Vor 25 Jahren

Drama um Otto Konrad in Mailand

Das erste Auswärtsspiel von Austria Salzburg in der Champions League endete mit einem Eklat. Beim 0:3 gegen AC Milan wurde Torhüter Otto Konrad von einer Wasserflasche am Kopf getroffen. Ein Nachspiel am Grünen Tisch folgte.

Otto Konrad am Boden: Nach dem Flaschenwurf versuchte er trotz Gehirnerschütterung weiterzuspielen.  SN/©SPORT-Pressefoto KRUG u.MITGES.
Otto Konrad am Boden: Nach dem Flaschenwurf versuchte er trotz Gehirnerschütterung weiterzuspielen.

28. September 1994: Selbstbewusst reisten die Salzburger nach Mailand, wo sie fünf Monate zuvor beim 0:1 im zweiten Finale gegen Inter so gute Figur gemacht hatten. Das Team um Tomislav Kocijan ging unerwartet offensiv ausgerichtet ins Spiel gegen die Starelf von AC Milan um Superstar Ruud Gullit. Bis knapp vor der Halbzeitpause durften die Salzburger hoffen, dann kam das Unglück gleich doppelt: Eine Gullit-Flanke setzte Giovanni Stroppa per Kopf zum 1:0 ins Tor. In den Jubel der Mailänder hinein traf eine gefüllte Wasserflasche aus dem Zuschauerraum Otto Konrad. Der Salzburger Torhüter blieb benommen liegen.

Gegen den Rat von Arzt Artur Trost spielte Konrad weiter und kassierte nach der Pause das 0:2 durch Marco Simone (58.). Erst dann machte der Teamkeeper seinem Ersatzmann Herbert Ilsanker Platz. Simone erhöhte noch auf 3:0 für die Mailänder (64.).

Clubpräsident Rudi Quehenberger kündigte an, alle Mittel bei der UEFA ausschöpfen zu wollen. Heimo Pfeifenberger bestätigte, dass die Verletzung des Torhüters das Team aus dem Konzept gebracht habe: "Das hat uns abgelenkt." Milan-Trainer Fabio Capello glaubte an Schauspielerei: "Das war eine Komödie und unsportliches Verhalten von Konrad. Er muss bestraft werden, wenn sich herausstellt, dass er eine Verletzung vorgetäuscht hat." Der Getroffene selbst musste nach einem Krankenhausaufenthalt in Mailand wegen Gehirnerschütterung am nächsten Tag mit der Flugambulanz nach Salzburg heimreisen.

Große Chancen rechnete man sich mit dem Protest in Salzburg nicht aus. "Milan wird es sich richten", befürchtete Trainer Otto Baric, dass der Einfluss des mächtigen Berlusconi-Clubs zum Tragen kommen würde. Die Bedenken wurden zehn Tage später bestätigt: Die Punkte für den Sieg wurden den Mailändern zwar aberkannt, aber den Salzburgern nicht gutgeschrieben.

Quelle: SN

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