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Ester Ledecka mit Spaß und Schokolade zu Sport-Geschichte

Mit Schokolade und Spaß zur Schneesport-Sensation: Am Tag nachdem sie bei Olympia Sportgeschichte geschrieben hatte, war Ester Ledecka früh auf den Beinen. Im Hauptpressezentrum in Alpensia präsentierte sich das tschechische Multitalent fast eine Stunde lang im Kreis ihrer Eltern und aller Coaches. Und sie gestand: "Es stimmt. Ich esse eine Menge Schokolade. Es ist eine Art Doping für mich."

Ledecka beendet die Spiele in Pyeongchang als Fahnenträgerin SN/APA (AFP)/JAVIER SORIANO
Ledecka beendet die Spiele in Pyeongchang als Fahnenträgerin

Die Ski fahrende Snowboard-Weltmeisterin hatte eine Woche davor in Jeongseon sensationell den Super-G der Skifahrerinnen gewonnen und am vorletzten Olympia-Tag in Bokwang das angepeilte Gold im Parallel-Riesentorlauf der Snowboarder nachgelegt. Als Erste hat es die Pragerin damit geschafft, bei ein und denselben Winterspielen Gold in zwei verschiedenen Sportarten zu holen.

Bei beiden Pressekonferenzen hatte sie zuvor ihre Skibrille aufbehalten und damit das halbe Gesicht verdeckt. Am Sonntag zeigte sich die 22-Jährige erstmals "oben ohne" und perfekt geschminkt. Und sie verkündete stolz, dass sie am Abend bei der Schlussfeier die Fahnenträgerin für Tschechien sein werde.

Ledeckas Instagram-Follower sind nach ihren Erfolgen innerhalb von Tagen von 16.000 auf 100.000 explodiert. Zu den Gratulanten gehörten auch Lindsey Vonn, Fußballer Petr Cech oder US-Schwimmerin Katie Ledecky. "Im Vergleich mit ihnen bin ich aber so klein", zeigte Ledecka mit Zeigefinger und Daumen.

Die Tschechin ist schlagfertig. Ob sie nun 2020 in Tokio auch im Windsurfen, einer ihren weiteren Leidenschaften, starten werde? "Da muss ich mich aber beeilen", lautete ihre Antwort. Ob sie sich mehr als Snowboarderin denn als Skifahrerin fühle, wurde sie auch gefragt. "Wenn ich mit dem Snowboard unterwegs bin, sage ich 'verdammte Skifahrer' und wenn bei den Skifahrern bin, schimpfe ich über die Snowboarder", antwortete sie lachend.

Ledeckas Snowboard-Coach Justin Reiter bezeichnete die junge Athletin am Sonntag als "einzigartig". "Es ist unglaublich, welchen Job sie da erledigt hat", sagte der US-Amerikaner, der vergangenen Winter selbst noch im Weltcup gestartet war.

Ledecka selbst hält vor allem eines für wichtig: "Es ist der Spaß, den ich auf dem Snowboard, aber auch auf den Ski habe, der das alles ohne zu großen Druck möglich macht. Ich will jede Medaille gewinnen. Aber zuerst muss ich das, was ich gelernt habe, umsetzen und dabei Spaß haben."

Sogar im Training müsse man Spaß haben, betonte Ledecka. "Nicht alle anderen Mädchen haben das immer", glaubt sie. Ihre Medaillen in Pyeongchang seien jedenfalls ein "großer Bonus", den sie erst später in ihrer Karriere erwartet habe.

Dafür muss die junge Athletin aber auch ordentlich schuften. Sie arbeitet ihre beiden Sportarten in Blöcken ab. Im Ski ist Tomas Bank ihr Haupttrainer, im Snowboard Reiter. "Es ist nicht so, dass ich jeden Tag mit einem 'Whee' aufstehe und sage, lass uns auf den Trainingshang gehen. Denn manchmal ist es fünf Uhr früh und in Wahrheit willst du einfach nur im Bett bleiben."

Trotz ihres historischen Erfolgs sieht sich Ledecka nicht als Vorbild. "Besser nicht. Für ein Vorbild bin ich einfach viel zu verrückt und zu chaotisch", winkte sie lachend ab. "Am Renntag habe ich meine Startnummer verlegt, wir mussten sie alle gemeinsam suchen", erzählte Ledecka.

Unmöglich sei es nicht, Ähnliches wie sie zu vollbringen. "Solange sie Spaß haben bei dem, was sie tun, und so lange sie den Mut haben zu ihren Entscheidungen zu stehen, kann es möglich sein."

Ledecka kommt aus einer ungewöhnlichen Familie. Großvater Jan Klapac war zweifacher Olympia-Medaillengewinner mit der Eishockey-Nationalmannschaft. Mutter Zuzana war Eiskunstläuferin, Vater Janek Ledecky ist Komponist und in Tschechien ein Popstar. Bruder Jonas zeichnet Comics und designte die "Superheldinnen"-Rennanzüge seiner Schwester.

Vor allem beim Opa bedankte sich Ledecka in Korea: "Ohne ihn wäre ich nicht hier. Er hat mir die Begeisterung für den Sport mitgegeben. Ich hoffe, er ist jetzt stolz auf mich."

Sie würde keine Lieder ihres Vaters auf den Pisten hören. "Da singe ich selbst", sagte Ledecka und verwies darauf, dass ihr Vater noch keinen Song über sie geschrieben hätte, nur ihr Bruder. Papa Ledecky reagierte in Korea aus dem Zuhörerraum sofort: "Versprochen", sagte er zu, dies nun sofort nachzuholen.

(APA)

Aufgerufen am 20.06.2018 um 06:56 auf https://www.sn.at/sport/olympia2018/ester-ledecka-mit-spass-und-schokolade-zu-sport-geschichte-24676003

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