Motorsport

"Hoffen auf Start in Spielberg"

Formel-1-Teamchef Franz Tost im exklusiven Interview mit den "Salzburger Nachrichten" über die Formel 1 im Stand-by-Modus, Budgetgrenzen und die Pandemie am Firmensitz Italien.

Franz Tost (kleines Bild) und Co. hoffen auf einen Saisonstart in Spielberg.  SN/APA/ERWIN SCHERIAU
Franz Tost (kleines Bild) und Co. hoffen auf einen Saisonstart in Spielberg.

Der Tiroler Franz Tost ist Teamchef des in Italien ansässigen und zum Red-Bull-Konzern gehörenden Formel-1-Teams AlphaTauri (vormals Toro Rosso) mit Sitz in Faenza bei Ravenna. Nach dem kurzfristig abgesagten Start der Formel-1-Saison in Melbourne ist auch das Team in der Warteschleife - aber: Wie macht das ein Formel-1-Team überhaupt, und das noch dazu in Italien, einem Zentrum der Coronapandemie?

Herr Tost, wie kann man  ein Formel-1-Team auf Stand-by stellen? Franz Tost: Zuerst möchte ich mit unseren Mitarbeitern vom AlphaTauri-Team anfangen: Alle sind gesund, keiner wurde von Covid-19 befallen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist das ganze Team zu Hause, da sich die F1-Teams zu einem Shutdown bis Ende Mai entschieden haben. In der Firma sind nur diverse Wartungsarbeiten erlaubt.

Nun ist Italien ein heftig von der Pandemie betroffenes Land. Wie sind Sie in Ihrem Team damit umgegangen? Zum Glück sind in unserem Bezirk Covid-19 und die Anzahl der Erkrankungen noch nicht so ausgeprägt wie in anderen Landesteilen. Wir reagierten bereits im Februar, als die ersten Meldungen hereinkamen, sofort und Mitarbeiter, die aus sogenannten roten Zonen, also Zonen mit einer hohen Ansteckungsrate, kamen, wurden sofort heimgeschickt. Auch bei den Testfahrten in Barcelona haben wir keine Gäste aus Italien eingeladen, weil viele Sponsoren und Partner aus dem Großraum Mailand und Lombardei kommen.

Wie darf ich mir derzeit Ihre aktuelle Arbeit vorstellen: Videokonferenzen oder Arbeit mit Fahrern, die ihrerseits vor dem Computer sitzen? Sie haben recht, wir hatten soeben eine Videokonferenz mit dem Personalchef, dem technischen Direktor und dem Verantwortlichen für die Finanzen. Wir diskutierten die nächsten Schritte. Zudem teile ich der Mannschaft auch mit, was in den regelmäßigen Konferenzen mit der FIA (Welt-Automobilverband), FOM und den anderen Teams besprochen wurde.

Das heißt, Sie können uns einen kleinen Ausblick auf die Zukunft geben? Wir hoffen allesamt auf einen Start im Juli. Unser großer Wunsch wäre es natürlich, die Formel 1 mit dem Grand Prix in Spielberg beginnen zu lassen. Aber wie gesagt: Das ist ein Wunsch. Es gibt noch eine kleine Hoffnung, dass es schon zuvor in Frankreich losgeht (auf dem Paul-Ricard-Kurs in Le Castellet am 28. Juni, Anm. d. Red.), aber das werden wir sehen.

In der Formel 1 wird derzeit eine Budgetobergrenze von 150 Millionen US-Dollar diskutiert. Ist das sinnvoll? Solange wir nicht wissen, wie viel Geld wir einnehmen, ist es schwierig, eine Budgetobergrenze festzulegen. Die Einnahmen verteilen sich auf Sponsoren und Gelder von Liberty Media. Je weniger Rennen wir bestreiten, desto geringer fallen die Einnahmen aus. Deshalb müssen wir die zweite Saisonhälfte abwarten, um ein Bild zu erhalten. Sicher spielt Hightech in der Formel 1 eine entscheidende Rolle. Aber alles muss in einem vertretbaren finanziellen Rahmen bleiben. Die wirtschaftlichen Folgen von Covid-19 wird auch die Formel spüren.

Erreichen wir Sie bei unserem Telefonat in Tirol oder in Italien? Ich bin bei unserem Firmensitz in Faenza in Italien.

Wie ist die Stimmung aktuell in Italien? Die Stimmung ist betrübt und schlecht. Das Ganze fühlt sich unheimlich und extrem ungewöhnlich an. Es herrscht Traumwetter und die Straßen sind trotzdem seltsam leer. Gerade wenn man in einem Land wie Italien ist, wo die Menschen ja doch so gern im Freien oder in den Cafés sind, ist das eine außergewöhnliche Situation.

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Aufgerufen am 04.12.2020 um 03:22 auf https://www.sn.at/sport/motorsport/hoffen-auf-start-in-spielberg-86453137

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