Motorsport

Der Motorsport trauert um Charly Lamm

Die Nachricht aus Freilassing löste am Freitag Betroffenheit bei Motorsportlern nicht nur in Deutschland und Österreich aus: Der langjährige Motorsportchef des weltweit erfolgreichen Teams Schnitzer, Karl "Charly" Lamm, ist verstorben. Er wurde nur 63 Jahre alt.

Karl Lamm 1955 – 2019. SN/josef mayrhofer
Karl Lamm 1955 – 2019.

Karl Lamm, von allen nur "Charly" genannt, war seit den 1980ern untrennbar mit den großen Erfolgen des Freilassinger Rennstalls Schnitzer verbunden. Zusammen mit seinen Brüdern Josef (1978 verunglückt) und Herbert Schnitzer sowie Dieter Lamm (gestorben 2014) machte Karl die Mannschaft zum erfolgreichsten Tourenwagen-Team der Welt mit Welt- und Europameistertiteln, dem Gewinn der DTM 1989 und beim BMW-Comeback 2012 sowie Triumphen in den 24-Stunden-Rennen in Spa-Farncorchamps, auf dem Nürburgring und 1999 sogar in Le Mans mit einem Prototypen. Lamm sorgte mit Schnitzer für BMW-Rennerfolge auf allen Kontinenten - so auch zuletzt im FIA-GT-Interkontinentalcup im November 2018 in Macao. Es war Lamms letztes Rennen auf dem Kommandostand an der Boxenmauer, mit Saisonende 2018 gab er die Teamführung an Herbert Schnitzer jun. ab.

Freitag wurde bekannt, dass Karl Lamm einer kurzen, schweren Krankheit erlegen war. Der Familienvater stand im 64. Lebensjahr.

Lamm waren zahlreiche österreichische Piloten eng verbunden: Willi Siller, Dieter Quester, Gerhard Berger, Roland Ratzenberger fuhren und siegten für Schnitzer. Der heutige DTM-Chef Berger war wie alle, die Charly kannten, erschüttert: "Er war nicht nur einer der besten Teammanager, mit denen ich in meiner Laufbahn als Rennfahrer und BMW-Motorsport-Direktor zusammengearbeitet habe. Charly war auch mein Freund. Er war ein toller Charakter."

BMW-Sportchef Jens Marquardt teilte mit: "Völlig unerwartet hat uns die Nachricht erreicht, dass Charly Lamm am Donnerstag verstorben ist. Unser tief empfundenes Beileid gilt der Familie Lamm und der Familie Schnitzer. Es ist schier unfassbar, dass Charly nicht mehr unter uns ist. Er hat den Rennsport bei BMW über Jahrzehnte entscheidend geprägt, mit seinem Team großartige Triumphe gefeiert und Fans auf der ganzen Welt mit seiner einzigartigen Leidenschaft für den Rennsport fasziniert. Ihn so plötzlich zu verlieren, ist ein Schock und eine Tragödie - gerade deshalb, weil Charly dabei war, ein ganz neues Kapitel in seinem Leben aufzuschlagen. Wir trauern um eine international geschätzte und geliebte Persönlichkeit, die für immer eng mit BMW Motorsport verbunden sein wird. Danke für alles, Charly. Wir werden Dich unendlich vermissen."

Sowohl beim 24-Stunden-Rennen von Daytona (USA) am Wochenende als auch beim Rennen der ABB Formel E in Santiago (Chile) am Samstag werden die BMW-Teams in Gedenken an Charly Lamm mit Trauerflor antreten.

In der im Dezember erschienen dritten Ausgabe des Motorsportmagazins "Pole Position" der Salzburger Nachrichten ist Charly Lamm und Schnitzer Motorsport ein Kapitel gewidmet.

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