Motorsport

Daytona: Mit Alonso jubelten auch Österreicher

Der spanische Formel-1-Aussteiger holte Sonntag in Florida nach Le Mans seinen zweiten Sieg in einem 24-Stunden-Klassiker. Philipp Eng, Mirko Bortolotti und die Mannschaft von Gottfried Grasser feierten sehr emotionale Klassensiege.

Chaotischer hätte der Auftakt der amerikanischen Sportwagen-Meisterschaft (IMSA) in Daytona nicht ausfallen können: Denn Sonntagfrüh, knapp nach Halbzeit der 24 Stunden, setzte strömender Regen ein, der zu zahlreichen Gelbphasen und zu zwei Abbrüchen führte - der Marathon wurde nach eineinhalb Stunden "Rotphase" beendet, ohne dass das Rennen wieder aufgenommen worden wäre.

Nach einem stundenlangen Duell der drei in der Führungsrunde gelegenen Prototypen setzte sich Formel-1-Aussteiger Fernando Alonso im Cadillac von Wayne Taylor Racing (mit Kobayashi/van der Zande/J. Taylor) vor seinem früheren Formel-1-Rivalen Felipe Nasr im Whelen-Cadillac (mit Curran/Derani) und dem Penske-Acura von Indy-500-Sieger Alex Rossi (mit Castoneves/R. Taylor) durch. Für Alonso, der seinen letzten Grand Prix 2013 gewonnen hatte, brachte Daytona den zweiten Sieg in einem 24-Stunden-Klassiker innerhalb von sieben Monaten. Im Juni 2018 hatte er im Toyota Le Mans gewonnen. Dabei profitierte Alonso von einem Missgeschick von Nasr, der in der ersten Kurve eine weite Linie fahren musste, durch die Alonso vorbeikam und die Führung (wieder) übernahm - wenig später wurde abgebrochen. Die Bemühungen der Veranstalter, mit "Staubsauger-Lkw" das Wasser von der Piste zu bekommen, hatten keinen Erfolg.

Doch genauso wie der Asturier und seine Mannschaft waren auch Österreicher überwältigt. In der von fünf Herstellern beschickten GTLM-Klasse triumphierte etwas überraschend die BMW-Crew mit dem Salzburger Philipp Eng, Augusto Farfus, Colton Herta und Connor de Philippi. Für den Walser war es nach zwei Erfolgen in den 24 Stunden von Spa (2016, 2018) der dritte Sieg in einem 24-Stunden-Klassiker als BMW-Werkfahrer. "Ich bin einfach sprachlos. Das war für uns solch ein Tiefschlag, als wir vom plötzlichen Ableben von Schnitzer-Teamchef Karl Lamm erfuhren, für den fast alle von uns einmal fuhren. Und jetzt dieser Triumph, wir widmen ihn dem Charly", sagte Eng tief bewegt.

Grenzenloser Jubel herrschte auch bei der Mannschaft des Knittelfelders Gottfried Grasser und seinen Piloten, dem Wiener Mirko Bortolotti sowie Christian Engelhart, Rolf Ineichen und Rik Breukers. GRT hatte im Vorjahr den ersten Lamborghini-Sieg in einem 24-Stunden-Marathon in Daytona geholt. "Dass uns das Dacapo gelingt, das ist einfach nur traumhaft", sagte der Teamchef, und Bortolotti meine überwältigt: "Ich liebe diese Strecke, die Fans, die Atmosphäre. Zwei Siege in Daytona sind einfach nur fantastisch."

Porsche unter Wert geschlagen

Kein Rennglück hatten die beiden Werks-Porsche, die in der trockenen Rennphase zeitweise eine Doppelführung innehatten, aber im Regen durch die Neutralisationen und das Boxenstopptiming Zeit und Plätze einbüßten - am Ende blieben die Klassenränge drei (Bamber/Vanthoor/Jaminet) und fünf (Tandy/Mackowiecki/Pilet). Der Brite Nick Tandy hatte in der Qualifikation einen GT-Rekord erzielt. Der zweite BMW M8 mit Publikumsliebling Alex Zanardi - der Italiener ist auch 20 Jahre nach seinen Siegen in der CART-Meisterschaft hier noch überaus beliebt - war schon in der Anfangsphase weit zurückgefallen. Der beinamputierte Zanardi lieferte in dem speziall auf Handgas/Handbremse umgebauten Wagen aber neuerlich eine Klasseleistung ab.

Für die anderen Österreicher und Wahl-Österreicher lief es nicht so gut. René Binders Debüt in der IMSA-Serie mit dem Cadillac-DPi von Juncos Racing war von Beginn eine Aufholjagd, denn Teamkollege Will Owen musste nach einem Kupplungsproblem aus der Box starten und hatte später auch noch einen Elektronikschaden. Der Tiroler kam am Abend erstmals zum Einsatz und überraschte mit Rundenzeiten wie die Spitze.

Bachler und Lauda früh out
Der erste Ausfall im Rennen betraf den NGT-Porsche, mit dem der Steirer Klaus Bachler in der GTD-Klasse unterwegs sein wollte, doch noch vor seinem ersten Turn musste der deutsche Teamkollege Häring wegen Motorschadens schon am Ende der zweiten Stunde aufgeben.
Mathias Lauda fuhr fehlerlos und zeitweise in den Top Drei der privaten GT, ehe noch Samstagabend Teamkollege Dalla Lana nach einer Kollision den Ferrari abstellen musste. Am späten Abend war auch der Haller Dominik Baumann (Mercedes AMG) schon arbeitslos, auch er konnte zuvor in der Spitze der GTD-Klasse mithalten.
Der zu den Sieganwärtern nach der überragenden Pole-Runde von Oliver Jarvis gerechnete Mazda-Prototyp mit dem in Bregenz lebenden Ex-DTM-Champion René Rast sowie Langstrecken-Weltmeister Timo Bernhard führte anfangs, fing aber noch Samstagabend Feuer, das Bernhard nicht löschen konnte. Für den Wahl-Salzburger Christopher Haase (Audi) und den in Wildschönau lebenden Marco Seefried (Porsche) wurde der Regen am Sonntagvormittag zum Verhängnis.

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