Motorsport

Formel 1 - die Großen ziehen davon, die Kleinen zerfleischen sich

Die Formel 1 hat sich längst zur Dreiklassengesellschaft entwickelt. Das Murren in den Rennställen hinter den "großen Drei" wird lauter. Genauso wie die Forderung nach Budgetgrenzen.

Totalschaden – Kollision zwischen Fernando Alonso (McLaren) und Charles Leclerc (Sauber) beim Grand Prix von Belgien am 26. August 2018. SN/APA/AFP/JOHN THYS
Totalschaden – Kollision zwischen Fernando Alonso (McLaren) und Charles Leclerc (Sauber) beim Grand Prix von Belgien am 26. August 2018.

In Austin, auf dem 2012 eröffneten Circuit of the Americas, bestritt die Formel 1 am Sonntag ihren 994. Grand Prix. Bei 838 davon war McLaren dabei. 182 Mal als Sieger. Doch Chancen auf neue Glücksmomente stehen derzeit schlecht.

In der Qualifikation für den Grand Prix der USA blieben Fernando Alonso, ein zweifacher Weltmeister, und Stoffel Vandoorne, ein einst hochgepriesenes Talent, schon in der ersten Phase hängen - Startplätze 16 bzw. 20.

Der erste Sieg seit Brasilien 2012 (Jenson Button) ist bis auf weiteres nicht in Sicht. Beide Fahrer werden McLaren, das einst sieggewohnte, in manchen Belangen auch als hochnäsig eingestufte Team, verlassen. Alonso in Richtung Indy 500, dazu fährt er ja die "Superseason" für Toyota auf der Langstrecke fertig. Vandoorne muss in die Formel E ausweichen.

Ähnlich wie McLaren ergeht es mit Williams einem weiteren Traditionsteam. Beide gehören wie fünf andere Rennställe in die dritte Kategorie der aktuellen Formel-1-Gesellschaft: Vorn die beiden Werkteams von Mercedes und Ferrari mit Budgets um die 400 Millionen Euro und mehr und zirka 1000 Mitarbeitern, wenn alle Abteilungen zusammengerechnet werden.

Dahinter in einer Liga für sich Red Bull: mit einem Renault-Kundenmotor, mit dem man permanent unzufrieden ist, mit Siegfähigkeit unter speziellen Umständen, aber seit der Hybridära ohne Chance, in den WM-Kampf eingreifen zu können.

Und dann der Rest.

Nach dem US-GP haben Renault (auch noch ein Werkteam!), Haas, McLaren, Racing Point, Toro Rosso, Sauber und Williams zusammen 362 WM-Punkte geholt, etwas mehr als Red Bull allein (337) - von den 563 der Sternfahrer und 497 der Roten gar nicht zu reden.

Teamchef Gene Haas: „Wir fahren in der Formel 1,5“ SN/gepa pictures/ xpb images
Teamchef Gene Haas: „Wir fahren in der Formel 1,5“

"Wir fahren in der Formel 1,5, und wenn wir gegen Renault am Ende den vierten WM-Rang belegen, sind wir die Champions unserer Klasse", sagte der amerikanische Teamchef Gene Haas trocken.

Selbst bei Renault wird gemurrt: "Ich sehe die Schuld beim Vermarkter (Liberty Media, Anm.). Die wollen ein starkes Produkt verkaufen, um damit zu verdienen, nur das Produkt ist nicht gut genug", urteilte Jérôme Stoll, der Präsident von Renault Sport, im SN-Gespräch.

Für die, die hintennach fahren, gibt es nur eine Lösung: Die Budgetdeckelung muss her. "Für uns lebenswichtig", behauptete Williams-Chefin Claire Williams. "Trotz aller Einwände machbar. Verband und Vermarkter können doch ohnedies alles kontrollieren, warum auch nicht die Ausgaben?", fragte Toro-Rosso-Boss Franz Tost.

In der Tat fehlt der Formel 1 - und da können sich Vettel und Hamilton noch so oft duellieren oder per Taktik gewinnen - Ausgeglichenheit, die Spannung und vor allem schwer vorhersagbare Ergebnisse bringt. "Die Formel 1 ist leider total berechenbar", raunzte Alonso unlängst. Hat aber damit recht.

