Tokio 2020 Zum Olympia-Schwerpunkt ...
Sport

Karsten Warholm: Mit Formel-1-Technik zur Fabelzeit

Sein Schuh ist der letzte Schrei: Karsten Warholm lief mithilfe von Formel-1-Technik an den Füßen eine Fabelzeit über 400 Meter Hürden.

Karsten Warholm. SN/GEPA pictures
Karsten Warholm.

Der Norweger Karsten Warholm ist in Tokio in eine neue Leichtathletik-Dimension vorgestoßen und hat Erinnerungen an Usain Bolts Wundertaten geweckt. Der zweifache Weltmeister stürmte in einer Fabelweltrekordzeit zum Olympiasieg über die 400 Meter Hürden. "Das war wahrscheinlich das beste Rennen in der olympischen Geschichte", meinte Silbermedaillengewinner Rai Benjamin aus den USA nach einem unglaublichen Finale.

Warholm blieb als erster Athlet in 45,94 Sekunden unter der 46er- Marke und verbesserte seinen eigenen Weltrekord deutlich. "Ich habe keine einzige Hürde berührt. Auf den letzten Metern konnte ich sogar noch einen Gang zulegen, also wow!", meinte Warholm, der an der letzten Hürde Benjamin (46,17) abhängte. "Ich habe davon wie ein Irrer geträumt."

Warholm hatte beim Diamond-League-Meeting in Oslo am 1. Juli schon den Uraltweltrekord gebrochen. Bei seinem Heimspiel im Bislett-Stadion hatte er in 46,70 Sekunden gewonnen. Der Welt- und Europameister war damit acht Hundertstelsekunden unter der fast 29 Jahre alten Bestzeit des US-Amerikaners Kevin Young bei Olympia 1992 in Barcelona geblieben.

Wieso ist er nun so schnell? "Manchmal sagen mir meine Trainer im Training, dass das mit einem perfekten Rennen möglich sein könnte", meinte Warholm über das Durchbrechen der 46-Sekunden-Schallmauer. "Aber es war schwer, sich das vorzustellen, weil es eine riesige Hürde ist und man nicht einmal davon zu träumen wagt."

Die Bahn im Olympiastadion von Tokio gilt als besonders schnell. Hilfreich dürfte auch das Schuhwerk gewesen sein: Warholm wird von Puma ausgestattet. Und die Herzogenauracher Sportartikelfirma hat zusammen mit Renningenieuren des Formel-1-Teams Mercedes Hightech-Spikes entwickelt, die neben Warholm unter anderem auch der kanadische Sprinter Andre De Grasse trägt. Das Obermaterial der Spikes ist mit Kohlenstofffasern durchzogen, die Sohle ist wiederum eine Platte aus Kohlenstoff mit Dornen aus Titanium. Die Spikes wiegen gerade einmal 135 Gramm. Für Warholm geht es dabei um die perfekte Rückfederung.

Das Hightech an seinen Füßen sei zwar ein wichtiger Faktor, erklärte der Norweger, schränkte aber auch ein: "Die Carbonplatte ist sehr dünn. Ich möchte das auf einem Level halten, auf dem wir unsere Resultate noch vergleichen können. Und die Jungs waren fantastisch", lobte er Rai Benjamin und den Bronzegewinner Alison dos Santos, der in 46,72 auch noch unter dem 1992er-Rekord blieb. Warholm dachte im Moment des Triumphs aber schon an den nächsten Schritt. "Jetzt muss ich mir neue Ziele setzen, weil ich noch nicht fertig bin", sagte der frühere Zehnkämpfer.

Bei seinem Blick auf die Zeit hatte Warholm einen Brüller losgelassen. Die Jubelszene erinnerte an seinen Sieg bei der WM 2017 in London: Das Bild von seinen aufgerissenen Augen, dem geöffneten Mund und den Händen vor dem Gesicht war der Renner in den sozialen Netzwerken - weil es so sehr an Edvard Munchs Kunstwerk "Der Schrei" erinnerte.

SPORT-NEWSLETTER

Jetzt anmelden und wöchentlich die wichtigsten Sportmeldungen kompakt per E-Mail erhalten.

*) Eine Abbestellung ist jederzeit möglich, weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Aufgerufen am 17.10.2021 um 12:38 auf https://www.sn.at/sport/olympia-2020/karsten-warholm-mit-formel-1-technik-zur-fabelzeit-107514052

Kommentare

Schlagzeilen