Tennis

Thiem hofft auf Halbfinal-Hattrick bei French Open

Es ist nicht nur aus österreichisch-deutscher Sicht der Viertelfinal-Hit der French Open: Das siebente Aufeinandertreffen zwischen Dominic Thiem und Alexander Zverev wird seit Jahren als künftiger Klassiker gehandelt. Schon jetzt gilt es als Duell der zwei aktuell größten Herausforderer von Sandplatz-König Rafael Nadal in Paris. Für Thiem geht es um den Semifinal-Hattrick in Roland Garros.

Thiem hat seinen Blick auf das Halbfinale gerichtet SN/APA (AFP)/THOMAS SAMSON
Thiem hat seinen Blick auf das Halbfinale gerichtet

Bei den bisher heißesten Bedingungen des Turniers spulte Thiem am Montag ein einstündiges Training herunter und zeigte sich danach wieder gut gelaunt. Das Vier-Satz-Match gegen Kei Nishikori spürte er nicht mehr. "Das habe ich sehr gut verdaut, ich fühle mich extrem frisch", beteuerte der Weltranglisten-Achte.

Die Tatsache, dass der als Nummer zwei gesetzte Zverev in den bisherigen vier Runden 11:57 Stunden, Thiem aber nur 9:29 Stunden auf dem Platz verbracht hat, spielt für Thiem keine große Rolle. "Vielleicht wird er es spüren, aber ich darf nicht daran denken. Ich muss so reingehen, als wäre nichts gewesen, und mich komplett auf mein Spiel konzentrieren." Gerade bei Grand-Slam-Turnieren sei er derart unter Anspannung, dass er selbst auch keine Müdigkeit spüre. "Nach so einem Match bin ich sofort auf das nächste fokussiert."

Eine legendäre Rivalität etwa wie jene zwischen Roger Federer und Rafael Nadal könne durchaus zwischen den beiden entstehen. "Hundertprozentig. Es ist morgen unser siebentes Duell, wenn zwei ein bisserl jüngere Spieler so oft gegeneinander spielen, entwickelt sich schon so etwas wie eine Rivalität. Das ist bei Sascha und mir so, aber auch bei Tsitsipas und mir so." Das Head-to-Head selbst spiele am Tag X aber keine Rolle. "Sobald ich auf den Platz gehe, ist das alles vorbei."

Speziell in den ersten beiden Sätzen gegen Nishikori hatte sich Thiem am Sonntag im Achtelfinale als titelwürdig gezeigt. Ob er sich auch so fühlt? "Ich fühle mich sehr gut, ja, aber ich habe auch richtig gut gespielt. Es geht morgen wieder von null los, und bis zum Titel wären es noch drei sehr schwere Matches, da darf ich gar nicht dran denken." Außerdem werde es am Dienstag richtig hart. "Er ist wahrscheinlich der zweitbeste Spieler derzeit."

In der 4:2-Bilanz für Thiem hatte zuletzt Zverev mit einem 6:4,6:4-Finalsieg in Madrid angeschrieben. Das ist aber kein wirklicher Maßstab. "Ich habe dort nicht so gut retourniert. Generell spiele ich besser hier als in Madrid, die Bedingungen taugen mir ein bisserl mehr als dort, und vielleicht hat er hier nicht ganz so einen großen Vorteil mit dem Aufschlag", glaubt Thiem und sprach die Höhenlage von Madrid an.

Dass der Hamburger zuletzt dreimal 1:2-Sätze aufholen und erst in fünf Sätzen weiterkam, will Thiem ausblenden. "Ich glaube, dass er fit sein wird. Sascha ist voll mit Selbstvertrauen und Adrenalin, ich glaube, dass der eine etwaige Müdigkeit nicht spüren wird." Thiem erwartet jedenfalls ein "Match auf Augenhöhe".

Die Tatsache, dass ihm der 21-Jährige den Rang als jüngster Spieler in der absoluten Spitze abgelaufen hat und ihn auch überholt hat, stört ihn nicht. "Mich stört's ja auch nicht, dass mich Federer und Nadal wieder überholt haben. Er kriegt verdientermaßen viel Aufmerksamkeit", betonte Thiem und fügte schmunzelnd hinzu: "Ich schau auf mich und weiß, was ich kann, und dann geht es mir eh wieder gut."

Für Thiem ist es logisch, dass Zverev die künftige Nummer eins nach Federer und Nadal ist. "Eigentlich ist er es ja jetzt schon", sprach er Rang drei Zverevs hinter den beiden Superstars an. Was das Geheimnis Zverevs ausmacht? "Er ist einfach eine Ausnahmeerscheinung, er ist 21 und hat drei Masters-Titel gewonnen. Es ist nur eine logische Schlussfolgerung, dass er einmal Nummer 1 wird."

Und was meint Zverev zum Hit gegen Thiem? "Er ist einer der besten Spieler auf diesem Belag, einer der wenigen, die gegen Nadal eine Chance haben. Ich erwarte noch ein Fünf-Satz-Match, und ich werde bereit sein", versprach Zverev.

Vor zwei Jahren gab es das bisher einzige Match der beiden auf Major-Ebene: 2016 war aber Thiem in der dritten French-Open-Runde schon etablierter und auf direktem Weg in die Top Ten. Der Österreicher siegte damals 6:7,6:3,6:3,6:3, doch der damals 19-jährige Zverev hat sich seither sowohl körperlich als auch spielerisch weiterentwickelt. Wie natürlich auch Thiem.

Thiem-Coach Günter Bresnik sieht den Deutschen als Favoriten. "Ich finde, dass Zverev in der Kombination Aufschlag und Return ein bisschen besser ist und von der Grundlinie Dominic besser ist. Dominic ist auch der bessere Athlet. Ich glaube, dass er ein bisschen fitter, schneller und beweglicher ist", sagte der Niederösterreicher. Doch die vielen Erfolge Zverevs haben diesem viel Selbstvertrauen gegeben. "Er ist sicherlich Favorit." Die drei Fünf-Satz-Partien interpretiert Bresnik gar als Vorteil. "Da kommt man irgendwann in das Gefühl, nicht mehr verlieren zu können." Zudem seien die Matches nicht allzu lange gewesen. Und auch auf die Tatsache, dass es erst Zverevs erstes Major-Viertelfinale ist, hat Bresnik eine Antwort parat. "Der macht viele Dinge gleich beim ersten Mal."

Quelle: APA

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