Und solange die FIA nicht den Mut hat, ins Reglement gravierend einzugreifen, wird sich nichts ändern. Ferrari braucht dann nur mit dem Ausstieg zu drohen, und alles bleibt, wie es ist.

Formel-1-Weltmeisterschaft

Endstand des Formel-1-Grand-Prix der USA am Sonntag in Austin nach 56 Runden zu je 5,513 km (Renndistanz 308,405 km) sowie die WM-Wertungen nach dem 18. von 21 Saisonrennen:

1. Kimi Räikkönen (FIN) Ferrari 01:34:18,643 (Schnitt: 196,854 km/h)
2. Max Verstappen (NED) Red Bull + 1,281
3. Lewis Hamilton (GBR) Mercedes + 2,342
4. Sebastian Vettel (GER) Ferrari + 18,222
5. Valtteri Bottas (FIN) Mercedes + 24,744
6. Nico Hülkenberg (GER) Renault + 1:27,210
7. Carlos Sainz jr. (ESP) Renault + 1:34,944
8. Sergio Perez (MEX) Racing Point Force India + 1:41,080
9. Brendon Hartley (NZL) Toro Rosso + 1 Runde
10. Marcus Ericsson (SWE) Sauber + 1 Runde
11. Stoffel Vandoorne (BEL) McLaren + 1 Runde
12. Pierre Gasly (FRA) Toro Rosso + 1 Runde
13. Sergej Sirotkin (RUS) Williams + 1 Runde
14. Lance Stroll (CAN) Williams + 2 Runden

Disqualifiziert: Kevin Magnussen (DEN) Haas, Esteban Ocon (FRA) Racing Point Force India; ausgeschieden: Fernando Alonso (ESP) McLaren, Romain Grosjean (FRA) Haas, Charles Leclerc (MON) Sauber, Daniel Ricciardo (AUS) Red Bull

Schnellste Runde: Lewis Hamilton (GBR) Mercedes, 40. Runde, Zeit: 1:37,392, Durchschnitt: 203,780 km/h

WM-Stände (nach 18 von 21 Rennen)

1. Lewis Hamilton (GBR) Mercedes 346
2. Sebastian Vettel (GER) Ferrari 276
3. Kimi Räikkönen (FIN) Ferrari 221
4. Valtteri Bottas (FIN) Mercedes 217
5. Max Verstappen (NED) Red Bull 191
6. Daniel Ricciardo (AUS) Red Bull 146
7. Nico Hülkenberg (GER) Renault 61
8. Sergio Perez (MEX) Racing Point Force India 57
9. Kevin Magnussen (DEN) Haas 53
10. Fernando Alonso (ESP) McLaren 50
11. Esteban Ocon (FRA) Racing Point Force India 49
12. Carlos Sainz jr. (ESP) Renault 45
13. Romain Grosjean (FRA) Haas 31
14. Pierre Gasly (FRA) Toro Rosso 28
15. Charles Leclerc (MON) Sauber 21
16. Stoffel Vandoorne (BEL) McLaren 8
17. Marcus Ericsson (SWE) Sauber 7
18. Lance Stroll (CAN) Williams 6
19. Brendon Hartley (NZL) Toro Rosso 4
20. Sergej Sirotkin (RUS) Williams 1

Konstrukteurs-WM (nach 18 von 21 Rennen)

1. Mercedes 563
2. Ferrari 497
3. Red Bull 337
4. Renault 106
5. Haas 84
6. McLaren 58
7. Racing Point Force India 47
8. Toro Rosso 32
9. Sauber 28
10. Williams 7

Nächstes Rennen: Grand Prix von Mexiko am Sonntag (28. Oktober/Start: 20.10 Uhr MEZ)

Aufgerufen am 20.11.2018 um 05:56 auf https://www.sn.at/sport/motorsport/formel-1-die-grossen-ziehen-davon-die-kleinen-zerfleischen-sich-49733785

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