Die Niederlage war verdient, Lopez/Nadal waren sowohl von der Grundlinie wie auch am Netz besser. Nadal bewies, dass er auch im Doppel Klasse hat. Position 200 im Doppelranking basiert darauf, dass er nur selten an der Seite eines Partners spielt. Lopez, als 21. besser klassiert als Peya (23.) und Marach (37.) harmonierte mit seinem Freund sehr gut, wogegen das rot-weiß-rote Duo vor allem mit der Klasse der Schläge vor allem von Nadal oft etwas überfordert war.

"Die Enttäuschung ist sehr, sehr groß", meinte Peya ob der verpassten Chance auf eine Medaille. Es wurde der geteilte fünfte Rang, die bisher beste ÖOC-Platzierung in Rio. Für das Podest wäre noch ein Match zu gewinnen gewesen, das Halbfinale oder die Bronze-Partie. Die bisher einzige Tennis-Medaille für Österreichs Olympisches Komitee (ÖOC) hat es vor 104 Jahren gegeben, durch Felix Pipes und Arthur Zborzil Silber 1912 in Stockholm.

Die Partie hatte für die Österreicher eigentlich ganz gut begonnen. Sie fanden bei 1:1 die erste Breakchance vor, ließen sie jedoch ungenutzt. Im nächsten Aufschlagsspiel von Peya glich die ÖOC-Paarung zwar nach einem 0:40 noch zum Einstand aus, kassierte das Break zum 1:3 aber dennoch. Danach ging es mit dem Aufschlag zur Satzführung, fixiert von Nadal per Ass. In 38 Minuten war dieser Durchgang vorüber.

Gleich zu Beginn von Satz zwei gab Marach sein Service ab, später zum 1:4 noch einmal. Die Iberer spielten immer befreiter und besser auf, ließen ihre Gegner zeitweise sehr schlecht aussehen. Das rot-weiß-rote Gespann - angefeuert von zahlreichen anderen ÖOC-Sportlern wie Golfer Bernd Wiesberger, Schwimmern und Tischtennisspielern - versuchte noch alles, zu allem Überdruss musste aber auch Peya noch einmal sein Service abgeben.

Den Matchball verwertete Nadal mit einem Passierball an die Grundlinie. "Sie waren einfach zu stark", musste Peya eingestehen. "Wir hatten zu Beginn zwei gute Returnspiele, wo etwas herausschauen muss in Form eines Breaks. Wir hätten, um die Partie eng gestalten zu können, jede Chance, die sich uns geboten hat, nützen müssen. Wir wollten aggressiver spielen, die Punkte kürzer halten. Weil in den Rallys ziehen wir den Kürzeren."

Das speziell wegen Superstar Nadal. "Der spielt schon gut", musste Marach eingestehen. "Das Problem war, wie wir das Gefühl gehabt haben, wir machen gegen ihn keinen Punkt, habe ich über-powert und dann haben wir auch noch Fehler gemacht." Peya hatte Nadals Doppelstärke schon von der Tour gekannt. "Er ist ein Weltklassespieler auch im Doppel, speziell mit Marc Lopez", wusste der Wiener. "Ich glaube, heute war wenig Kraut gewachsen."

Erst Stunden nach der offiziellen Team-Nominierung des Österreichischen Olympischen Komitees (ÖOC) für die Spiele ins Aufgebot gekommen, hat das Tennis-Duo Oliver Marach/Alexander Peya damit zumindest vorerst die beste Rio-Platzierung der rot-weiß-roten Equipe erreicht. Platz fünf im Doppel liest sich sehr gut, auch für die beiden selbst. Richtig zufriedenstellen kann sie dieses Abschneiden aber nicht.

"Um Platz fünf kann man sich nichts kaufen. Das zählt leider nicht viel", sagte Peya in seiner Analyse nach dem 3:6,1:6 im Viertelfinale gegen Marc Lopez/Rafael Nadal. "Ich glaube, unter dem Strich haben wir ein ganz gutes Turnier gespielt. Aber bei Olympia zählen nur die ersten drei. Deswegen ist die Enttäuschung groß." Ähnlich argumentierte Marach, war aber auch ein bisschen stolz: "Von Platz fünf kann ich mal meinen Kindern erzählen."

Im Endeffekt waren Österreichs laut Weltrangliste derzeit beste Doppelspieler jedenfalls doch recht weit weg von einer Medaille. Ein Sieg zusätzlich hätte dann noch gefehlt, die Chance auf das Halbfinale war gegen Lopez/Nadal aber nie richtig da. "Die waren einfach zu gut", musste Marach eingestehen. "Eigentlich habe ich gegen Marc Lopez eine sehr gute Bilanz - 5:2 mit dem heutigen Match. Aber da hat er nie mit Nadal gespielt."

Der Steirer räumte den beiden Iberern eine gute Chance ein, eine Medaille oder sogar den Titel zu holen. "Die haben fast fehlerlos gespielt. Sie sind gut eingespielt, das ist ein gefährliches Team." Der ebenfalls 36-jährige Peya konnte das nach dem 75-Minuten-Match nur unterstreichen: "Die zwei verstehen sich sehr gut am Platz und abseits des Platzes. Unter dem Strich muss man neidlos anerkennen, dass sie zu gut waren."

Marach meinte, dass er mit Peya das nächste Mal gegen Lopez/Nadal eine andere Taktik anwenden müsse und schielte dabei schon ein bisschen auf Tokio 2020. Auf der Tour spielen die ÖTV-Asse - zumindest derzeit - nicht miteinander. Marach: "Vielleicht spiele ich in vier Jahren noch. Ich habe heuer ein ziemlich gutes Jahr auf der ATP-Tour. Da verdiene ich mein Brot und Geld und versuche, meine Familie zu ernähren. Solange es geht, spiele ich."

Der in Panama lebende Familienvater war leicht verletzt in das Viertelfinale gegangen, in der Runde davor hatte er sich am Fuß die Haut mit dem Nagel aufgerissen. "Mein Fuß tut ziemlich weh, aber das ist keine Ausrede." Der 37. der Weltrangliste wollte so schnell wie möglich heim, um seine Familie noch zwei, drei Tage zu sehen. Dann gehe es zur Fitnessvorbereitung auf die US Open. Für die zwei Wochen bis dahin hat Marach keinen Turniereinsatz geplant.

Peya wollte am Mittwoch noch ein bisschen auf Sightseeing-Tour gehen, am Donnerstag geht es für den Wiener zum Masters-1000-Turnier nach Cincinnati weiter. Und das mit dem Gefühl, sein Land gut repräsentiert zu haben. "Wir können uns nichts vorwerfen. Wir haben alles reingehauen in die Schlacht, wie wir das immer gemacht haben in unserer Karriere - speziell natürlich in Rot-Weiß-Rot." Für Österreich antreten zu dürfen, sei eine Ehre gewesen.

Dem Weltranglisten-23. habe es in Rio vom Olympia-Gefühl her besser gefallen als vor vier Jahren in London bzw. Wimbledon. "Das war hier wirklich super. Deswegen hätten wir die Partie gerne enger gestaltet. Seine Landesfarben zu vertreten ist generell etwas, worauf man stolz sein kann. Das schafft nicht jeder. Hierher geschickt zu werden, da muss man schon etwas geleistet haben im Vorfeld. Wir haben uns gut verkauft, haben alles gegeben."

Quelle: APA

Aufgerufen am 14.11.2018 um 08:44 auf https://www.sn.at/sport/mixed/tennis-duo-marach-peya-im-doppel-viertelfinale-ohne-chance-1173472

Schlagzeilen