Motorsport

Ferrari-Boss: "Sebastian hat den Ehrgeiz wie Schumacher"

Vor dem Rennen der letzten Chance in Austin versucht Ferraris Teamchef Maurizio Arrivabene, Druck von Sebastian Vettel zu nehmen, und zieht Vergleiche mit Michael Schumacher.

Die Laune war auch schon einmal besser: Ferrari-Boss Arrivabene (links), Chauffeur Vettel.  SN/gepa pictures
Die Laune war auch schon einmal besser: Ferrari-Boss Arrivabene (links), Chauffeur Vettel.

Die einen (Mercedes) haben einen Lauf, die anderen Pannen. Die aktuellste von Sebastian Vettel gab es im Training zum Grand PRix der USA, wo der Deutsche bei einer Rotphase zu schnell unterwegs war und dafür in der Startaufstellung um drei Plätze zurückversetzt wird. Und bevor es zu einer neuerlichen Pleitensaison von Ferrari kommt, versucht Teamchef Maurizio Arrivabene, seinen unter Druck stehenden Star Sebastian Vettel so gut, wie es geht, zu unterstützen.

Aber: Arrivabenes Aussage, "ich bin sicher, dass er früher oder später den WM-Titel nach Maranello bringen wird", klingt eher schon resignierend. Zumindest für die heurige Saison. Es bleibt ein weiterer Anlauf. Später. 67 Punkte Rückstand hat der Deutsche, vierfacher Weltmeister, auf Lewis Hamilton, ebenfalls vier Mal Champ, vor dem Grand Prix der USA in Austin (Sonntag 20.10 MESZ). Dort, in Mexiko, São Paulo und Abu Dhabi sind noch 100 Zähler zu vergeben. Mission impossible für die Roten?

Arrivabene beschwört Ferraris Allzeit-Gott Michael Schumacher: "Sebastian erinnert mich stark an Michael. Im Talent und in seinem Ehrgeiz. Wenn ich ihn auf dem Funk höre, klingt es wie bei Michael." Nur wegen des deutschen Akzents? Arrivabene, jetzt Ferrari-Teamchef, arbeitete damals mit Schumacher in anderer Position, nämlich als Marketingmanager des Hauptsponsors (Philip Morris).

Von mehr Druck als sonst will Arrivabene (Spitzname "Marlboro Man") nichts wissen: "Ferrari steht immer im Mittelpunkt von allen Gerüchten, Druck ist immer da. Im Gegenteil, wir müssen den Medien und der Öffentlichkeit dankbar sein, dass sie uns zurück auf die Siegerstraße drängen." Als ob man bei Ferrari nicht selbst wüsste, worum es geht. Und dann neigt Arrivabene schon zu Durchhalteparolen: "Es ist noch nicht vorbei. Wir sind in Austin noch nicht geschlagen."

Zur Verteidigung von Vettel und Ferrari trat u. a. Ex-Scuderia-Liebling Jean Alesi an: "Es ist leicht, in bestimmten Situationen Fehler zu machen. Vettel ist sicher nicht schlecht deswegen. Das Team muss wieder zur Ruhe kommen", sagte der Franzose, der 1995 in Montréal seinen einzigen Grand Prix (im Ferrari) gewonnen hatte.

Anders sieht es Felipe Massa, der von 2006 bis 2013 Ferrari-Pilot war (und diese Woche seinen neuen Formel-E-Boliden in Valencia testete): "Es gibt immer den Druck, gewinnen zu müssen. Ferrari hat Probleme, mit diesem Druck zurande zu kommen. Mercedes hat weniger Druck." Und Ross Brawn, in der Schumacher-Ära der Stratege bei Ferrari, meinte gar: "Ich dachte immer, dass ich das nie sagen würde, aber Hamilton ist wahrscheinlich der Einzige, der Schumachers Rekorde brechen kann. Denn er hat alles unter Kontrolle. Wie Michael weiß er genau, wie Rennen zu gewinnen sind." Gar Unglaubliches will der Journalist Luigi Perna ("Gazzetta dello Sport") erfahren haben: Sollte Vettel auch 2019 keinen Titel gewinnen, könnte Ferrari Ausstiegsklauseln in seinem Vertrag aktivieren. Vettel ist bei Ferrari bis 2020 unter Vertrag.

Geht es nach den bisherigen sechs WM-Läufen auf dem Circuit of the Americas (COTA), steht es 5:1 für Hamilton. Der gewann die Premiere 2012 im McLaren-Mercedes (das war übrigens der vorletzte GP-Sieg bis heute!) und im Mercedes von 2014 bis 2017. Nur 2013 stand Sebastian Vettel mit dem Cowboyhut auf dem obersten Podest.

Als er noch für Red Bull fuhr.

Aufgerufen am 21.11.2018 um 01:00 auf https://www.sn.at/sport/motorsport/ferrari-boss-sebastian-hat-den-ehrgeiz-wie-schumacher-49303243

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