Motorsport

Leclerc startet auch in Monza von der Pole

Charles Leclerc nimmt auch den Formel-1-Grand-Prix von Italien aus der ersten Position in Angriff. Der 21-jährige Ferrari-Pilot entschied am Samstag ein kurioses Qualifying von Monza 39 Tausendstel vor WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton für sich. Dritter einer Qualifikation, die mit einer Runde in Steher-Manier endete, wurde Valtteri Bottas im zweiten Mercedes vor Sebastian Vettels Ferrari.

Charles Leclerc bleibt der Mann der Formel-1-Stunde SN/APA (AFP)/MIGUEL MEDINA
Charles Leclerc bleibt der Mann der Formel-1-Stunde

Vor dem Heimrennen der Scuderia hat Hamilton im WM-Klassement 268 Punkte, Bottas ist Zweiter (203). Danach folgt Red-Bull-Pilot Max Verstappen (181), der im Rennen am Sonntag (15.10 Uhr/live ORF1, Sky und RTL) wegen eines Motorenwechsels vor Ablauf der Frist von hinten starten muss. Der viertplatzierte Vettel (169) könnte just in diesem für Ferrari so bedeutenden GP von seinem aufstrebenden Teamkollegen Leclerc (157) im Klassement überflügelt werden.

Die Art und Weise, wie Charles Leclerc beim Großen Preis von Italien seine vierte Karriere-Pole vor Lewis Hamilton einfuhr, wird in wenig schöner Erinnerung bleiben. Denn der Windschatten-Poker von Monza endete in einer Farce - kein einziger Pilot konnte im Finish eine schnelle Runde fahren.

Monza ist als Hochgeschwindigkeitskurs berühmt, doch gerast wurde am Samstag wenig. Weil in den letzten Minuten keiner vorneweg fahren wollte, trödelte der PS-Tross dermaßen, dass die Topfahrer zu spät über die Start- und Ziellinie für eine letzte schnelle Runde kamen. Der zuvor und damit auch schlussendlich Schnellste war Youngster Leclerc. Er entschuldigte sich bei den Fans. "Das war eine Schande, was hier in der letzten Runde passiert ist."

Der 21-jährige Monegasse, zuletzt Premierensieger in Belgien, ist auch am Renn-Sonntag (15.10 Uhr/live ORF1, Sky und RTL) der Mann, den es zu schlagen gilt. Die Chancen der Scuderia auf den ersten Heimsieg seit neun Jahren sind intakt. Auf der Strecke, auf der die Geschwindigkeit den größten Performance-Faktor darstellt, brillierte Ferrari mit seiner Motorenpower bereits in sämtlichen Trainings. "Die Rennsimulationen sehen gut aus. Besser als in Spa", sagte Leclerc. Für seinen Teamkollegen Sebastian Vettel wird die Sache kniffliger - der Deutsche startet hinter den beiden Mercedes von Hamilton und Valtteri Bottas.

WM-Leader Hamilton kam glimpflich aus der Affäre. "Ehrlich gesagt bin ich froh, dass ich in der ersten Startreihe bin", sagte der Brite. Er konnte sich ein ungläubiges Grinsen nicht verkneifen. "Dass wir die letzte Runde fast alle nicht geschafft haben, ist verrückt." Sieben von neun Autos fuhren nicht rechtzeitig über die Linie - kein einziger konnte eine schnelle Runde fahren.

Zuvor war Q3 mit einer roten Flagge jäh unterbrochen worden. Auslöser war ein Ausritt von Kimi Räikkönen, der in der berühmten Parabolica sein Heck verlor und danach unverletzt ausstieg. Bei 6:22 Minuten auf der gestoppten Uhr hatten die Fahrer danach eigentlich noch genügend Zeit für einen letzten schnellen Versuch - doch das taktische Geplänkel endete im Desaster.

"Jeder versucht den Windschatten zu bekommen. Dann haben ein paar Vollidioten da vorne den Speed so reduziert, dass es sich nicht mehr ausgegangen ist", sagte Mercedes-Teamchef Toto Wolff danach im ORF. Im Windschatten des Vordermanns können die Piloten in Monza ausgangs der letzten Kurve bis zur Ziellinie etwa zwei Zehntelsekunden gutmachen. Wolff forderte wie Red-Bull-Motorsportkonsulent Helmut Marko Konsequenzen.

Lewis Hamilton wollte die Schuldigen schnell gefunden haben. Der fünffache Weltmeister glaubte, dass das Ganze von Ferrari inszeniert worden sei. "Interessante Taktik, um die Pole-Position zu sichern - einfach die Runde nicht fahren." Auf die Frage, ob sich die Formel 1 an diesem Samstag lächerlich gemacht habe, hatte der Brite keine Antwort. "Ich weiß nicht so recht, was ich dazu sagen soll. Wir müssen uns überlegen, wie wir so etwas gescheiter lösen können." Leclerc meinte dazu: "Ich weiß nicht, ob ich besonders klug war oder lediglich am wenigsten dumm."

Das Windschatten-Taktikspielchen wurde am Samstagabend noch von Rennkommissaren untersucht. "Ich hoffe, das hat Konsequenzen. Das Mindeste ist eine Rückversetzung, zumindest ans Ende der ersten zehn in der Startaufstellung", sagte Red-Bull-Berater Marko im ORF-Fernsehen. Davon würde zumindest mit Alexander Albon (derzeit Achter) einer seiner Fahrer profitieren. Max Verstappen muss nach einem Motorwechsel vom Ende des Feldes starten.

Die Rennkommissare sprachen nach einer Untersuchung allerdings keine Strafen aus. Der Deutsche Nico Hülkenberg (Renault), der Spanier Carlos Sainz Jr. (McLaren) und der Kanadier Lance Stroll (Racing Point), die das bummelnde Feld angeführt hatten, kamen mit einem Verweis davon.

Quelle: APA

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