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Video: Franz Beckenbauer betrachtet sich als Glückskind

Ob als TV-Kommentator oder als Bayern-Ehrenpräsident: Franz Beckenbauer ist allgegenwärtig. Der Kaiser im SN-Gespräch.



SN: Nach den Wochen der Leiden mit Platz zwei in der Meisterschaft, dem Cup-Aus und der bitteren Niederlage im Champions-League-Finale gegen Chelsea: Wie ging es Ihnen da als Ehrenpräsident des FC Bayern?

Beckenbauer: Natürlich hat mir das alles zugesetzt, klar, wenn man mit einem Klub so verbunden ist wie ich mit dem FC Bayern. Die Chance, im eigenen Stadion die Champions League zu gewinnen, hat man nur ein Mal. So etwas ist nicht wiederholbar. Es war nicht der Tag der Bayern.

SN: Die Bayern, scheint es, polarisieren wie kaum ein anderer Klub. Entweder liebt man sie, oder man hasst sie.

Beckenbauer: In der Liga ist das natürlich so. Aber so wie ich das zuletzt erlebt habe: Im Champions-League-Finale hat plötzlich ganz Deutschland den Bayern die Daumen gedrückt, das war ein nationales Ereignis.

SN: Bei Red Bull Salzburg ist das vielleicht ganz ähnlich.

Beckenbauer: Klar, die Salzburger sind sehr dominant, die beste Mannschaft in Österreich, haben heuer sogar das Double geholt. Ich habe Didi Mateschitz damals ja zugeredet, den Verein zu übernehmen. Aus dem Abstiegskandidaten ist in einem Jahr der Vizemeister geworden. Leider ist die Mannschaft in der Champions-League-Quali mehrmals gescheitert, an Gegnern, die machbar waren. Ich würde es ihnen wünschen, wenn es heuer klappt.

SN: Der österreichische Fußball scheint dank Arnautovic und Alaba im Aufwind zu sein.

Beckenbauer: Die Verhältnisse in der österreichischen Liga sind anders als in Spanien oder England, wo man Woche für Woche gefordert ist. Salzburg hat immer wieder Spiele, in denen sich die Mannschaft erholen kann. Aber grundsätzlich sei gesagt: Die Liga ist besser als ihr Ruf. Im Nationalteam ist mit Marcel Koller ein akribischer Arbeiter am Werk, ein Disziplinfanatiker, wie ich einer war. Wenn er einen guten Draht zu Koller hat, wird auch Arnautovic damit aufhören, ohne Grund den Star zu spielen.

SN: Und was halten Sie von David Alaba?

Beckenbauer: Er ist das Gegenstück zu Arnautovic. Ein Vorzeigeprofi - und das mit erst 19 Jahren. Ich mag seine offene Art, wie er kämpft. Der wird uns noch viel Freude machen.

SN: Hoffentlich macht er die auch den heimischen Fans im September in der WM-Quali gegen Deutschland. Wie steht es denn da mit der Rivalität?

Beckenbauer: Fad wird’s nie - dank der Rollenverhältnisse. Dass das kleine Österreich das große Deutschland ärgern kann, hat man bei der EM 2008 gesehen. Wir haben zwar 1:0 gewonnen, aber das Spiel hätte auch anders ausgehen können. Man kann den Nachbarn schon ärgern, aber nicht auf Dauer, das mag er nicht.

SN: Freitag beginnt die EM. Wird sich da auch der destruktive Fußball á la Chelsea durchsetzen?

Beckenbauer: Das Beispiel wird nicht Schule machen. Die Deutschen können gar nicht anders, als offensiv zu spielen, genauso die Spanier. Das wird eine EM, bei der nach vorn gespielt wird.

SN: Wer sind Ihre Favoriten?

Beckenbauer: Wenn alles normal läuft - aber wann läuft’s schon normal - wird es ein Finale Spanien - Deutschland geben.

SN: Immer mehr Spieler scheinen zur EM hin angeschlagen zu sein. Ist das Spiel härter geworden?

Beckenbauer: Die Härte ist nicht gestiegen, aber die Belastung. Wir haben früher viel brutaler gespielt, Fouls von hinten begangen. Aber das Programm ist einfach anstrengender als früher. Die Profis absolvieren 80, 90 Pflichtspiele im Jahr, in der Liga, im Pokal, auf europäischer Ebene und mit der Nationalelf. Dass dabei die Verletzungsanfälligkeit steigt, ist klar.

SN: Sie gehören der Task Force 2014 an, die der FIFA Vorschläge zur Verbesserung des Spiels machen soll. Was passiert dort?

Beckenbauer: Es wird immer versucht werden, das Spiel zu reformieren, aber ich kann nur sagen: Lasst den Fußball, so wie er ist. Für die Zuschauer wird es sonst immer schwerer, das Spiel zu verstehen.

SN: Manche Kicker wollen am Ende ihrer Karriere noch einmal richtig abkassieren, ob in den USA, in Japan oder im arabischen Raum. Wie war das bei Ihnen?

Beckenbauer: Die Ligen in diesen Ländern haben alle dazu gewonnen. Ich bin damals nach New York, in die Operettenliga, haben alle gesagt. Aber dort musste ich auch meine Leistung bringen, geschenkt wird dir nichts.

SN: Was haben Sie sich von Ihrem ersten verdienten Geld geleistet?

Beckenbauer: Ich habe damals, 1963, als Spieler von Zweitligist FC Bayern, 160 Mark Grundgehalt bekommen. 8000 Mark habe ich für einen BMW hingeblättert.

SN: Sie sind vieles schon genannt worden: Fußball-Legende, Lichtgestalt, Kaiser. Können Sie das alles noch hören?

Beckenbauer: Ich höre das gerne. Haben Sie noch mehr davon?

SN: Wie bewältigen Sie mit 66 Jahren Ihr immenses Reisepensum?

Beckenbauer: Wichtig ist bei allem Identifikation und Leidenschaft. Ich bin aber eh schon zurückhaltender geworden. Ich hatte Jahre mit 330 Reisetagen. Das kannst du auf Dauer nicht durchhalten. Aber als es darum gegangen ist, die WM 2006 nach Deutschland zu holen, habe ich mich einfach reinhängen müssen.

SN: Reingehängt haben Sie sich auch als Sänger. Mit "Gute Freunde" waren Sie 7. der Hitparade.

Beckenbauer: Und wissen Sie, wer Achter war? Die Beatles! Aber um das zu relativieren: Freddy Quinn war Nummer eins. . .

SN: Sie bezeichnen sich selbst als Lieblingskind des Schicksals.

Beckenbauer: Hab ich das wirklich mal so gesagt? Ich betrachte mich auf jeden Fall als Glückskind. Karitativ tätig zu sein, ist daher eine Verpflichtung für mich. Mit der Beckenbauer-Stiftung sammle ich Spenden für Behinderte und Hilfsbedürftige. Bei zwei Charity-Golfturnieren sind zuletzt 100.000 Euro zusammen gekommen. Dafür kann man schon Mal zwei Tage Golf spielen.

Quelle: SN

Aufgerufen am 23.10.2018 um 01:53 auf https://www.sn.at/sport/mixed/video-franz-beckenbauer-betrachtet-sich-als-glueckskind-6037540

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