Motorsport

Hamilton nach seiner Rekordrunde: "Niki hätte es so gewollt"

Mit der schnellsten jemals in Monaco gefahrenen Runde stellte Lewis Hamilton den Mercedes auf die Pole Position. Beim Titelkonkurrenten Ferrari brach das Chaos aus.

So hat sich Lokalmatador Charles Leclerc das Qualifying für den Großen Preis von Monaco nicht vorgestellt. Beim offiziellen Fotoshooting der drei Trainingsbesten lachte er am Samstag nur im Hintergrund auf einem Plakat für Verkehrssicherheit - zusammen mit Fürstin Charlène. Das Trio bildeten der entfesselt gefahrene Lewis Hamilton, sein Mercedes-Teamkollege Valtteri Bottas (Rückstand nur 0,086 Sekunden) und Max Verstappen von Red Bull Racing. Der Niederländer ist somit am Sonntag (Start 15.10 Uhr) zumindest auf dem Papier Herausforderer des Duos, das heuer schon fünf Doppelsiege gefeiert hat. Überholen ist schwierig im Fürstentum.

Charles Leclerc blieb bereits im ersten Trainingsabschnitt auf der Strecke und die Art und Weise wird bei seiner Scuderia Ferrari und im gesamten Grand Prix Zirkus noch lange diskutiert werden. Der Monegasse war im letzten freien Training am Samstag vormittag Schnellster und legte auch im ersten Quali-Abschnitt zunächst die beste Zeit vor. Ferrari entschied ihn in der Box zu lassen - auch als die Rundenzeiten der Konkurrenz immer schneller wurden. Zu allem Überfluss musste Teamkollege Sebastian Vettel nach einem Touchieren der Planken eine Zwangspause einlegen und konnte erst 15 Sekunden vor dem Abwinken wieder auf die Strecke. Der Deutsche war zu diesem Zeitpunkt nicht für Abschnitt zwei qualifiziert - und fuhr Bestzeit und Leclerc flog vom rettenden 15. Platz, der ihn in Abschnitt zwei gebracht hätte.

Detail am Rande: Vettel hatte am Vormittag einen Crash, der eine virtuelle Safteycar-Phase auslöste. Dabei hielt Leclerc die vorgeschriebene Geschwindigkeit nicht exakt ein. Eine Rückversetzung der Startaufstellung stand im Raum. Sollte sie kommen, hat sie nicht gravierende Auswirkungen. Durch das Ferrari-Chaos steht Leclerc ohnehin nur auf Platz 16.

"Diese Pole Position bedeutet mir unheimlich viel. Niki hätte gewollt, dass wir so fahren.", sagte Hamilton, nachdem er einen wahren Freudentanz hingelegt hatte. Den Briten hatte das Ableben von Niki Lauda sehr zu schaffen gemacht. Das Ergebnis nach der schnellsten jemals im Fürstentum gefahrenen Runde (1:10,166 Minuten) erlebte Hamilton wohl als Art ganz spezielles Geschenk an Lauda. Hamilton: "Niki hat mein Leben wirklich verändert. Vielleicht wäre ich ohne ihn nie fünffacher Weltmeister geworden."

Der Österreicher war maßgeblich am Wechsel Hamiltons von McLaren zu Mercedes Ende 2012 beteiligt. Je öfter Lewis die Weltmeisterschaft (im Vorjahr zum fünften Mal) gewann, desto inniger wurde seine Beziehung zum dreifachen Champion, der im Team sein Vorgesetzter war. "Die beiden verbindet etwas, was wahrscheinlich nur zwei mehrfache Weltmeister nachvollziehen können", beschreibt Mercedes-Motorsporchef Toto Wolff diese Männerfreundschaft. Für Hamilton war es die 85. Pole Position.

Mannschaftlich stark traten im Qualifying die beiden Red Bull Teams auf - alle vier Autos unter den ersten Zehn.

Am Sonntag gibt es zwanzig Minuten vor dem Start in Monaco eine Schweigeminute in Gedenken an Niki Lauda. Die Piloten und Offiziellen sollen rote Kappen in die Hand nehmen. Auch die Rennbesucher sollen nach dem Willen den Automobilclubs von Monaco rote Kappen oder Transparente mit Botschaften, die an Lauda erinnern, mitnehmen. Bei einem Hupkonzert sollen auch die Menschen auf den Yachten mitmachen. Lauda gewann zwei Mal im Fürstentum und war beim Rennen 1973 Enzo Ferrari aufgefallen. Den jungen Mann, der mit unterlegenen Material (BRM-Rennwagen) so beherzt fährt, wollte er verpflichten. Das geschah dann bald auch und Laudas Stern ging auf.

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