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Österreich jubelt über zwei Mal Bronze bei den Olympia-Neulingen

Edelmetall in den neuen Disziplinen Karate und Klettern: Bettina Plank und Jakob Schubert lassen Österreich jubeln. Das ÖOC-Team hält damit bereits bei sieben Medaillen in Tokio.

Zwei Olympiamedaillen an einem Tag passieren nicht oft für Österreich bei Sommerspielen. 2004 war das zuletzt der Fall. Am Donnerstag schafften Bettina Plank im Karate und Jakob Schubert im Klettern ihre Bronzemedaillen bei den Spielen innerhalb von nicht einmal zwei Stunden: Während Schubert zu den Favoriten auf Edelmetall gezählt hatte, überraschte Plank im Karate-Kumite-Bewerb. Beide Sportarten waren übrigens erstmals bei Olympia vertreten.

Im Überschwang der Gefühle sprudelte es nur noch vorarlbergisch aus Bettina Plank heraus. "I konn nit glob'n, wos hier passiert isch", sagte sie sichtlich bewegt vor den TV-Mikrofonen. Wenige Minuten zuvor hatte sie das Semifinale der Kategorie bis 55 Kilogramm gegen die spätere Siegerin Iwet Goranowa aus Bulgarien knapp verloren, womit die Bronzemedaille für sie feststand. Die 29-jährige Vorarlbergerin, die in Linz lebt und trainiert, hatte diese eine Chance auf olympisches Edelmetall - und nutzte sie.

Karate ist in Tokio erstmals olympisch, wird aber für Paris 2024 schon wieder aus dem Programm verbannt. Nur ein exklusiver Kreis von Kämpfern schaffte es zur Premiere: Bei den Frauen wurden die Klassen bis 50 und bis 55 Kilogramm zusammengelegt, nur zehn Karateka konnten bei Olympia teilnehmen. "Der Bewerb ist so krass", sagte Bettina Plank zu dem Modus. "Ganze zehn von 600 Kandidatinnen aus der ganzen Welt waren dabei, und dann geht sich für mich eine Medaille aus."

Als sie Mitte Juni erfahren hatte, dass sich ein Startplatz für sie ausgeht, habe sie sich gar nicht gefreut, bekannte Plank: "Ich habe geweint, weil ich gesagt habe, ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr, ich habe keine Energie." In den acht verbleibenden Wochen versuchte sie dann aber, alles für den optimalen Erfolg zu tun. Denn die Chance für die Auserwählten auf eine Medaille war sehr groß. Dann fiel noch eine Konkurrentin kurzfristig wegen eines positiven Coronatests aus. Betty Plank schaffte mit zwei Siegen, einer Niederlage und einem Unentschieden als Zweite im Fünferpool den Aufstieg.

Sie konnte es nach der Qualifikation für das Halbfinale und der Fixierung einer Medaille nicht glauben, als sie in der Mixed Zone wartend endlich den Tabellenstand eingeblendet sah. Sie schien an zweiter Stelle auf, fiel ihrem Trainer Juan Luis Benítez Cárdenes in die Arme und ließ den Tränen freien Lauf. Immer wieder vergewisserte sie sich beim Coach, ob die Medaille wirklich sicher sei.

Einen wichtigen Beitrag zur Medaille von Plank leisteten zwei junge Salzburger. Die 18-jährige Junioren-EM-Dritte Aleksandra Grujic und der 19-jährige Matthias Kowarik begleiteten sie als Trainingspartner nach Japan und simulierten in einem neuntägigen Trainingslager ihre Gegnerinnen.

Jakob Schubert zeigte Nervenstärke beim ersten Olympia-Finalbewerb der Sportkletterer und wurde dafür mit der Bronzemedaille belohnt. Der 30-Jährige war am Donnerstag in Tokio in der als Kombination ausgetragenen Konkurrenz im Speed Siebter und im Bouldern Fünfter, machte dieses Manko mit einem Sieg im Vorstieg (Lead) aber noch wett. Gold ging an den Spanier Alberto Ginés López, Silber an den US-Amerikaner Nathaniel Coleman.

Mit 35 Punkten hatte Schubert nach dem Bouldern nur noch eine Bronze-Chance, und auch nur im Fall eines Sieges in seiner Spezialdisziplin. Das schaffte der Kombinationsweltmeister 2018, die Konkurrenz kletterte da endlich für den rot-weiß-roten Favoriten.

Schubert hatte im Speed das Pech, dass er in der unteren Rasterhälfte begonnen hatte. Sein tschechischer Dauerrivale Adam Ondra genoss oben ein Auftakt-Freilos. "Das war ein schlechter Start, weil Adam so weit vorn ist. Er war dank Freilos schon fix unter den ersten vier", sagte Coach Kilian Fischhuber gegenüber dem ORF. Für den Vorstieg müsse Schubert jetzt noch den Einser bringen, diesen Teilbewerb also gewinnen.

Der Kombinationsweltmeister von 2018 in Innsbruck war in dem im K.-o.-System ausgetragenen Speed-Bewerb zu Beginn dem Japaner Tomoa Narasaki in 9,18 Sek. um 3,07 Sek. und danach Coleman in 6,76 Sek. um 0,55 Sek. unterlegen. Im Bouldern kletterte der achtfache WM-Medaillengewinner aus Innsbruck am ersten Boulder zum Top, bis auf Ginés López aber auch alle Gegner. Der zweite Boulder war um einiges kniffliger, nur Coleman erreichte das Top. Beim dritten, noch schwierigeren Boulder kam der ÖOC-Athlet gar nicht zum Top, sonst aber auch niemand. Alle schrieben am Ende der zweiten Disziplin eine Zone an. Schubert bilanzierte mit einem Top und drei Zonen.

Im Vorstieg kam Schubert als Letzter an die Reihe und als Einziger zum Top. Damit blieb er im Multiplikationsmodus bei 35 Zählern. Ginés López bilanzierte mit 28 Punkten, Coleman mit 30. Den Mitfavoriten Narasaki fing der dreifache Weltmeister um einen Zähler ab.

"Ich wusste natürlich, dass ich im Vorstieg alles herausholen muss - habe aber geglaubt, dass es selbst mit Platz eins nicht reichen würde", sagte Schubert. "Es war ein Fight bis zum Schluss, der Vorstieg hat mir wieder einmal eine Medaille beschert - es ist einfach großartig." Sein Rezept: "Irgendwie konnte ich den ganzen Frust auf die Wand bringen."

In drei Jahren in Paris will Schubert wieder mit dabei sein. Dann wird es eine Boulder/Vorstieg-Kombination geben, in der seine Chancen noch besser sind. Schon heute, Freitag (10.30), kann die Tirolerin Jessica Pilz es ihrem Landsmann im Bewerb der Frauen gleichtun.

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