Sport

Von Versetzten und Gehetzten - aus der Geschichte der Leonidas-Gala

Seit dem Jahr 1985 holen die SN die besten Sportlerinnen und Sportler vor den Vorhang. Ein Rückblick mit Anekdoten, Überraschungen und kuriosen Geschichten.

Gibt es einen Idealtermin für eine Sportgala? Natürlich nicht! So haben wir in den Anfangsjahren experimentiert. Begonnen haben wir 1985 an einem Freitag mitten im Fasching. Dann war's einmal ein Rosenmontag - war nicht so ideal. Die SN-Gala als Frühlingsball mit 2500 Besuchern im ausverkauften Kongresshaus (zum ersten Mal im Jahr 1987 Ende April) hat sich rasch als gesellschaftliches Großereignis in Salzburg etabliert. Schließlich haben wir uns vor einigen Jahren auf den ersten Donnerstag im April und auf den Amadeus Terminal 2 des Salzburg Airport festgelegt, weil um diese Zeit die meisten Sportlerinnen und Sportler Zeit zum Feiern haben. Speziell die Wintersportler!

"Wer muss, soll, darf neben wem sitzen?" Das Spielchen mit der Sitzordnung war bei der Sportgala vom ersten Tag an genauso spannend wie zeitaufwendig - und auch ziemlich heikel. Denn es sollte natürlich nicht sein, dass sich Tischnachbarn nicht ausstehen können. Ist uns aber doch einmal passiert. Als wir zwei Ehrengäste nebeneinander platziert haben, ohne zu wissen, dass der eine dem anderen 80.000 Euro schuldete. Kein Wunder, dass der um sein Geld Geprellte sofort die Gala verlassen hatte.

Im Jahr 1988 war die Sportlergala noch ein Ball im Kongresshaus mit Unterstützung der Tanzschule Moll.  SN/archiv
Im Jahr 1988 war die Sportlergala noch ein Ball im Kongresshaus mit Unterstützung der Tanzschule Moll.

Ziemlich unkompliziert war stets der Tisch unseres Herausgebers. Die Plätze neben Max Dasch und seiner Frau sind reserviert für Bundespräsident, Bundeskanzler, Sportminister, Landeshauptmann, Bürgermeister. Und für eine große Sportpersönlichkeit. Das war für das Team so manches Mal eine Herausforderung.

Wenn zum Beispiel höhere Gewalt im Spiel war. Einmal hat ein Salzburger Olympiasieger um 18 Uhr (zwei Stunden vor Gala-Beginn) angerufen und erklärt, dass er auf der Autobahn in einem Megastau steckt und es vermutlich gar nicht schafft, zur Gala zu kommen. Zwei freie Plätze am Cheftisch, das ging gar nicht. Wie sieht das denn aus, wenn die TV-Kameras dorthin schwenken?

Rasches Handeln war gefragt: Kurzfristig - natürlich mit Zustimmung des Chefs - haben wir einen anderen Goldmedaillen-Gewinner samt Begleitung überzeugt, an den Ehrentisch zu übersiedeln. Dessen Freude hielt sich spontan in Grenzen, weil sich der Ex-Weltklassesportler im Kreise seiner ehemaligen Kollegen, die er nach langer Zeit wieder einmal gesehen hatte, wohler gefühlt hätte. Aber die anfängliche Scheu war dann schnell verflogen, weil sich mit der Polit-Prominenz - mit dem damaligen Bundespräsidenten Heinz Fischer an der Spitze - sehr interessante Gespräche entwickelt hatten. Für den Spaßfaktor war/ist ja nach dem offiziellen Programm noch genügend Zeit, und manches Mal hat's bis halb vier Uhr früh gedauert. Wie heißt es so schön? Man soll die Feste feiern, wie sie fallen. Erst Freud, dann Leid! Für einen Gast hat das große SN-Sportfest, das seit zwölf Jahren "Leonidas-Sportgala" heißt, schmerzlich geendet. Es war in einem Jahr, in dem wir unter anderem Ronnie Leitgeb, dem ehemaligen Manager von Tennis-Star Thomas Muster, sowie Österreichs Jahrhundertfußballer Herbert Prohaska eine Einladung geschickt haben. Und es trug sich zu, dass mich Leitgeb und Prohaska innerhalb einer halben Stunde angerufen haben.

Erst der Ronnie: "Hallo, Adro, ich bin in Spanien. Aber ein lieber Freund von mir würde gern kommen, weil sein Sohn für den Rookie des Jahres nominiert wurde. Und als Begleitperson würde er gern die Freundin mitnehmen." Also ein denkwürdiger Abend ohne den stolzen Papa? Das geht ja gar nicht. Meine Antwort lautete: "Ronnie, wir sind überbucht. Aber wir werden einen Weg finden."

Dann der Herbert: "Hans, danke für die Einladung, bin an dem Abend leider verhindert. Aber für einen guten Freund von mir wäre es ein Traum, dabei zu sein." Ja, es war der gemeinsame Freund von Ronnie und Herbert! Natürlich haben wir es geschafft, den Papa des jungen Sportlers einzuladen, und er kam dann extra aus Wien angereist. Nicht ahnend, was ihm an diesem Abend noch widerfahren würde: Er stolperte im Foyer über ein Hindernis, die fatale Folge war ein schwer lädierter Schleimbeutel im rechten Knie, der im Krankenhaus behandelt werden musste.

Apropos aus Wien angereist: Heimo Pfeifenberger, damals Starstürmer bei Rapid Wien, war 1989 als erster Fußballer zu Salzburgs Sportler des Jahres gewählt worden. Zur Gala 1990 kam der gebürtige Lungauer erst kurz vor dem Einmarsch der Ehrengäste ins Salzburger Kongresshaus und rauschte unmittelbar nach der Ehrung wieder ab - nach Wien! Denn laut Auftrag seines Trainers Hans Krankl musste Pfeifenberger noch vor Mitternacht ins Trainingslager einrücken. "Ja, sonst stellt mich der Trainer am Samstag im Derby gegen die Austria nicht auf", verriet der Publikumsliebling. War es nur eine leere Drohung des Trainers? Egal, als Musterprofi war es für den Heimo keine Frage, möglichst pünktlich zu sein. Aber es war ihm auch eine Herzensangelegenheit und Ehrensache, bei der SN-Sportgala seine Trophäe persönlich überreicht zu bekommen. Was wir an Heimo Pfeifenberger immer sehr geschätzt haben: Er ist uns SN-Sportjournalisten immer mit dem gleichen Respekt begegnet wie wir ihm! Vier Mal haben ihn die Leserinnen und Leser zum Sportler des Jahres gewählt - gleich oft wie den "Herminator" Hermann Maier.

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Aufgerufen am 25.10.2020 um 02:53 auf https://www.sn.at/sport/mixed/von-versetzten-und-gehetzten-aus-der-geschichte-der-leonidas-gala-68305879

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