Tokio 2020 Zum Olympia-Schwerpunkt ...
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Je kleiner die Nation, desto größer ist die Freude

Fidschi ist im Rugby eine Weltmacht, San Marino feierte in Tokio seine erste Medaille überhaupt.

Jubel auf fidschianisch: Das Rugby-Team jubelt über Gold.  SN/AP
Jubel auf fidschianisch: Das Rugby-Team jubelt über Gold.

Dabei sein ist alles? Das gilt nicht einmal mehr für die kleinen Nationen bei Olympischen Spielen. Ganz im Gegenteil: Wenn nur eine Handvoll Sportler ein Land vertritt, stehen die ganz besonders im Fokus. Umso größer ist die Freude, wenn es dann Medaillen gibt.

Im Fall von San Marino kommt dazu, dass es das erste Edelmetall überhaupt in der Olympiahistorie zu bejubeln gab: Alessandra Perilli schoss sich im Trap der Damen am Donnerstag in Tokio zu Bronze. "Keine Ahnung, was jetzt daheim abgeht", sagte die 32-Jährige der italienischen Nachrichtenagentur Ansa. "Ob ich eine Heldin bin? Jetzt übertreibt mal nicht!", ergänzte die erfahrenste Sportlerin der nur zwei Athletinnen und drei Athleten großen Delegation aus San Marino.

Die winzige Republik mit ihren etwas mehr als 33.000 Einwohnern nimmt seit 1960 in Rom an Olympia teil. Seitdem waren die Schützen die erfolgreichsten Sportler; Perilli selbst schrammte 2012 in London als Viertplatzierte schon knapp an der Medaille vorbei.

Nach Perillis Premiere warten immer noch 71 der 206 olympischen Komittees auf die erste Medaille ihrer Geschichte (Sommer- und Winterspiele). Die Bermudas haben diese bereits 1976 im Boxen geholt, aber seither auf das zweite Edelmetall warten müssen. Triathletin Flora Duffy erlöste ihre 64.000 Landsleute mit Gold in Tokio. Nie zuvor kam ein Sommer-Olympiasieger aus einem - einwohnermäßig gesehen - kleineren Land. "Das ist so viel größer als ich", sagte die überglückliche Sportlerin. Sie hatte 2008 den Olympiatriathlon abbrechen müssen und danach eigentlich aufgehört. Nach ihrem Comeback überwand sie schwere Verletzungen. Die zweifache Weltmeisterin ist bereits Trägerin des Ordens "Officer of the British Empire" - Staatsoberhaupt des britischen Überseegebiets im Atlantik ist Queen Elizabeth II.

Der pazifische Inselstaat Fidschi ist mit seinen 890.000 Bewohnern gar nicht so klein. Allerdings macht allein schon die isolierte Lage den internationalen Austausch für seine Sportler schwierig. Ganz groß ist aber Rugby auf Fidschi. Bereits in Rio 2016 holten die Herren Gold im 7er-Rugby, nun verteidigten sie in Tokio ihren Titel. Im Finale gab es quasi ein Nachbarschaftsduell, ist doch Neuseeland mit 2500 Kilometern Entfernung die nächstgelegen größere Nation. Nach dem Sieg sangen die Fidschianer auf dem Podium vollmundig ihre Nationalhymne. Die Abordnung bei Olympia ist so groß wie noch nie, weil auch Fidschis Frauen-Rugby-Team in Tokio vertreten ist. Sie waren in der Nacht auf Freitag noch im Rennen um den Aufstieg in die K.o.-Runde.

Jubeln durften auch die acht Teilnehmer von Nordmazedoniens Abordnung in Tokio: Im Taekwondo erfreute Dejan Georgievski mit Silber das Team und seine zwei Millionen Landsleute mit der erst zweiten Olympiamedaille der seit 1991 unabhängigen Republik. Ein Erfolg, auf den Monaco 101 Jahre nach seiner Olympiapremiere immer noch wartet und den wohl auch die sechsköpfige Tokio-Delegation nicht schaffen wird. Dafür hat Monaco mit Fürst Albert II., selbst einst Olympia-Bobpilot, eines der prominentesten IOC-Mitglieder.

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