Tennis

Thiem im dritten French-Open-Halbfinale erstmals Favorit

Der Eindruck kann täuschen, aber wenn man Dominic Thiem dieser Tage sowohl in den Matches als auch im Training beobachtet, dann scheint er endgültig reif für Großes. Der 24-jährige Niederösterreicher ließ auch am Tag nach seinem historischen dritten Halbfinaleinzug bei den French Open, was zuvor noch keinem Österreicher gelungen war, keinen Zweifel an seinen Ambitionen.

Der Platz gehört ihm – Dominic Thiem bei den French Open 2018 in Paris. SN/APA/AFP/CHRISTOPHE SIMON
Der Platz gehört ihm – Dominic Thiem bei den French Open 2018 in Paris.

Vom Titel sprach Thiem am Mittwoch nicht, aber davon, dass er endlich den nächsten Schritt machen wollte. Als er vor Turnierbeginn das Erreichen des Finales als "logisches Ziel" ausgerufen hat, dann war das eine Ansage. Thiem hat mit vier Siegen bis zum 10. Titel in Lyon und nun fünf Siegen in Roland Garros wieder einen Lauf bekommen. Trotz davor instabiler Leistungen hat er sich gerade in seiner Herzensstadt Paris, wo er nur fünf Gehminuten entfernt bei seiner Freundin Kristina Mladenovic wohnen kann, wieder zur absoluten Topform gesteigert.

Thiem zeigte auf dem Weg in sein drittes Halbfinale bisher von ihm noch kaum gesehene Brillanz: Die ersten beiden Sätze gegen Kei Nishikori, auch im ersten Satz gegen Alexander Zverev untermauerte Thiem einmal mehr, dass er ganz heiß auf sein erstes Finale ist. Am Freitag (live ORF eins) in seinem dritten Paris-Halbfinale soll es gegen Marco Cecchinato (ATP-72.), den gefährlichen Außenseiter, der schon drei Stars ausgeschaltet hat, endlich mit dem ersten Major-Finale klappen.

"Ich habe 2016 und 2017 die letzten zwei Halbfinali verloren und das will ich unbedingt vermeiden. Ich will dieses Jahr den weiteren Schritt ins Finale machen", wiederholte Thiem nach einem 70-minütigem Training auf Court 3. "Es ist richtig schön, was bis jetzt passiert ist, aber trotzdem bin ich in den letzten zwei Jahren vor dem Halbfinale ein bisschen eingegangen und genau das will und werde ich vermeiden."

Factbox Thiem und Cecchinato. SN/APA
Factbox Thiem und Cecchinato.

Und keinesfalls soll ihm die erstmalige Favoritenrolle einen Streich spielen. "Viele haben das Match gestern gesehen, er spielt unmenschlich zur Zeit. Gestern wie er das gegen Djokovic fertig gespielt hat, war allererste Klasse, das heißt, ich bin komplett vorgewarnt", sagte Thiem und weiß auch, dass der Mann aus Palermo voller Selbstvertrauen ins Halbfinale gehen wird. "Dass ich Favorit bin, ist klar, aber ich lasse mich nicht blenden, sondern werde genauso fokussiert wie in die letzten Matches reingehen."

Die beiden bisherigen Partien liegen fünf bzw. vier Jahre zurück und waren auf Future bzw. Qualifikations-Niveau. Sie werden deshalb in den ATP-Statistiken übrigens nicht geführt. Thiem erinnert sich gut daran. "Ich kenne ihn, ich habe ein paar Mal gegen ihn gespielt. Einmal bei einem Future 2013 und 2014 in Doha in der Quali", sagte Thiem, der einmal verloren und einmal gewonnen hat. Sogar von gemeinsamen Juniorenzeiten kennt er den ein Jahr älteren Sizilianer.

Cecchinato ist einer von einer Reihe immer wieder gerade in Paris auftauchenden "Nobodys". Hat Thiem dafür eine Erklärung. "Es schiebt sich auf Sand alles ein bisschen mehr zusammen, weil die ganz großen Aufschläger und die, die extrem schnell spielen, die kann man besser entschärfen. Ich glaube nicht, dass es ein Cecchinato auf einem anderen Belag so weit schaffen würde."

Verstärkung aus der Heimat erhält Thiem am Donnerstag, seine Mutter Karin wird anreisen. Ein Versprechen, dass er für den Fall einer Finalqualifikation am Ende dann doch erstmals öffentlich Französisch sprechen wird, ließ er sich übrigens nicht abringen. "Nein, aber ich habe gesagt nächstes Jahr. Auch wenn ich die erste Runde gewinne, werde ich es nächstes Jahr machen."

Sehr erfreut verfolgte Thiem auch, dass sich Oliver Marach und Alexander Peya im Doppel mit ihren jeweiligen kroatischen Partnern ebenfalls für das Halbfinale qualifiziert haben. Thiem hat die Doppel während Behandlungen sogar im TV verfolgt. "Man kann nur den Hut ziehen, und es wäre natürlich ein Traum, wenn wir da alle weiterkommen und zweitens wäre es geil, wenn drei Österreicher im November in London sind." Das Trio ist ja auf ausgezeichnetem Kurs in Richtung ATP-World-Tour-Finale.

Thiem-Coach Günter Bresnik sieht mit weniger Anspannung in Richtung Halbfinale als davor, sagte er. "Bei mir sinkt die Anspannung mit Fortlauf des Turniers. Je weiter er kommt, umso entspannter ist man."

Cecchinato hält Bresnik, ähnlich wie auch Zverev, vom Turnierverlauf her für gefährlich. "In der ersten Runde mit 10:8 im fünften weiter." Bresnik sieht beim Italiener eine "super einhändige Rückhand, einen sehr guten Touch. Er spielt viele Stoppbälle. Er ist nicht der Über-Aufschläger, aber serviert unangenehm." Die Favoritenrolle Thiems ist Bresnik egal: "Das ist für mich bedeutungslos. Entscheidend ist nur, wer gewinnt", meinte er schmunzelnd - und ging ab.

Schafft es Thiem ins Finale, dann ist er ab Montag wieder ATP-7. (übrigens auch bei einem Titelgewinn), sein bisher gewonnenes Preisgeld von 560.000 Euro könnte er mit dem Finaleinzug auf 1,12 Mio. verdoppeln.

Quelle: APA

Aufgerufen am 17.08.2018 um 03:16 auf https://www.sn.at/sport/mixed/thiem-im-dritten-french-open-halbfinale-erstmals-favorit-28868590

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