Motorsport

Hamilton vermisst seine Rivalen und braucht kein Doping

Im drohenden Mercedes-Solorennen in der Formel 1 sorgt sich Lewis Hamilton um die Konkurrenz. Nach fünf Doppelerfolgen für Mercedes in den ersten fünf Saisonrennen vermisste der Superstar die Duelle mit seinem Rivalen aus dem Hause Ferrari oder Red Bull. Doch sein Teamchef Toto Wolff denkt nicht daran, einen Gang hinunter zu schalten.

Champagner zählt nicht, sonst wäre Hamilton quasi permanent gedopt SN/APA (AFP)/LLUIS GENE
Champagner zählt nicht, sonst wäre Hamilton quasi permanent gedopt

"Nur in einem Team um die WM zu fahren, das sollte in der Formel 1 nicht so sein. Wenn der Kampf mit anderen Teams nicht da ist, dann ist es weniger aufregend", sagte Hamilton, nachdem er in Barcelona seinem Stallrivalen Valtteri Bottas die WM-Führung entrissen hatte. Die teaminterne Hierarchie war wiederhergestellt. Doch branchenübergreifend regiert Mercedes die Königsklasse mehr denn je. Red-Bull-Mann Max Verstappen liegt als erster Verfolger bereits 46 Punkte hinter Hamilton, Ferrari-Star Sebastian Vettel auf Rang vier zwei weitere dahinter.

Auf dem Circuit de Catalunya fuhren Hamilton und Bottas erneut in einer eigenen Liga. Noch nie ist ein Rennstall so erfolgreich gestartet. Bei 16 noch ausstehenden Rennen wurde Wolff bereits gefragt, ob sein Team das schier Unmögliche erreichen, nämlich alle Saisonläufe gewinnen könnte. Dem Wiener war die Frage eher unangenehm. "Wir müssen bescheiden sein und mit den Füßen auf dem Boden bleiben."

Eine "perfekte Saison" ist noch keinem Team gelungen. Ayrton Senna und Alain Prost schrammten 1988 im McLaren knapp vorbei, das Duo gewannen 15 der 16 Rennen. Und 2016 fuhren Hamilton und Nico Rosberg für Mercedes mit 19 aus 21 eine ähnlich überragende Quote ein. "Man soll nie nie sagen", meinte Red-Bull-Teamchef Christian Horner zur derzeitigen Ausgangslage, "aber es wäre eine Mordsleistung."

Neben dem Kaffeesudlesen wurde auch analysiert. "Unheimlich" sei das Paket, das Mercedes derzeit schnüre, urteilte Red Bulls Motorsport-Berater Helmut Marko. Dass sich Hamilton schier mühelos den Zusatzpunkt für die schnellste Rennrunde sicherte, war symptomatisch. Marko: "Es zeigt, welche Reserven noch bei Mercedes sind."

Die nächste Ausbaustufe des Motors hat Mercedes, anders als die anderen Hersteller, noch nicht gezündet. Die Schlussfolgerung des britischen "Telegraph" unterschied sich von Markos Worten auch deshalb nicht wesentlich. "Jeder Widerstand gegen dieses Ungetüm von einem Team erscheint zwecklos", schrieb das Blatt.

Wolff will sein Monster sogar noch ausbauen. Oder wie er sagt: "Wir müssen die Entwicklungskurve weiterhin steil halten." Galt Barcelona früher als Referenzstrecke für den Saisonverlauf, sah er das Rennen in Katalonien mehr als Wegweiser für die unmittelbar darauf folgenden WM-Läufe. "Mittlerweile ist die Entwicklungsgeschwindigkeit so hoch, dass die großen Teams zu jedem Rennen Upgrades bringen. Diese Geschwindigkeit müssen wir halten."

Der Spannung und dem Zuschauer-Interesse ist diese erdrückende Übermacht kaum förderlich. "Die Leute sind vielleicht unglücklich über unseren Vorsprung vor Ferrari, aber das ist ja nicht unser Fehler", bemerkte Hamilton. "Wir wollen einfach so schnell sein, wie wir können. Keine Ahnung, warum die anderen zurückgefallen sind", fügte der Brite hinzu. Einen Teil der Antwort gab er sich danach selbst: Das Team um ihn und Bottas herum sei "das stärkste, das es je gegeben hat. Es wird sehr, sehr, sehr schwer, diese Mannschaft zu schlagen."

Indes hält Hamilton die Formel 1 für zu einfach und deshalb Doping nicht für sinnvoll. "Die Autos sind nicht schwierig genug zu fahren. Es ist nicht anstrengend genug. Deshalb kann ja auch schon ein 18-Jähriger hier mithalten", sagte der Mercedes-Pilot nach seinem Sieg beim Großen Preis von Spanien in Barcelona.

Da die körperliche Belastung für gut trainierte Rennfahrer nicht besonders hoch sei, bringe Sportbetrug mit illegalen Substanzen zur Leistungssteigerung nichts. Hier unterscheide sich die Formel 1 von Sportarten wie Radsport oder Tennis.

Der aktuelle WM-Spitzenreiter wurde nach seinem dritten Saisonerfolg am Sonntag auf dem Circuit de Catalunya zur Dopingprobe bestellt. Dies ist aber kein häufiger Vorgang in der Königsklasse des Motorsports. Hamilton zufolge werde er höchstens dreimal pro Jahr auf Doping getestet, "es kann aber auch weniger sein".

Der Automobil-Weltverband FIA hat sich wie die meisten großen Sport-Organisationen dem Kodex der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) unterworfen. "Mit dem Gebrauch jedweder Substanz, die das Urteils- und Reaktionsvermögen verändern kann, könnte ein Fahrer sein Leben und das von anderen in Gefahr bringen", warnt die FIA auf ihrer Internetseite.

Quelle: Apa/Dpa

Aufgerufen am 17.09.2019 um 02:56 auf https://www.sn.at/sport/motorsport/hamilton-vermisst-seine-rivalen-und-braucht-kein-doping-70173418

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