Motorsport

DTM: René Rast auf dem Norisring erstmals im Glück

Der Wahl-Bregenzer baut seinen Vorsprung aus, weil Philipp Eng Pech hatte und nur Siebenter wurde. Zum zweiten Mal in den Punkträngen: Ferdinand Habsburg (10.).

Das war eine Machtdemonstration, die bei der Konkurrenz - auch aus dem eigenen Audi-Lager - Kopfschütteln auslöste. René Rast, DTM-Champion 2017 und Vizemeister 2018, raste Samstag vor vollen Tribünen des Nürnberger Norisrings zum dritten Saisonsieg und baute seine Gesamtführung aus. Das Überraschende dabei: Rast würgte beim Start aus Position drei seinen Motor ab, kam aber sehr früh vor der ersten Safety-Car-Phase zum Pflichtboxenstopp und marschierte danach durch das Feld zur Spitze, die er locker ausbaute. Dass Rast endlich sein bisheriges Norisring-Pech (noch ohne Zähler) abstreifte, verwunderte nicht, wohl aber die 35 Sek. Vorsprung (bei Rundenzeiten von 47 bis 48 Sek.) auf den Audi-Markenkollegen Nico Müller. Hinter dem Schweizer blieben nur sechs weitere Fahrer (Eriksson, Duval, Spengler, Juncadella, Eng, Wittmann) von einer Überrundung verschont. Rasts Vorsprung bei seinem 13. DTM-Sieg war der größte eines Siegers in der DTM-Geschichte! Audi-Teamchef Dieter Gass erklärte: "Wir nützen die Reifen weniger ab als die Konkurrenz."
Der, der Rast wohl am meisten hätte zusetzen können, wurde ein "Opfer" der Rennkommissare: Philipp Eng, in der Qualifikation starker Zweiter hinter Müller (was zwei Zusatzpunkte gebracht hätte), wurde wegen angeblicher Behinderung von Audi-Pilot Mike Rockenfeller auf Startplatz fünf zurückversetzt und verlor damit auch zwei Zähler. Das zweite Pech des Salzburgers war die Neutralisation (nach Kollision Glock-Aberdein), die alle benachteiligte, die zu diesem frühen Zeitpunkt noch nicht die Reifen pflichtgemäß gewechselt hatten. Als Eng seinen Stopp absolviert hatte, war er statt Zweiter (nach Superstart und Überholen von Bruno Spengler) plötzlich 14. und konnte sich als Schadensbegrenzung nur noch beherzt bis Platz sieben vorkämpfen.
Jubel herrschte außer bei Rast und seinem Teamchef bei Rosberg Racing, Arno Zensen, bei Aston Martin: Denn die Mannschaft von R-Motorsport St. Gallen und der Techniktruppe von HWA brachte gleich drei der vier Piloten in die Punkte: Ex-Mercedes-Pilot Daniel Juncadella wurde starker Sechster, Jake Dennis Neunter und Ferdinand Habsburg fuhr als Zehnter zum zweiten Mal in seiner jungen DTM-Laufbahn in die Punktränge. Dabei lag der gebürtige Salzburger zu Rennmitte sogar auf Platz sechs.
"Als ich am Start zu aggressiv war und stehenblieb, dachte ich zuerst, mein Rennen sei vorbei und dann, wer mir wohl ins Heck krachen würde, doch alle kamen vorbei. Dann entschlossen wir uns zum frühen Stopp, und in dem Moment kam das Safety Car heraus - da waren wir wirklich glücklich", sagte der in Bregenz lebende 32-Jährige. "Auch wenn wir mit dem Safety Car im Pech waren, war das ein guter Tag. Pole und Platz zwei im Rennen mit einem superschnellen Audi, das passte", erklärte Müller, der sich Rang zwei erst mit einem forschen Überholmanöver gegen Joel Eriksson (BMW) in der letzten Kurve (!) sicherte.
Für Philipp Eng war der erste Renntag auf dem Norisring eine Enttäuschung: In der Gesamtwertung fiel der BMW-Pilot auf Platz drei hinter Rast und Müller zurück und hat nun schon 27 Punkte Rückstand auf den Führenden und sechs auf den neuen Zweiten Müller. Mit "Quali-Gegner" Rockenfeller gab es nach dem Rennen eine freundschaftliche Umarmung. Eng: "Es war eine Behinderung, aber wie oft auf einer so kurzen Strecke und ohne Absicht. Eine Verwarnung hätte auch gereicht. Aber ich bin nicht Steward." Dass er nicht mehr aufholen konnte, lag am Nahkampf mit BMW-Kollegen Spengler unmittelbar nach dem Start in der Grundig-Kehre, als Eng links vom M4 des Kanadiers berührt wurde und dadurch selbst rechts die Mauer streifte: "Da bekam mein Auto einiges ab."
Ferdinand Habsburg blieb Realist: "Ich wäre mit einem Punkt mehr noch mehr happy gewesen", meinte er, der im Ziel nur 0,4 Sekunden hinter Platz neun (Teamkollege Jake Dennis) lag: "mein Speed war im Finish besser." Obwohl Aston Martin insgesamt der Rennspeed im Vergleich zur Konkurrenz noch zu gering ist, wie Teamchef Florian Kamelger bestätigte, "war die Strategie das Plus, das uns die Punkte brachte" (Habsburg). Der italienisch-österreichische Doppelbürger Kamelger (aus Brixen/Südtirol) ergänzte aber: "Für die Mannschaft ist das heutige Resultat ein enormer Auftrieb, den wir auch brauchten. Aber es gibt noch viel zu tun, um den Anschluss zu finden."

Salzburger im Carrera Cup stark

Im ersten von zwei Läufen zum Porsche Carrera Cup Deutschland feierte das Salzburger Lechner-Team durch Julien Andlauer und Michael Ammermüller einen Doppelsieg, der erst nach Diskussionen bei den Rennkommissären bestätigt wurde. Der Eugendorfer Luca Rettenbacher (MSG) belegte Platz sieben.

Aufgerufen am 25.08.2019 um 02:26 auf https://www.sn.at/sport/motorsport/dtm-rene-rast-auf-dem-norisring-erstmals-im-glueck-73060669

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