Tokio 2020 Zum Olympia-Schwerpunkt ...
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Österreichs Tops und Flops bei Olympia

Die Spiele von Tokio brachten viel Jubel für Österreich, aber auch manche Enttäuschung. Die Bilanz in Rot-Weiß-Rot.

Grüße aus Tokio: Sieben Medaillengewinner machten Österreich große Freude.  SN/GEPA pictures
Grüße aus Tokio: Sieben Medaillengewinner machten Österreich große Freude.

Mit sieben Medaillen war Tokio 2020 eine Erfolgsgeschichte für Österreichs Olympiateam. Die Tops und Flops der XXXII. Olympischen Sommerspiele in Tokio aus österreichischer Sicht:

Tops

Sie war die Sensation im ÖOC-Team und sorgte auch weltweit für Schlagzeilen: Der völlig unerwartete Sieg und damit Gold durch Anna Kiesenhofer im Rad-Straßenrennen nahm Österreichs Delegation früh den Druck. Die 30-jährige Niederösterreicherin sorgte für das erste Radsport-Olympia-Gold seit Adolf Schmal bei den ersten Spielen der Neuzeit 1896 in Athen.

Österreichs Judokas errangen durch Michaela Polleres und Shamil Borchashvili die ersten Olympia-Medaillen seit Silber 2008 durch Ludwig Paischer. Die Medaille von Polleres glänzte in Silber, die Niederösterreicherin musste sich erst im Finale beugen. Der gebürtige Tschetschene, der mit seiner Familie als Kind nach Österreich geflüchtet war, ist seit 2017 Staatsbürger und überraschte mit Bronze in der Klasse bis 81 kg.

Österreichische Olympia-Geschichte schrieben Magdalena Lobnig und Lukas Weißhaidinger mit ihren Bronzemedaillen in Tokio: Die Kärntnerin holte im Einer als erste Frau für Österreich eine Ruder-Medaille und der 29-jährige Diskuswerfer aus Oberösterreich wurde in der Leichtathletik zum ersten männlichen Olympia-Medaillengewinner für Rot-weiß-rot überhaupt.

Bettina Plank sorgte mit ihrer Bronzemedaille dafür, dass Österreich beim Debüt der Sportart Karate im Medaillenspiegel aufscheint. Vorerst wird es auch die einzige Medaille in dieser Sportart bleiben, denn 2024 in Paris ist die japanische Kampfkunst nicht im Programm. Die Vorarlbergerin kämpft normalerweise in der Kumite-Klasse bis 50 kg, bei den Sommerspielen musste sie es nach der Zusammenlegung mit der 55er-Klasse mit teilweise unbekannten Gegnerinnen aufnehmen.


Gekommen, um zu bleiben sind die Kletterer und auch hier hat Österreich gleich angeschrieben; Jakob Schubert holte im dramatischen Finale mit einem Sieg im Vorstieg doch noch die hochersehnte Medaille. Mit Bronze belohnte sich der 30-jährige Tiroler Schubert nach acht WM-Medaillen, darunter drei Titeln, auch mit olympischem Edelmetall.

Felix Auböck blieb zwar ohne Medaille, aber seine Leistungen waren top: Mit drei Finalteilnahmen, darunter Rang vier über 400 m und nur um 0,13 Sekunden verpasster Bronzemedaille, und österreichischen Rekorden auf jeder seiner Strecken hat er sein Formhoch zur rechten Zeit gehabt. Über 800 und 1.500 m Kraul wurde der Niederösterreicher jeweils Siebenter.

Knapp an einer Medaille vorbeigeschrammt, aber ein Versprechen für die Zukunft: Das gilt für die Kanu-Sportler Nadine Weratschnig und Felix Oschmautz (Plätze fünf und vier) sowie Jessica Pilz, der eine Winzigkeit auf eine Medaille fehlte. Am Ende wurde es Platz sieben für die 24-Jährige, die in Paris 2024 erneut angreifen wird.

Vorbereitung und Teamgeist im österreichischen Tokio-Tross haben zur Erfolgsbilanz wesentlich beigetragen. Vom Know-how in der Hitzebekämpfung profitierten alle, die im Olympischen Dorf wohnten. Statt am Swimmingpool traf man sich am Eisbecken. Langjährige Partnerschaften nützten Österreichs Teams im Karate, Tischtennis und Triathlon. Sie durften sich bei japanischen Freunden den letzten Schliff für ihren Auftritt bei den Spielen holen.

Flops

Große Hoffnungen, lange Vorbereitungszeit, teurer Transport und dann bekommt das Pferd Zahnweh. Für Österreichs beste Dressur-Reiterin Victoria Max-Theurer ist nichts aus ihren fünften Olympischen Spielen geworden, denn ihr Toppferd Abegglen litt unter einem eitrigen Backenzahn. Das bedeutete nicht nur das Aus für die Oberösterreicherin als Einzelreiterin, sondern auch für das Team. Ebenfalls Pech hatte in der Vielseitigkeit Katrin Khoddam-Hazrati, deren Cosma beim Aufwärmen ein Hufeisen verlor und nach neuem Beschlagen nicht mehr lahmfrei ging.

Enttäuschend verliefen die Spiele für Österreichs Segler, denen die Coronapandemie viel wertvolle Trainingszeit in schwierigen Revieren geraubt hatte: Statt mit drei Medal-Race-Teilnahmen und einer Medaille reisten sie mit Rang zehn, elf und siebzehn heim. Als einziges OeSV-Boot schafften es die 49er Benjamin Bildstein/David Hussl als Zehnte in das Medal Race der Top Ten. Thomas Zajac/Barbara Matz im Nacra 17 Foiling (11.) und Tanja Frank/Lorena Abicht (17.) im 49er FX waren schon davor aus dem Rennen.

Als Geheimfavoritin war Laura Stigger ins Mountainbike-Rennen gestartet, aber schon nach kurzer Distanz musste sie völlig entkräftet aufgeben. Für die 20-jährige Juniorenweltmeisterin fiel Tokio noch in die Kategorie "Lehrreiche Lektion".

Am Stück schlecht lief es für die ÖOC-Triathleten: Julia Hauser musste noch während des Schwimmens nach einem Schlag auf den Kopf aufgeben, Alois Knabl schied nach einem Sturz mit Rad-Defekt aus. Und schließlich musste die Mixed-Staffel wegen einer Verletzung von Lisa Perterer absagen. "Das waren katastrophale Spiele für uns", meinte dann auch ÖTRV-Sportdirektor Robert Michlmayr. Es schauten nur die Ränge 26 von Lisa Perterer und 34 von Lukas Hollaus im Einzel heraus.

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