Motorsport

Am Nationalfeiertag: Franzose Vergne ist Weltmeister der Formel E

Es gibt Geschichten, die schreibt besonders der Rennsport gern, wenn auch selten. Oder im konkreten Fall des vorletzten Formel-E-Laufs von Saison vier Samstag in Brooklyn/New York: Der Letzte wird Weltmeister sein. Und es genügte Jean-Éric Vergne dafür Rang fünf, als Abt-Audi einen Doppelsieg landete.

Keine Frage, Jean-Éric Vergne hat sich als dominierender Fahrer der Formel-E-Saison den Titel verdient. Aber der Weg dorthin war nicht einfach. Wenige Minuten nach absoluter Bestzeit in der Gruppen-Qualifikation wurden alle Rundenzeiten von ihm selbst und Teamkollegen André Lotterer gestrichen: "Überzogene Nutzung von Energie" war die Begründung der Kommissare. Die Ursache war offenbar ein Software-Problem in der Energiekontrolle. Vergne und Lotterer waren deprimiert, Techeetah-Teamchef Mark Preston wirkte ratlos. Die beiden mussten von ganz hinten starten, Vergne als 19. und Letzter - weil sich Oliver Turvey (Nio) bei einem Crash im freien Training das Handgelenk gebrochen hatte und Startverbot erhielt.
Derweil hatte auch Titelrivale Sam Bird nicht wirklich zu lachen: Startplatz 14 für den DS-Virgin-Fahrer nach mäßiger Quali-Zeit. Der Schweizer Sébastien Buemi erobert in der Superpole den besten Startplatz vor Jaguar-Pilot Mitch Evans.

Das erste Renndrama traf Jaguar: Evans blieb am Start liegen, vermutet wurde ein Schaden an der Antriebswelle. Ebenfalls nach technischem Gebrechen stand Teamkollege Nelson Piquet nach dem Fahrzeugwechsel nach wenigen Metern unbeweglich auf der Piste.
Vorn führt zuerst Sébastien Buemi im vorletzten Rennen von Renault, Teamkollege Nicolas Prost wurde bei seinem eigenen Fast-Abschied immer weiter zurückgereicht, dafür setzte sich Tom Dillman in der Premiere von Venturi mit Teamchefin Susie Wolff in Szene. Und von hinten kamen Lotterer und Vergne, die bald an den Punkträngen dran waren.
Buemis Führung hielt nur sechs Runden, dann war Daniel Abt vorn, wenig später ging di Grassi am Schweizer vorbei und machte Audis Doppelführung komplett, die - in umgekehrter Reihenfolge - bis ins Ziel hielt. Dabei war auch der nun entthronte Weltmeister von 2017 nur von Platz elf gestartet.
Es wurde noch einmal spannend: In Runde 34 drehte sich Alex Lynn im zweiten DS Virgin rückwärts in die Reifen - Safety Car. Doch auch die Neutralisation brachte Lynns Teamkollegen Bird nicht weiter vor, derweil Vergne auch Lotterer überholte und schließlich Platz fünf absicherte. Bird machte als Neunter nur zwei Punkte, damit kann er Vergne Sonntag im letzten Rennen und Tag zwei des New Yorker Doubleheaders nicht mehr einholen.
Für Vergne wurde der 14. Juli, der französische Nationalfeiertag, also zum Glückstag. Vier Jahre nach der Ausbootung von Red Bull aus der Formel 1, als er seinen Toro-Rosso-Platz an Carlos Sainz verlor, ist der 28-Jährige aus Pontoise nahe Paris Weltmeister und Nachfolger in der Formel E von Piquet, Buemi und di Grassi. 30 Punkte Vorsprung auf Bird sind vom enttäuschten Briten auch mit einem Sieg aus der "Pole" samt schnellster Runde (das wären 29 Zähler) Sonntag nicht aufzuholen.
"Meister! Dieses Gefühl ist unbeschreiblich. Wir haben so hart dafür gearbeitet, der Druck war doch groß, aber jetzt haben wir es geschafft. Danke an mein Team, ihr wart unglaublich", jubelte Vergne. "Was für ein Tag, von den höchsten Höhen bis zu den tiefsten Enttäuschungen haben wir in dieser Saison alles erlebt. Gratulation an meinen guten Freund Jean-Éric, er hat etwas ganz Spezielles erreicht!", meinte Lotterer.
Zwischen Techeetah und Abt-Audi geht es Sonntag noch um den Team-Titel. Audi-Teamchef Allan McNish sagte schon vorausschauend: "Zunächst einmal einen großen Glückwunsch an Jean-Éric Vergne, der Lucas heute als Fahrer-Champion abgelöst hat, aber seinem Team sind wir heute deutlich näher gekommen. Aus dem riesigen Rückstand sind jetzt nur noch fünf Punkte übrig geblieben. Damit sind unsere Karten deutlich besser, und wir haben es selbst in der Hand. Ich freue mich auf einen ultimativen Showdown morgen beim Finale."

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