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USA im 41. Ryder Cup als Favorit unter Siegzwang

Nach drei Niederlagen in Folge wollen die Golfer aus den USA mit Heimvorteil und dem vielleicht besten Team aller Zeiten endlich wieder den Ryder Cup gewinnen. Bei der 41. Auflage dieses prestigeträchtigen Teambewerbs von Freitag bis Sonntag in Chaska/Minnesota sind die Amerikaner Favorit, stehen aber unter Siegzwang. Die Nerven lagen blank und im Vorfeld sorgten einige Skandale für Aufregung.

USA im 41. Ryder Cup als Favorit unter Siegzwang SN/APA (AFP)/ROSS KINNAIRD
Team Europa ist bereit für den Ryders Cup.

Grund für den Stress bei den Amerikanern ist, dass Europa nicht nur acht der letzten zehn Auflagen dieses prestigeträchtigen Team-Bewerbs sondern auch die jüngsten drei in Folge gewonnen hat. Nach dem Desaster zuletzt vor zwei Jahren in Gleneagles (Schottland) hat man deshalb alles unternommen, um eine weitere Schmach zu verhindern und das drittgrößte Sportevent der Welt endlich wieder zu gewinnen. In den USA ist der Golf-Klassiker eine nationale Angelegenheit. Von der PGA of Amerika wurde sogar eine Task Force gegründet, die wiederum ein zwölfköpfiges Team nominierte, das durch Klasse und Erfahrung besticht.

Angeführt vom Weltranglisten-Zweiten Dustin Johnson sowie Assen wie Jordan Spieth oder Phil Mickelsen rücken die Gastgeber im Hazeltine National GC von Chaska mit einer Truppe an, die einen Weltranglisten-Durchschnitt von 16,3 hat und die Kapitän Davis Love III als die "vielleicht beste aller Zeiten" bezeichnete. Titelverteidiger Europa hingegen flog mit der Rekordzahl von gleich sechs Neulingen über den großen Teich und ist auf dem Papier nur Außenseiter.

Bei den Amerikanern hingegen hat man sogar auf Superstar Woods zurückgegriffen. Der 14-fache Major-Sieger kann verletzungsbedingt nicht selbst mitspielen, der 40-Jährige wurde aber als einer von vier Vize-Kapitänen eingesetzt. Woods soll als "Taktiker" ein Baustein des ersten amerikanischen Ryder-Cup-Sieges seit 2008 werden.

Für die generalstabsmäßig geplante Rückeroberung des Pokals ernteten die Amerikaner aber auch Spott. Jack Nicklaus etwa bezeichnet die Task Force als "Overkill" und der Engländer Lee Westwood das Engagement von Woods als "kontraproduktiv". Schon in seiner aktiven Zeit habe keiner gerne mit dem egozentrischen Superstar zusammengearbeitet.

"Dass das Team USA gleich eine Task Force benötigt, stärkt nur unser Selbstvertrauen", ätzte Westwood weiter. Selbst der ehemalige US-Kapitän Hal Sutton (2004) sah die Bemühungen als übertrieben an. "Die Europäer spielen einfach besser", meinte er lapidar. Kritisiert wurde auch, dass Longhitter Bubba Watson nicht nominiert wurde.

Dazu kommt eine fast schon kuriose Situation, nachdem Johnson öffentlich darum gebeten hatte, nicht gemeinsam mit Mickelson spielen zu müssen. Grund sei kein persönlicher Zwist mit dem erfahrensten US-Spieler, der 2016 als heimlicher "Playing Captain" agiert. Dennoch führte der Weltranglisten-Zweite damit seinen eigenen Kapitän Love förmlich vor. Hintergrund ist wohl die Erinnerung an einige peinliche Niederlagen, die vermeintlich unschlagbare US-Duos in der jüngeren Vergangenheit erlitten hatten.

Diesbezüglich betrieb das Team USA im Vorfeld fast schon Selbstzerfleischung. Mickelson etwa kritisierte in Hazeltine die Entscheidung, ihn 2004 in Oakland Hills spät mit Woods zusammengespannt zu haben. "Phil sollte sich besser auf diese Woche konzentrieren als auf etwas, was über zehn Jahre her ist", schoss Hutton zurück. "Phil hat damals im letzten Moment Schläger und Ballmarke gewechselt, ohne mir etwas zu sagen. Er hat damit das ganze Team im Stich gelassen."

Gute Stimmung klingt besser und das US-interne Hickhack könnte den Europäern auch diesmal in die Hände spielen. Kapitän Darren Clarke hat ein Team zur Verfügung, in dem der Weltranglisten-Dritte und frisch gebackene FedEx-Sieger Rory McIlroy sowie Danny Willett, Justin Rose und Martin Kaymer die Jungen führen sollen. Gefahr droht durch die Unerfahrenheit sowie einer gewissen Selbstüberschätzung. Gewinnt man aber tatsächlich zum vierten Mal in Folge, wäre das Rekord, seit es im Ryder Cup Europa gegen USA heißt.

Auch die vielen Neulinge im Team sollen da kein Hindernis sein. "Sie haben alle Erfahrung und auf großen Bühnen schon Turniere gewonnen. Keiner wird sich von der fanatischen Ryder-Cup-Atmosphäre in den USA durcheinanderbringen lassen", verwies Ex-Kapitän Paul McGinley auf frühere Events, bei denen US-Fans mit maßlos übertriebenem Patriotismus für eine vergiftete Stimmung gesorgt hatten.

Aus dieser Ecke kam auch der wohl schlimmste Beitrag im Vorfeld. Pete Willett, Bruder von Masters-Siegers Danny Willett, hatte auf www.nationalclubgolfer.com derart beleidigend über die US-Zuschauer gesprochen, dass sich Kapitän Clarke und Willett entsetzt bei Love entschuldigten. "Das ist nicht das, wofür das Team Europa steht", ärgerte sich Willett über seinen Bruder, der Amerikaner u.a. als "pummelige Kellerbewohner und Reizmittel" bezeichnet und gefordert hatte, die "ganzen widerlichen Väter mit ihren glänzenden Zähnen, Lego-Mann-Haaren sowie deren medizinisch behandelte Ex-Frauen samt raunzenden Kindern" zum Schweigen zu bringen.

Willett gab sich danach entsetzt. Der Masters-Sieger aus England steht wie fünf andere Europa-Golfer erstmals im Team. Bernd Wiesberger hat es im Gegensatz zu Chris Wood dennoch nicht in das Aufgebot geschafft. Während der englische Lyoness-Open-Sieger von 2015 wie Willett, Rafa Cabrera-Bello, Andy Sullivan, Matt Fitzpatrick und Thomas Pieters erstmals im Team sind, ist der Österreicher eine Woche vor der Dunhill Links Championship in St. Andrews nur Zuschauer.

Nach dem starken Jahr 2015 waren die Leistungen des Burgenländers heuer zu durchwachsen, um entweder über die Rangliste oder als Captains-Pick den historischen Coup zu schaffen. Die Vorfreude auf das sportliche Mega-Event, das auf Sky an allen drei Tagen und insgesamt 28 Stunden live im TV zu sehen ist, ließ sich Wiesberger dennoch nicht nehmen. "Auf geht's Burschen", feuerte er das Team Europa auf Twitter an.

Österreichs Jungstar Matthias Schwab ist hingegen etwas hin- und hergerissen, denn zuletzt trainierte der Vanderbilt-Student zusammen in Amerika mit "Alumni" Brandt Snedeker. Dabei lobte Snedeker das Engagement von Woods ausdrücklich. 2012 hat Schwab bereits im Junior-Ryder-Cup aufgeteet, im Sommer 2017 wird er Profi. 2020 selbst im Europa-Aufgebot zu stehen, ist eines seiner großen Ziele.

Quelle: Apa/Ag.

Aufgerufen am 21.09.2018 um 11:53 auf https://www.sn.at/sport/mixed/usa-im-41-ryder-cup-als-favorit-unter-siegzwang-1021333

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